Arzt-Gattin aus Bochum kam mit Sonnenbrille zum Mordprozess und schwieg
13.02.2012 | 14:49 Uhr 2012-02-13T14:49:00+0100
Bochum. Liebe und Verrat, Geburt und Tod, Angst und Begierde - das sind die großen Themen der klassischen Literatur. Es sind aber auch die Zutaten eines spektakulären Mordprozesses, der am Montag vor dem Bochumer Schwurgericht begann.
Angeklagt wegen Mordes ist eine 32-jährige Ehefrau eines niedergelassenen Arztes (41) aus Bochum. Heimlich hatte sie eine verhängnisvolle Affäre mit einem Börsenmakler (36). Als sie im August 2011 ein Baby zur Welt gebracht hatte, drehte sie durch. Obwohl sie die Beziehung längst beendet hatte, soll sie panische Angst gehabt haben, dass das außereheliche Abenteuer in der Arztfamilie auffliegt. „Er drohte damit, die Geschichte öffentlich zu machen“, sollte sie später bei der Kripo sagen. Als der Banker am 2. September 2011 das Fußballspiel Deutschland gegen Österreich schauen wollte und bereits das National-Trikot übergestreift hatte, betäubte sie ihn in seiner Wohnung in Bochum mit einem Kakao mit Amaretto, in den sie zuvor das Beruhigungsmittel Bromazepam geschmuggelt hatte, und mit einer sattsam gefüllten Morphiumspritze, die sie in die rechte Ellenbeuge setzte.
Als ihr Geliebter längst bewusstlos auf seinem Bett lag, soll sie aus seiner Küche ein Käsemesser geholt und es ihm 14 Mal in den Oberkörper gestoßen haben, davon zweimal ins Herz. Ein Vaterschaftstest ergab später : Der Getötete ist der Vater des Säuglings.
Der Sitzungssaal ist voll besetzt. Für den großen Publikumsandrang hatte das Gericht extra Platzkarten vergeben. Eine Arztgattin, die ihren Geliebten und zugleich Vater ihres erst zwei Wochen alten Sohnes tötet - das ist Stoff für einen großen Kriminalfall. Im Sitzungssaal erscheint die Frau mit schwarzer Sonnenbrille und schwarzer Wollmütze. Niemand soll ihr ganzes Gesicht sehen. Als die vielen Medienkameras vor ihr loszucken, sitzt sie wie eine Büßerin da: Kopf nach unten gebeugt, die Hände verkrampft auf dem Schoß gefaltet und alles reglos und schweigend über sich ergehen lassend.
Anklage geht von heimtückischem Mord aus
An jenem Freitagabend allerdings, dem Tattag, soll sie eine eiskalte Mörderin gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie bereits zu Hause einen potenziell tödlichen Giftcocktail mit dem Amaretto-Kakao, dem Bromazepam und dem Morphium vorbereitet hatte und auch entschlossen war, ihren Liebhaber zu töten. Die Medizin soll sie sich in der Praxis ihres Ehemannes besorgt haben, wo sie als Arzthelferin arbeitete. Sogar Einweghandschuhe hatte sie zum Tatort mitgebracht.
Bei der Kripo hatte sie bereits zugegeben, für den gewaltsamen Tod des Bankers verantwortlich zu sein. Von heimtückischem Mord will sie allerdings nichts wissen. Ihre Darstellung läuft auf einen Totschlag im Affekt hinaus. Sie habe ihren Geliebten nur betäuben wollen, damit er über das Wochenende schlafe und sie in Ruhe lasse, bis er die ganze Woche über wieder an der Börse in Frankfurt sei. Er habe ständig auf einen Vaterschaftstest gedrängt. Es drohte ein Skandal in ihrer Familie, in der sie, wie sie der Kripo einmal sagte, „immer einen schweren Stand“ gehabt habe. Sie habe „immer das Gefühl“ gehabt, „nicht standesgemäß“ zu sein.
Als ihr Liebhaber am Tatabend auf sein Bett in die Bewusstlosigkeit stürzte, war die untreue Arztgattin aber trotzdem nicht zufrieden. „Ich habe erkannt, dass alles irgendwie nur ein Aufschieben ist.“ Sie holte sich, wie sie zugab, ein Käsemesser aus der Küche des Bankers und stach zu. Sie sei „so wütend“ gewesen.
Angeklagte rauchte nach der Tat Marihuana
Vom Tatort nahm sie Beweismittel mit: etwa ein Handy mit belastenden SMS. Das soll sie unterwegs weggeworfen haben. Als sie zu Hause eingetroffen sei, habe ihr argloser Ehemann Fußball geguckt - und sie selbst erstmal einen Joint geraucht.
Entdeckt wurde das Verbrechen nur durch eine Obduktion. Am Morgen nach der Tat wurde die Leiche im Bett mit schweren Brandverletzungen gefunden. Es hatte dort einen Schwelbrand gegeben. Die Polizei ging erst davon aus, dass der Mann im Bett mit brennender Zigarette eingeschlafen sei. In der Rechtsmedizin wurden dann die Stiche entdeckt. Am selben Tag wurde die 32-Jährige zu Hause festgenommen.
Zum Prozessauftakt schwieg die Angeklagte. Ihr Sohn, sechs Monate jung, wird ihr regelmäßig ins Frauengefängnis Gelsenkirchen gebracht. Der Kleine lebt jetzt in der Familie ihres Ehemannes. Prozessfortsetzung ist am28. Februar.

