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Musik : Gema-Gebühren bedrohen die Live-Kultur

Bochum, 22.07.2009, Kirsten Simon

Bochum. Die Verwertungsgesellschaft Gema will ihre Gebühren erhöhen. Deshalb unterzeichnen auch viele Bochumer Veranstalter die deutschlandweite Online-Petition. Denn sie fürchten den Tod der Subkultur.

Bei Konzerten funktioniert das in der Regel so: Die Besucher zahlen und einer, der nicht dabei ist, kassiert. Die Gema nämlich, die Rechteverwerter, deren Aufführungstarife hoch und höher zu werden scheinen. So hoch, dass Konzertveranstalter, Künstler und Fans die Live-Kultur bedroht sehen, weil Konzerte immer schwerer finanzierbar wären. Gerade kleine Konzerte aus der Underground-Ecke scheinen vor einer schweren Zukunft zu stehen. „Wenn die Gebühren tatsächlich so massiv explodieren, wäre das der Tod der Subkultur”, sagt Norbert Kurtz vom Zwischenfall in Langendreer.

Über 100 000 Unterschriften gesammelt

Zahlreiche Bochumer Veranstalter beteiligen sich an einer deutschlandweiten Petition, in der sie der Gema „mangelnde Transparenz und astronomische Kosten” vorwerfen. Über 100 000 Unterschriften gibt es bereits. „Die Gema hat mir zahlreiche schlaflose Nächte beschert”, sagt Marcus Gloria, Cooltour-Chef und Bochum-Total-Veranstalter. Die Gema und Gloria – eine dicke Freundschaft wird das wohl nicht mehr. Wegen der Gebührenforderungen haben sich die beiden Parteien schon vor Gericht getroffen. Mit dem Ergebnis, dass Marcus Gloria weit weniger als die zunächst geforderten 140 000 Euro habe abführen müssen. „Die Gema ist ein Monopol, ein Selbstbedienungsladen”, sagt Gloria.

Er und die anderen Bochumer Konzert-Veranstalter kritisieren neben ständig steigender Gebühren auch eine „undurchsichtige Struktur”. Diese sei „ultra-schwierig und kompliziert”, sagt Torsten Sickert aus der Zeche-Geschäftsführung. Er sieht es ähnlich wie Norbert Kurtz vom Zwischenfall: „Die Gema-Sätze sorgen dafür, dass vor allem kleinere Konzerte mit 50 bis 70 Zuschauern nicht mehr stattfinden können.” Die Pauschalen seien so weit erhöht worden, dass das durch die Eintrittskarten nicht mehr reingeholt werden könne. „Die Gema-Gebühr ist an so einem Konzertabend der dritt- oder viertteuerste Posten”, sagt Kurtz.

"Gema-Gebühr ist drittteuerster Posten"

Die Gema-Sätze sorgen dafür, dass vor allem kleinere Konzerte mit 50 bis 70 Zuschauern nicht mehr stattfinden können, so die Kritik aus Bochum. Foto: Ralf Rottmann Foto: WR

Die Gebühr richte sich nach der Größe der beschallten Fläche: „Wenn nur sehr wenige Zuschauer kommen, muss man trotzdem die kompletten Gebühren zahlen”, sagt Heiko Schwegmann vom Bahnhof Langendreer. Auch bei Dirk Zimmer von der Matrix gibt es einen dicken Gema-Ordner: „Neuerdings müssen wir am Jahresanfang sämtliche für das Jahr geplanten Veranstaltungen anmelden und sofort dafür bezahlen.” Fänden statt der angemeldeten 60 nur 30 Konzerte tatsächlich statt, werde das Geld nicht zurückgezahlt. „Gerade kleinere Veranstalter können es sich nicht leisten, so viel im Voraus zu zahlen.”

Die Gema-Gebührenordnung scheint vielschichtig. Ein Beispiel: Ein Konzert mit einem Eintrittspreis von 45 Euro und 5000 Zuschauern koste den Veranstalter nach altem Gema-Satz 3 369,60 Euro – der neue Tarif laute 18 000 Euro. „Zurzeit kursieren viele Zahlen, die so nicht stimmen”, sagt ein Gema-Sprecher auf WAZ-Anfrage. Eine ausführlichere Stellungnahme blieb bis zum Redaktionsschluss allerdings aus.

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