Toben bis der Bus abfährt
13.02.2012 | 18:03 Uhr 2012-02-13T18:03:00+0100
Bergkamen. Mit einem neuen Projekt - dem Turnbus - will die VKU den Schülern nach einem anstrengenden Schultag entgegenkommen.
Die „Ampelbande“ ist richtig gut drauf. Laut johlend geht die Jagd über die Sitze des Linienbusses. Einige Jungen und Mädchen hangeln sich den Haltestangen entlang.
Wer am Montagnachmittag kurz vor Abfahrt der R11 um 16 Uhr der VKU den Ausnahmezustand unter den Schülern vermutet, liegt völlig falsch. Die Sechs- bis Zwölfjährigen dürfen das. Solange jedenfalls, bis der Busfahrer die Ampel über seinem Sitz von Grün auf Rot stellt. Plötzlich ist alles ruhig, jeder sitzt auf seinem Platz, die Heimfahrt von der Albert-Schweitzer-Straße kann beginnen.
„So haben sie sich bisher während der Fahrt verhalten“, sagt VKU-Betriebsleiter Andreas Feld. Beschädigungen habe es nicht an dem Bus gegeben, doch dieses Treiben sei viel zu gefährlich. Der Bus brauche nur scharf zu bremsen und die Kinder würden durch den Fahrgastraum fliegen.
Über den Handlungsbedarf brauchten weder das Verkehrsunternehmen, noch die Stadt als Schulträger, der Kreis Unna oder gar die Schule selbst zu diskutieren. Also setzte man sich vor gut einem Jahr zusammen und entwickelte das erste Konzept.
Verbote nützen nur wenig, wohl aber, wenn positives Verhalten verstärkt wird. Dass dieser pädagogische Trick wirkt, hatte die VKU vor drei Jahren bemerkt.
Pädagogischer Trick
Sie löste den Konflikt zwischen Jung und Alt über zu lautes Musik hören mit den Handys während der Fahrt, indem an die jungen Leute kostlos MP3-Player verteilt wurden. Rap, Hip Hop oder Rock kann hier nur mit Kopfhörer genossen werden. „Plötzlich kamen sogar die jungen Leute mit den älteren Fahrgästen ins Gespräch“, war ein ganz interessanter Nebeneffekt.
Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert der „Turnbus“, ein Projekt der „Offenen Ganztagsschule“ der Albert-Schweitzer-Schule. Etwa eine Viertelstunde darf im Bus getobt werden. Dabei darf aber niemanden wehgetan werden und es darf nichts beschädigt werden. Zeigt die Ampel auf Rot, muss sich jeder setzen.
Diese Regeln hat in den letzten Wochen die Leiterin der OGGS, Yvonne Viertel, mit den 22 Kindern der „Ampelbande“ hart erarbeitet. Damit es auch gut funktioniert, wurde mit jedem der Mädchen und Jungen ein schriftlicher Vertrag abgeschlossen, den auch die Eltern unterschrieben haben.
Konrektor Peter Sommer hofft, dass diese positiven Verhaltensansätze von Nachhaltigkeit geprägt sind. Die Fähigkeit, sich selbst zu steuern, ist für ihn das eigentliche Lernziel. Das falle doch vielen seiner Schülern sehr schwer, erklärt der Pädagoge.
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