1800 Bochumer Opelaner sollen freiwillig gehen
16.08.2010 | 17:48 Uhr 2010-08-16T17:48:00+0200
Bochum.Ab sofort wird es wieder ernst für die Bochumer Opelaner. 1800 von ihnen sollen bis Ende 2011 freiwillig gehen, 654 davon möglichst noch in diesem Jahr. Der Betriebsratschef Einenkel will betriebsbedingte Kündigungen um jeden Preis verhindern
Wer bewegt sich zuerst? Opel oder Opelaner? Während der Konzern nach 654 Freiwilligen sucht, die noch in diesem Jahr ihren Job kündigen, kann sich Betriebsratschef Rainer Einenkel nicht vorstellen, dass Opel sein ohnehin angekratztes Image mit betriebsbedingten Kündigungen ab 2012 vollends ramponieren werde.
Seit heute werden die 4830 Mitarbeiter auf dem Werksgelände über das neue Abfindungsprogramm, das mit einer Turboprämie lockt, informiert. Dieses sieht vor, dass ab September jeden Monat 100 bis 150 Opelaner freiwillig kündigen. 1800 sollen es insgesamt bis Ende des kommenden Jahres sein. Sie werden für maximal ein Jahr in der neu gegründeten Transfergesellschaft der RAG Bildungs-Transfer GmbH aufgefangen, um so schnell wie möglich weitervermittelt zu werden. Für jeden Monat, den sie eher aus der Gesellschaft wieder ausscheiden, erhalten sie zudem eine Turboprämie in Höhe von 1000 Euro. Maximal also 12 000 Euro zusätzlich zur Abfindung von Opel, die sich stark nach der Länge der Betriebszugehörigkeit richtet.
Prämie sei ohnehin nur für Jüngere interessant
Doch Udo Glantschnig, Leiter der Agentur für Arbeit, rechnet vorerst nicht damit, dass Mitarbeiter „in großen Scharen“ von dem Angebot Gebrauch machen werden. Interessant sei die Prämie ohnehin nur für Jüngere, die noch nicht lange im Betrieb arbeiten und vielleicht schon einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben. Zudem seien die Abfindungen „nennenswert niedriger“ als noch zwischen 2005 und 2007. Dafür werde diesmal „drei Mal so viel für Weiterbildung und Qualifizierung“ ausgegeben, so Glantschnig.
Auch Betriebsratschef Rainer Einenkel hält eine Zahl in der Größenordnung von 1800 Mitarbeitern, die freiwillig ihren Hut nehmen, für „völlig unrealistisch.“ Im Gespräch mit der WAZ zeigte er sich „überzeugt, eine deutliche Reduzierung des geplanten Stellenabbaus zu bekommen.“ Es würden sicher noch schmerzhafte Probleme auf die Mitarbeiter zukommen und man werde „schmerzhafte Entscheidungen akzeptieren müssen“ – dennoch gebe es auch Alternativlösungen.
Arbeitszeitverkürzung - bis zur 30-Stunden-Woche
So hält Einenkel zum Beispiel eine „drastische Arbeitszeitverkürzung“ bis hin zu einer 30-Stunden-Woche für denkbar. Außerdem wolle man mit Hilfe von Fördermitteln der rot-grünen Landesregierung Zuliefererfirmen aus dem Ausland dazu bewegen, sich direkt am Bochumer Werk anzusiedeln. Zudem könnten mehrere Hundert Arbeitsplätze gesichert werden, indem man die Getriebeproduktion, die von Bochum nach Österreich verlagert werden soll, am Standort hält. Nach einer internen Bewertung liege man bei der Getriebeproduktion „fast überall auf Platz eins“, so Einenkel.
Offenbar spielt der Betriebsratschef ebenso auf Zeit wie der Konzern. Er könne sich nicht vorstellen, dass Opel ausgerechnet im symbolträchtigen Bochumer Werk betriebsbedingte Kündigungen aussprechen werde, wenn sich nicht genügend Freiwillige finden, sagte Einenkel.
