5000 Besucher beim Steampunk-Festival in Bochum

Hoch zu Ross im Damensitz: (v.l.) Antje, Heike und Mengiarda warten beim Steampunk-Festival auf die nächste Fahrt auf dem Pferdekarussell.
Hoch zu Ross im Damensitz: (v.l.) Antje, Heike und Mengiarda warten beim Steampunk-Festival auf die nächste Fahrt auf dem Pferdekarussell.
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Auch die zweite Auflage des Steampunk-Festivals in Bochum war erfolgreich: 5000 Zeitreisende bevölkerten am Samstag die Jahrhunderthalle.

Bochum.. Der Historische Jahrmarkt in der Jahrhunderthalle ist endgültig um eine Attraktion reicher. Nach der erfolgreichen Premiere 2015 mit 2500 Fans wurden bei der Neuauflage des Steampunk-Festivals am Samstag laut Veranstalter die angestrebten 5000 Besucher nahezu erreicht. Der Szene-Treff hat damit im Westpark eine dauerhafte und dazu ideale Heimstatt gefunden.

Steam (Dampf) und Punk: Das ist eine noch junge Subkultur, die sich anlehnt an die Science-Fiction-Visionen eines Jules Verne oder H.G. Wells. In ihren Romanen zeichneten die Schriftsteller das Bild einer Zukunft, wie sie zu Beginn des industriellen Zeitalters im 19. Jahrhundert greif- und vorstellbar erschien. Vor allem der Franzose Jules Verne war es, der mit Klassikern wie „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder „20 000 Meilen unter dem Meer“ eine tollkühne, bis heute faszinierende Fabelwelt erschuf. Die Technik wird von Dampfmaschinen dominiert; die Nutzung der Elektrizität steckt noch in den Kinderschuhen.

Die europaweite Steampunk-Bewegung knüpft an, wo Jules Verne endet. Wie sähe unsere Welt heute aus, wenn sich nicht die Elektrizität, sondern die Dampfkraft durchgesetzt hätte? „Diesen Gedanken finden wir extrem spannend. Wir sind Retro und Zukunft zugleich – und ein wenig Punker auch“, sagt Lisa Frentzsch (33), die sich mit ihren Freundinnen vom Niederrhein in extravagante Roben mit XXL-Ausschnitt geschmissen hat.

Selbst das miserable Wetter hielt kaum einen Steampunker davon ab, nach Bochum zu kommen. Die Parallelwelt in der Industriekathedrale war reich und bunt bevölkert. Anhänger aus ganz Deutschland, Benelux, Österreich und England traten ab dem Vormittag die Zeitreise an. Wobei treten allzu profan daherkommt. Die seriös dahinschreitenden Herren mit Zylinder, Flieger- und Schweißerbrille, die anmutigen Damen in mitunter höchst freizügiger Garderobe, die hoch zu Ross (und selbstverständlich im züchtigen Damensitz) Runde um Runde auf dem historischen Pferdekarussell drehen: Die Steampunks verstehen sich als Kontrastprogramm zur Moderne. Sie zelebrieren die Ästhetik der Kolben, Bolzen, Zahnräder. Sie verachten die seelenlosen Oberflächen der Touchscreen-Computer. Statt im Netz zu surfen, wähnen sie sich auf Expedition an Bord der Nautilus. Endlos weit unter dem Meer. Ganz nahe bei Jules Verne.

Im Hier und Jetzt freuten sich Hallenchef Andreas Kuchajda und Schaustellerbund-Präsident Albert Ritter über die erfolgreiche Fortsetzung des Steampunk-Festivals, für das die Halle und Kirmes gleichsam die perfekte Kulisse bildet – ebenso wie für den „Rock’n’Roll anne Raupe“, der am Freitag steigt.

Noch eine Zeitreise. Diesmal in die 50er und 60er Jahre.