150 Exil-Iraner diskutieren in Bochum über ihre Heimat

Omid Pouryousefi gilt im Iran als „Staatsfeind“. In Bochum organisiert er jetzt einen Iran-Kongress.
Omid Pouryousefi gilt im Iran als „Staatsfeind“. In Bochum organisiert er jetzt einen Iran-Kongress.
Was wir bereits wissen
Ein Internationaler Iran-Kongress findet am 9. und 10. August in der Bochumer Christuskirche statt. Pfarrer Thomas Wessel unterstützt die Organisatoren. Zu Ihnen gehört Omid Pouryousefi, der Leiter des sozialen Jugendprojekts X-Vision.

Bochum.. Das Programm lässt sich schnell zusammenfassen: Weltpolitik und -frieden. 150 Exil-Iraner aus aller Welt setzen sich am Wochenende (9./10. August) in der Christuskirche zusammen, um über Wege hin zu einer säkularen Demokratie in ihrer Heimat zu diskutieren. Im letzten Jahr fand der erste Kongress noch mit ca. 70 Teilnehmern in Washington statt. Nun trifft sich die „iranische Elite“, bestehend aus bekannten Schriftstellern, Dichtern, Journalisten und Politikern in der Bochumer Christuskirche.

Dafür mitverantwortlich ist Omid Pouryousefi. Der 42-Jährige Bochumer ist in seinem Geburtsland Iran als „Staatsfeind“ eingestuft. Songs und Texte des Musikers, Migrationsbeauftragten und Leiters des sozialen Jugendprojektes X-Vision, haben ihm den Unmut des Mullah-Regimes eingebracht. Beim Kongress geht es jedoch weder um ihn, noch um andere Einzelschicksale: „Wir möchten langfristige Verbesserungen für das iranische Volk herbeiführen“, sagt Pouryousefi, der selbst als 13-jähriger Kriegsflüchtling nach Deutschland emigrierte. Erklärtes Ziel und gemeinsamer Nenner der Versammlung: „Religion und Politik müssen getrennt werden und eine Orientierung an westlichen Standards erfolgen.“ Seit der Wahl Hassan Rohanis zum iranischen Staatspräsidenten 2013 gab es zwar Annäherungen an die westlichen Länder - die großen Hoffnungen der Einwohner wurden bislang jedoch nicht erfüllt.

"Flagge für die Freiheit zeigen"

20 Vereine, u.a. aus den USA, Kanada und vielen europäischen Ländern, setzen sich dafür ein. Über ihre Spenden und Mitgliederbeiträge wird ein Großteil der Kongresskosten gestemmt. „Flüge und Hotels zahlen die Teilnehmer selbst. Jeder ist gewillt, seinen Teil beizutragen“, so Pouryousefi.

Pouryousefi unterstreicht auch die nachhaltige Ausrichtung: „Es ist zwar ein weiter Weg. Aber die jüngeren Mitgliedern stehen für einen Generationswechsel in der iranischen Opposition, die auch von den Älteren unterstützt wird.“ Ebenso weist er auf einen weiteren Vorteil hin: „Da die gesamte Organisation, u.a. Verpflegung, Sound, Video und Security, meiner Regie obliegt, helfen mir die Kids von X-Vision.“ Für sie sei es die perfekte Gelegenheit hautnah mitzuerleben, was Menschenrechte bedeuten und welchen Einsatz diese erfordern. Auch Thomas Wessel, Pfarrer und Leiter der Christuskirche, unterstützt die Organisation. Zur Eröffnung am Samstag lädt der Organisator um 9 Uhr alle politisch aktiven Bochumer ein, mit den Teilnehmern des Kongresses auf der Bühne geschlossen „Flagge für die Freiheit zu zeigen".