Zeit der Trockenübungen für Familienpaten endet
20.12.2011 | 17:59 Uhr 2011-12-20T17:59:00+0100
Bergkamen. Die ersten Bergkamener Familienpaten stehen kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung. Es können sich bereits die ersten Familien melden, die von ihnen Unterstützung haben möchten.
Die ersten Bergkamener Familienpaten stehen kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung. Es können sich bereits die ersten Familien melden, die von ihnen Unterstützung haben möchten.
Sie stecken die Köpfe zusammen und überlegen. Leicht sind die Fragen nicht, mit denen Anna Zimny vom Betreuungsverein der Diakonie Ruhr-Hellweg die angehenden Familienpaten (FiPs) konfrontiert hat. Welche Ressourcen stecken in einer Familie und wie kann man sie entdecken? Wie sehen die eigenen Kapazitäten aus? Auf dem Zettel einer Gruppe haben sich schon einige Stichworte angesammelt: Liebe, Verständnis, Empathie, Vertrauen. Aber auch ein großes Ausrufezeichen hinter der Bemerkung, dass das Erkennen dieser Ressourcen die Basis für die Familienpaten sein wird.
Seit September treffen sich zehn Frauen und ein Mann fast wöchentlich im Diakoniezentrum Bodelschwinghhaus an der Ebert-Straße in Bergkamen. Am Anfang stand die Definition der eigenen Rolle auf dem Qualifizierungsprogramm.
Dann vermittelte die Fortbildung des „Runden Tisches gegen Kinderarmut Bergkamen“ wichtiges Rüstzeug wie Fakten über Kindeswohlgefährdung und Kindesschutz, rechtliche Fragen oder Erste Hilfe am Kind. Nur noch zwei Sitzungen, dann halten die Familienpaten die Zertifikate für ihre wichtige ehrenamtliche Aufgabe in den Händen. Im neuen Jahr wird aus der Theorie Praxis, und die FiPs lernen die Familien und Kinder kennen, denen sie künftig im oft nicht leichten Alltag zur Seite stehen werden. „Wir lernen hier vieles, das ich vorher niemals vermutet hätte“, erzählt eine Teilnehmerin. Besonders die Auseinandersetzung mit der Nähe und Distanz zu den zukünftigen Familien, ihren Problemen und die eigene Rolle in diesem sensiblen Geflecht hat alle sehr beschäftigt.
ZusammengeschweißteGemeinschaft
„Das hat mich schon zum Nachdenken gebracht – auch zu erkennen, dass man in dieser Arbeit auf sich selbst und die eigenen Grenzen achten muss“, berichtet eine andere Teilnehmerin.
Die Gruppe, die anfangs mit vielen offenen Fragen und Unsicherheiten die Herausforderung der Qualifizierung begonnen hat, ist inzwischen eine zusammengeschweißte Gemeinschaft geworden. „Es ist gut zu wissen, dass wir eine tolle Gruppe sind und jeder in der Gemeinschaft einen wichtigen Rückhalt findet“, betont der einzige zukünftige männliche Familienpate. „Hier wird später jeder seine speziellen Stärken und Schwächen in die Familien einbringen können – das gibt Sicherheit und Selbstvertrauen“, ergänzt seine Nachbarin.
Sonja Werner vom Familienbüro achtet darauf, dass die künftigen Paten-Familien zu jedem einzelnen FiP passen. Zudem treffen sich die Familienpaten künftig regelmäßig und bekommen eine professionelle Begleitung. Karin Telgenbüscher ist schon ganz ungeduldig. „Ich bin halbtags berufstätig, arbeitete als Erzieherin bereits nebenbei in einem Netz sozialpädagogischer Familienhilfe und finde es gut, dass die Schwelle für weiteres ehrenamtliches Engagement für Familien und Kinder hier die richtige Höhe für mich hat.“ Irmtraud Lückenkemper treibt eine andere Motivation an: „Ich bin Rentnerin mit viel Zeit, die ich nicht vertrödeln, sondern sinnvoll einsetzen möchte“, sagt die ebenfalls ehrenamtliche Demenzbegleiterin.
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