21-Jähriger büßt Nazi-Spruch mit U-Haft
20.06.2007 | 08:46 Uhr 2007-06-20T08:46:15+0200Laut Anklage soll er im Hauptbahnhof für viele Passanten hörbar auch gegen Ausländer gehetzt haben. Und mit Springerstiefeln zugetreten haben. Gestern gab er vor Gericht im Kern alles zu.
Wegen Grölens eines Nazi-Spruches und einer ausländerfeindlichen Parole im Bochumer Hauptbahnhof hat Amtsgerichtsdirektor Friedrich Meyer einen 21-jährigen Bochumer in U-Haft gesperrt. Er sitzt bereits seit 7. Mai hinter Gittern. Wegen Wiederholungsgefahr. Gestern wurde der wegen Nazi-Parolen und Tritten mit Springerstiefeln bereits vorbestrafte Mann vors Schöffengericht geführt.
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, am frühen Abend des 5. November 2006 für viele Passanten im Bahnhof hörbar das Nazi-Reich verherrlicht und gegen Ausländer gehetzt zu haben. Dabei soll er schwarze Kleidung einer Marke getragen haben, die in rechten Kreisen beliebt ist. Dann soll er einem Zeugen (15), mit dem er nach den Nazi-Sprüchen Streit bekam, mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben, so dass Zahnfleisch und Oberlippe aufgeplatzt seien. Zudem soll er ihm mit Springerstiefeln mehrfach in den Rücken getreten haben.
Der 21-Jährige gibt im Kern alles zu. "Ja, so ist das passiert." Er sei betrunken gewesen. "Den Schnaps, den vertrage ich nicht, da werde ich aggressiv." Richter Meyer fragte ihn, was er denn überhaupt über das Nazi-Reich wisse. "Nicht viel", räumte er kleinmütig ein. Auch auf die Frage, warum er denn das Nazi-Reich damals im Bahnhof beweihräuchert habe, fiel ihm keine konkrete Antwort ein.
Wegen einer Minderbegabung ist dem Angeklagten ein Betreuer zur Seite gestellt. Trotzdem gilt er als verantwortlich für den Vorfall.
Ein Urteil wird erst am Mittwoch erwartet. Der Angeklagte bestreitet nämlich, mit Springerstiefeln zugetreten zu haben. Es seien nur Turnschuhe gewesen. Weil das für die Strafe eine Rolle spielt, holt der Richter jetzt weitere Zeugen. Zum Angeklagten sagte er: "Wenn sich herausstellen sollte, dass es doch Springer-stiefel waren, können Sie sich warm anziehen." B.Ki.

0mitdiskutieren