"Wer feiern kann, der kann auch verzichten"
18.02.2010 | 17:35 Uhr 2010-02-18T17:35:00+0100
Bergkamen. Mit dem Aschermittwoch hat sie begonnen, die Fastenzeit. Aber die christliche Bußzeit ist mehr als nur eine Diät. Wichtig sei die innere Haltung, die sich ändern soll, betont Pfarrer Ulf Doppelfeld.
Die KAB der St. Elisabeth-Gemeinde hat sich am Mittwoch für die 40-tägige Fastenzeit gerüstet – mit einem gemeinschaftlichen Heringsessen.
„Wer feiern kann, der kann auch verzichten", war die Haltung von Klaus-Dieter Hoffmann. Als KAB-Vorsitzender hatte er erstmalig zum He- ringsessen in das Elisabeth-Haus geladen. Auf den Tisch kam der Speisefisch in jeder erdenklichen Zubereitungsform: als Salat, gebraten und in Salz eingelegt, mit Pellkartoffeln und – trotz Fastenzeit – mit einem Bierchen.
Die Resonanz war gut: 54 Mitglieder der KAB hatten sich angemeldet und läuteten nach dem Gottesdienst die österliche Bußzeit mit dem Fischessen ein, was deutschlandweit bereits lange eine Tradition ist.
„Der Fisch ist das Symbol der Christen schlechthin und somit auch ihr Gericht", wusste Klaus-Dieter Hoffmann zu berichten. Der Hering sei ein Essen für arme Leuten. Er lasse sich einlegen und dadurch halte er sich lange. „Perfekt also für die Fastenzeit", kommentierte der erste Vorsitzende, für den Verzicht zur Fastenzeit dazugehört. Sein Tipp: Viel Bewegung, viel Grünes und wenig Fett.
Kein blühender Zweig
in der Fastenzeit
Marion Kleine hat sich hingegen vorgenommen, nicht im Sinne des Fastens zu fasten: „Ich verzichte auf Kommerz, aber nicht aus Spargründen." Außerdem habe sie zwischen Aschermittwoch und Karsamstag keinen blühenden Zweig zu Hause. Aber am meisten Wert legt Marion Kleine in der Fastenzeit auf Exerzitien im Alltag, also geistliche Übungen zur täglichen Einkehr.
Auch für Norbert de West ist Verzicht in der Fastenzeit eine Tradition. Er allerdings plant, auf alkoholische Getränke zu verzichten: „Nach der harten Karnevalszeit stelle ich mich nun auch eher dürftige Verhältnisse ein." Ob er durchhält? „Wenn ich mir das vorgenommen habe, dann ziehe ich das auch durch."
Diese Einstellung hatte auch Georg Steinhoff. Für ihn und seine Frau kommen am Aschermittwoch und Karfreitag keine Wurst- und Fleischspeisen auf den Tisch. Und auch sonst wolle er nicht in den üblichen Mengen Fleisch konsumieren. „Aber das fällt mir gar nicht so schwer, weil ich eigentlich jeden zweiten Tag Fisch essen könnte", erklärte Steinhoff augenzwinkernd. Aber dafür wolle er auch den Fernsehkonsum reduzieren.
Dass Menschen in der Fastenzeit wirklich auf liebgewonnene Nahrungsmittel und Gegenstände verzichten sei in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit, weiß Pfarrer Ulf Doppelfeld. „Die Gesellschaft hat sich verändert, alles ist kurzlebig und oberflächlich geworden. Die Menschen hopsen nur noch von Event zu Event."
Deswegen bedeute heute christliche Buße tun, an die Mitmenschen zu denken, sich ihnen zuzuwenden und sich auf die inneren Werte zu besinnen.
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