30. Auflage - Bochum Total 2015 war denkwürdiges Festival

Fans jubeln der Band "Luxuslärm" zu, die bei Bochum Total spontan einsprang.
Fans jubeln der Band "Luxuslärm" zu, die bei Bochum Total spontan einsprang.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Stromausfall, Hitze und Gewitter: Und trotzdem feierte die 30. Auflage von „Bochum Total“ erneut einen fulminanten Party-Erfolg.

Bochum.. Das junge Bochum war in Partylaune. Seine Gäste ebenso. Über eine halbe Million Besucher, so die ersten Schätzungen, strömten trotz der Hitze zu Bochum Total, das seine Stellung als größtes Innenstadt-Festival Europas abermals behauptete.

Sie ist schon einzigartig, die Erfolgsgeschichte, die Marcus Gloria in seiner Heimatstadt schreibt. 1986 gründete er als Student mit seinem Freund Heri Reipöler (heute einer der Macher des Zeltfestivals Ruhr) Bochum Total: ein anfangs eher beschauliches Straßen- und Stadtfest mit der Kapelle eines Kulturamts-Mitarbeiters als erstem „Topact“. 29 Jahre später sucht das Umsonst-und-draußen-Festival seinesgleichen. Hunderttausende Besucher, vier Bühnen, 80 Bands und Künstler, dazu ein opulentes Offstage-Programm in den Bermuda-Clubs: „Explosion“ nennt Gloria die rasante Entwicklung, die sein Baby genommen hat.

Bochum Total 2015 Das Erfolgsrezept? Klar: Es gibt keinen Eintritt. Das ist wichtig vor allem für die vielen jugendlichen Fans, für die das Event längst die Party des Jahres ist (die Refinanzierung gelingt über Getränkeverkauf, Standgebühren, Sponsoren und Merchandising).

Riecher für die zukünftigen Stars

Doch Bochum Total: Das bedeutet auch ein ambitioniertes Musikkonzept mit vielen Newcomern aus dem In- und Ausland, einigen wenigen arrivierten Namen und einem ausgeprägten Riecher für die Stars von morgen. Seeed, Casper, Silbermond, Revolverheld, Wir sind Helden, die H-Blockx, Kraftklub, Jupiter Jones, Andreas Bourani: Sie standen für schmale Gagen auf der BO-Total-Bühne, bevor sie es zu Ruhm und Reichtum brachten. Das möchten auch Joris („Herz über Kopf“), die Band Trümmer und Sänger Matteo Capreoli aus Hamburg oder Kensington aus Holland von sich behaupten, die bei der 30. Auflage als Nachwuchshoffnungen gehandelt wurden.

Der runde Geburtstag wird lange in Erinnerung bleiben. Von einem „Bochum Total der Extreme“ sprechen die Veranstalter in einer ersten Bilanz. 90-minütiger Stromausfall am Eröffnungsabend, kurzfristiger Ausfall der schottischen Headliner Twin Atlantic (dafür sprang Luxuslärm aus Iserlohn ein), schwere Gewitterstürme mit umherwirbelnden Verkaufszelten und Markisen: alles dabei.

Marcus Gloria bedankt sich ausdrücklich bei den Nachbarn, die durch das Festival Umleitungen und Straßensperrungen in Kauf nehmen mussten, sagt aber auch: „Alles in allem können Sie stolz sein auf diese Stadt. Eine Stadt, in der so etwas möglich ist.“

Gut möglich, dass eine Uraufführung zur festen Einrichtung wird. Tausende meist ältere Fans feierten am Samstagabend die „Kumpels in Concert“: eine von der Zeche Bochum zusammengestellte Band, die die größten Hits der BO-Total-Ehemaligen intonierte. Eine Ü-30-Party inmitten des Jugendkults: Das hat dem Festival gerade noch gefehlt.