Es bleibt also abzuwarten, wer sich zuerst bewegt. Opel oder Opelaner?

07:52
bin selber bei opel seit 12 jahren mir wurde letzte woche gedroht entweder abfindung zu nehmen netto 20000euro oder nach rüsselsheim zu wechseln sonst droht mir die betriebsbedingte kündigung soviel zu den betriebsräten in bochum die kümmern sich ein scheiss dreck um die mitarbeiter du bist bei opel eine nummer und bleibst eine nummer
15:21
Wenn ich all diese Kommentare um und über Opel lese frage ich mich warum Opel so verhasst ist?
17:33
@34 Naja,ein Batzen wohl kaum..du musst von dem Geld deine Lebenskosten bestreiten,im schlimmsten Fall bis es aufgebraucht ist.100000 € mal so zum verjubeln nebenbei..das wäre ein Batzen
20:58
Ich bekomme keine Abfindung wenn mein Laden Geschloßen wird.
100.000 € auch mit Abzug der Steuern bleibt immer noch ein batzen.
19:23
Nö dann heißt die Transfergesellschaft halt nicht mehr RAG irgendwas sondern TÜV irgendwas. Vielleicht bekommt man dann auch ne entsprechende Plakette??
Schon interessant wer so alles rumkaspert. Da tauchen Firmen auf, die die Sicherheit von Autos prüfen und vermitteln jetzt Opelaner in Arbeit. Aber klar doch, hat ja auch was mit Autos zu tun, jetzt wird alles klar.
Leute nehmt die Abfindung und klagt. Mit Eintritt in eine Transfergesellschaft müßt ihr auf dieses Recht verzichten. Lasst Euch nichts vorgaugeln, wahrscheinlich haben Eure Gewerkschafter bzw. Betriebräte schon lukrative Jobs bei der RAG/TÜV. WISO hat das ja gestern sehr schn gezeigt, wie da Geschäfte gemacht werden.
17:52
Transfergesellschaften sollten von Gesetz her verboten werden.
Genauso wie die kriminellen Vereinigungen, die ihren Mitgliedern den letzten übrigen Groschen aus dem Hemd leiern und dafür ihre Bevollmächtigten prächtig entlohnen.
Ja - genau. Die Einheitsgewerkschaft mit ihrem Porschefahrer und Almbesitzer.
Mit welcher Legitimation verhandeln die eigentlich?
Besser Rechtschutzversicherung, betriebsbedingte Kündigung abwarten und klagen.
DAS hat - im Gegensatz zu den sogenannten Transfergesellschaften - zumindest wirklich eine Chance von 80 %.
(Was passiert eigentlich am 01.01. 2011 - wenn der TÜV die RAG-Bildung übernehmen soll? Gibt es dann eine Transfergesellschaft für die Beschäftigten einer Transfergesellschaft?)
Mal im Ernst - vera...... kann ich mich alleine. Und das auch noch besser und billiger für die Sozialkassen.
16:51
Hauptsache GM geht wieder an die Börse.
15:37
Abfindung gleich Neiddebatte ? Leute das kann es nicht sein..ein Fall in die Arbeitslosigkeit ist nie weich.Ein Ü-55 kann sich mit einer Abfindung evtl noch bis zur Rente durchschlagen nur was macht der Rest ?Wo bitte sind denn Alternativarbeitsplätze?
Und an jedem Opel Arbeitsplatz hängen auch noch andere..
14:24
@ 21:
Abfindungen wegen des Verlustes eines Arbeitsplatzes zum Ausgleich von sozialen Nachteilen werden nicht voll versteuert, es gilt der ermäßigte Steuersatz (die sog. Fünftelregelung). Und selbst bei voller Steuer: Der Spitzensteuersatz in Deutschland beträgt 42%.
@22:
Du hast Recht, man fällt weich im Übergang zur Rente. Die 55jährigen Hertiemitarbeiter haben da schon mehr Sorgen...
14:23
Warum eigendlich noch Abfindung zahlen??