21:17
Die Tat verurteile ich aufs Schärfste. Das gerechte Urteil ist glücklicherweise von anderen zu fällen. Ich habe keine Vorstellung davon, wie all die Menschen, die diese Frau mit ihrer Tat in größtes Unglück, Verzweiflung und Leid gestoßen hat, damit umgehen können sollen, um eine Lebensperspektive mit Glück und Freude zu entwickeln. Ich wünsche viel Kraft, Energie und ein empathisches Umfeld dafür. Dieser Frau wünsche ich, dass sie die Jahre in der Justiz dazu benutzt, über sich zu lernen, welche Gedanken, Emotionen und Verhaltensmuster sie zu dieser Tat bewegt haben. In der Außenwirkung hatte sie das Werkzeug, die Irrungen und Wirrungen dieses Lebens moralisch von der Gesellschaft anerkannt und ohne Leid für andere zu bewältigen. Ich wünsche ihr, dass sie herausfindet, warum sie zu diesem Zeitpunkt das nötige Werkzeug nicht zur Verfügung hatte, welches Werkzeug sie benötigt und wie sie sicher stellen kann, dass sie es jeder Zeit benutzen wird können. Diese "Arztgattin" ist eine Frau, die einen Beruf hat, in dem sie gearbeitet hat und die einen Arzt geheiratet hat. Diese Frau hatte nicht "Ich werde einen Mord begehen"-Merkmale in ihrem Wesen, Verhalten, in ihrer Ausstrahlung. Mit dieser Frau haben tiefsinnige, lustige, interessante, intelligente Gespräche stattgefunden. Dieser Frau hat man verdient Vertrauen entgegen gebracht, bis zu jener Tat. Diese Frau war eine zugewandte Zuhörerin mit Empathie und Optimismus. Diese Frau hat Wärme ausgestrahlt. Niemals hätte ich an diese Frau gedacht, wenn von diesem Fall berichtet wurde.
11:05
Niemand sollte vor dem Hintergrund irgendwelcher Presseberichte oder sonstigen Gerüchten über andere Menschen Urteilen.
Außenstehende bewerten natürlich immer nur die situativen Fakten ohne die subjektiven Eindrücke und Emotionen einer angeklagten Person berücksichtigen zu können. Dazu wird es vor Gericht ein psychatrisches/psychologisches Gutachten geben. Das kennt niemand hier der achso moralische und vermeidlich schlaue Kommentare abgiebt.
Auch die Berichte die wir in der Presse lesen und im TV sehen sind immer begleitet von den subjektiven Eindrücken der Verfasser. Der Mensch neigt schon von seiner Natur her dazu, eher nach Fakten zu suchen die seine Ansicht bestätigen als darüber nachzudenken was sie wiederlegen könnte.
Aber es ist prima dass dirk7603/#6 bereits eigenes eine Persönlichkeitsanalyse durchgeführt hat und beurteilen kann dass die Angeklagte eine "eiskalte Persönlichkeit" hat. Gut gemacht, wo gibt es denn die "Glaskugel" zu kaufen?
Für das Gericht wird es schon schwierig genug ein angemessenes Urteil zu fällen. Und das obwohl entsprechende Gutachten vorliegen werden und echte Fakten zusammengetragen wurden.
Tja, aber einfach schlaue Sprüche machen und andere steinigen ist natürlich leichter und einfacher. Das war leider schon immer so und wird auch immer so bleiben. So ist ein Großteil der Menschheit scheinbar.
09:39
Aha, sie sei also nicht Standesgemäß und hatte Probleme mit der Arztfamilie?
Naja, wenn ich mir die ganzen Artikel hierzu durchlese, dann kommt mir der Verdacht, dass diese Frau eine eiskalte Persönlichkeit hat.
Hier ist von Betäubungsmitteln zu lesen, von Marihuana und da wundert sie sich noch? Worum gibg es ihr eigentlich? Wollte sie etwa nur ihr tolles Leben als Arztgattin behalten?
Immer wieder erschreckend wie Menschen doch eine heile Welt in der sie leben einfach wegwerfen.
06:10
Ihre Argumentation lässt sich hören??? In welchem teil bitte genau???
18:44
Ihre Argumentation läßt sich hören, berücksichtigt aber nicht den gesamten Tathergang. Wer einem anderen 14 Messerstiche versetzt, der ist möglicherweise entweder geistesgestört oder jedenfalls außer sich in einem Ausnahmezustand. Unter normalen Umständen macht das ja im Regelfall keiner - unterschätzen sie nicht, wie schwer es - jedenfalls beim ersten Mal - sein muss, einen Menschen mit einem Messer bewußt zu töten. Abschließend können wir von hier aus weder den Tathergang noch die Schuldfrage bewerten. Das muss das Gericht tun - und wir sollten uns mit vorschnellen Schlüssen etwas zurückhalten.
17:15
Wenn die Frau Zuhause eine gefüllte Morphiumspritze liegen hatte, und ein rezeptpflichtiges Beruhigungsmittel , kann man ja wohl davon ausgehen, das die Tat die sie bei der Polizei gestanden hat, geplant war.
Man gibt ja keinem Menschen im Affekt erst ein Mittel in den Kakao, spritzt ihm Morphium, sticht 10 mal auf ihn ein und zündet die Wohnung.an Das ist ja nichts spontanes.
17:05
Das ist wirklich großes Kino. Die Angeklagte erscheint mit einer Pfarrerin.
16:20
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