007 lässt grüßen: Gerd Uhle wird 80

Hannibal-Center-Gründer Gerd Uhle vor seinem Einkaufszentrum in Bochum-Riemke.
Hannibal-Center-Gründer Gerd Uhle vor seinem Einkaufszentrum in Bochum-Riemke.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
In Bochum als Kind 1942 evakuiert nach Mecklenburg-Vorpommern, dann mit zwölfeinhalb auf der KGB-Schule in Moskau gelandet: Gerd Uhle, Gründer des Hannibal-Centers, kann viel erzählen aus seinem bewegten Leben. Am Sonntag wird er 80.

Bochum.. „Wenn ich 80 bin, arbeite ich nur noch sechs Tage in der Woche“, lacht Gerhard Uhle mit tiefer Stimme und, wie er da an seiner Kuba-Zigarre zieht, schaut er ein wenig drein wie Hollywoods Film-Haudegen Lee Marvin. Ab Montag also nur noch sechs Tage. Denn Sonntag wird Uhle, der Erbauer des Hannibal-Centers, 80 Jahre alt. Ob der KGB davon weiß?

Wie turbulent sich sein Leben entfalten würde, schwante dem kleinen Gerd von der Johannes-straße/Ecke Gartenkamp in Riemke schneller als ihm lieb war. Gerade mal zehn Jahre alt, wurde seine Familie evakuiert. Es verschlug sie nach Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern. Sein Vater Ludger war dort stationiert, ein Fregattenkapitän, betraut mit Sonar- und U-Boot-Forschung.

Vater war Sozialdemokrat

„Mein Vater war ein Kämpfer“, sagt Gerd Uhle voller Respekt. Der Vater: Ein Sozialdemokrat, der im zweiten Weltkrieg dem Kreis um Graf Stauffenberg nahe gestanden habe, der sich mit Pastoren zu konspirativen Sitzungen traf, auch zu „Saufabenden“. Sein Sohn erinnert sich: „ Als 1945 die Russen in Neustrelitz einmarschierten, kam mein Vater in englische Gefangenschaft. Da wurde er weiter in der Sonarforschung eingesetzt.“

Und er selbst? - „Wir haben nur einen Tieffliegerangriff mitgemacht“, sagt Gerd Uhle. „Dann war ich Leichenbestatter, von den Russen abkommandiert. Mit sechs anderen Jungs haben wir Wasserleichen in die Massengräber gebracht. Den Geruch habe ich noch heute in der Nase. Dann wurde ich Speisträger, das russische Ehrenmal wurde gebaut.“

Als sowjetischer Offizier in der DDR

Er musste nicht allzu lange Speis schleppen. „Mit zwölfeinhalb wurde ich nach Moskau zur Ausbildung geschickt.“ Später auf die KGB-Hochschule. Als er in der 50er Jahren in Berlin auftauchte, war Uhle sowjetischer Offizier. Mit dem Auftrag, u. a. die kasernierte Volkspolizei der DDR zu schulen: „Noch heute kann ich Lenin vorwärts und rückwärts auf russisch zitieren.“

„Ich bin ein Gegner von Schweinenazis und Kommunisten“

Doch Uhle („Ich bin ein Gegner von Schweinenazis und Kommunisten“) brach damals mit dem Sowjetsystem. Die Engländer hätten ihn in einer Militärmaschine nach Hamburg geflogen, wollten ihn später wieder „zurück geben“. Er wurde an die Amerikaner weiter gereicht, dann an die Franzosen. „Wenn du nicht spurst, geht’s zur Fremdlegion“, hätten die ihm klar gemacht. Mit einem Saniwagen floh er erst nach Süden, sei dann „als Schwarzfahrer zurück nach Bochum“ gekommen. „Stark abgebrannt, in Stiefeln und sowjetischer Uniformhose.“

Der Onkel zahlte Uhle einen Anzug, damit er bei Baltz anfangen konnte

„Weil es so kalt war“, kam er erst bei Verwandten unter, zog dann ins Kolpinghaus. Als er vor der Wahl stand, Pflaster zu werden oder Verkäufer bei Baltz, „hat mein Onkel mir einen Anzug finanziert“. Uhle fing bei Baltz an. Nach einem Jahre wechselte er die Anstellungen, bei Kaufhof, Karstadt, wurde Substitut und Geschäftsführer bei Edeka. 1968 machte er sich „teilselbständig“.

Das Hannibal-Kapitel im Norden Bochums begann 1974/75. Uhle und seine Partner erwarben Gelände der Ex-Zeche Hannibal. Allkauf kam, dann ein kleiner Baumarkt und ein Textilgeschäft.

Knappe Finanzierung

Es war knapp: „Gelebt haben wir von den Einnahmen einer Pommesbude, für Hauszinsen und Brot. Das war furchtbar eng. Das war Schweiß und knochenharte Arbeit und Sparsamkeit.“ Das Hannibal-Center gedieh. Auf über 120.000 am verteilt sich heute der Branchenmix aus 22 großen und kleineren Unternehmen, mittendrin die Parkplätze.

Elektrisiert war er von Gerhard Löwenthal, wahrlich kein Kommunistenfreund, der im ZDF-Magazin Namen von Gefangenen nannte. „Hilferufe von drüben“ hieß das. Daraus wurde ein Verein, Uhle machte mit: „Wir haben 12.750 politische Gefangene freigekauft oder der Bundesregierung dafür vorgeschlagen. Und Millionen Mark Spenden eingesammelt. Wir hatten ein Helfernetz von über 5000 Leuten.“

Feinde aus dem kalten Krieg?

Aber er hatte auch Feinde, die ihm ans Leder wollten. „Dreimal waren die Radmuttern am Auto ab, einmal der Bremsschlauch durchschnitten. Vor sieben Jahren haben Leute mir eine Rauchbombe ins Auto geworfen, das ist völlig ausgebrannt.“ Ließen da kalte Krieger aus der Ära von 007 grüßen? Uhle ist auf der Hut.

In Lateinamerika hat er viele Freunde. Schon lange unterstützt er Adveniat. Dafür bekommt er jedes Jahr netten Besuch: Bischöfe danken persönlich für die Schecks.