"sohle 1" demokratisierte die Kunst
18.02.2010 | 17:55 Uhr 2010-02-18T17:55:00+0100Bergkamen. Die älteste städtische Bergkamener Kultureinrichtung, die Galerie „sohle 1”, wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Das soll im Herbst mit einer Ausstellung und einem Festvortrag gefeiert werden.
Das obligatorische Geburtstagsgeschenk gibt es vorab: Die Artothek (kleines Foto) kommt nach einem kurzen Exil in der Stadtbibliothek zurück.
Die Wiedereröffnung am alten Standort findet am Sonntag, 14. März, statt. Dann befindet sich die kostengünstige Ausleihe von hochwertigen Druckgrafiken technisch auf modernem Stand. Wer etwas aus dem städtischen Kunstbesitz für einige Monate im eigenen Wohnzimmer präsentieren möchte, kann sich das am Computer aussuchen.
„Interessenten können sogar eine CD mitnehmen, um zuhause in aller Ruhe im Ausleihbestand zu stöbern”, wie Museumsleiterin Barbara Strobel erklärte. Was bleibt, ist der Jahresbeitrag von 20 Euro und der Zettelkasten zur Registratur des Ausleihgeschäfts.
Die Bergkamener Artothek ist die konsequente Umsetzung des Anspruchs an die Bergkamener Kulturpolitik, die der erste Kulturdezernent der Nordbergstadt, Dieter Treeck, Ende der 1960er Jahre vor der Gründung der ersten kommunalen Kunstgalerie in der Bundesrepublik formuliert hatte: Die Kunst müsse demokratisch sein. Das heißt, dass der Zugang zu ihr keine Frage des Geldbeutels, aber auch keine Frage des Bildungsstands sein darf.
Das bedeutet auch, dass die Kunst von ihrem Elfenbeinturm herabsteigen und sich breiten Bevölkerungsschichten öffnen muss. Diese Forderungen erfüllt die „sohle 1” seit 40 Jahren.
So ist der Titel der ersten Ausstellung der „sohle 1”, die am 21. Mai 1970 im Keller der ehemaligen Kulturamtsvilla am Wiehagen eröffnet wurde, Programm: „Aus der Arbeitswelt des Bergmannes”.
Gezeigt wurden Arbeiten auch von Bergkamener Künstlern wie Rüdiger Wollenberg. Konsequent war es aber auch, ein Jahr später mit dem 1. Bergkamener Bilder-Basar dorthin zu gehen, wo sich die Bürgerinnen und Bürger aufhalten: auf den Nordberg mit den Schaufenstern der Geschäfte als Ausstellungsorte und in die Betriebe. Sogar an Theken gab es kunstsinnige Gespräche. Otto Dressler diskutierte dort zum Beispiel mit Bergleuten über seinen „Waffenverfremder”, ein Gewehrnachbau aus weichem Schaumstoff.
1985 gab es den letzten Bilderbasar. Danach fehlte der Stadt das Geld. Bis dahin galt Bergkamen bundesweit als das Beispiel für eine gelungene kommunale Kulturpolitik.
Die führte auch dazu, dass eine Reihe von Bergkamenern zum eigenen künstlerischen Schaffen bewegt wurden. Die Gründung der Künstlergruppe „Kunstwerkstatt sohle 1” war da nur konsequent.
Hinzu kommen seit vielen Jahren die museumspädagogischen Angebote für Kinder und Jugendliche. Das jüngste, die „Kulturstrolche”, bietet in diesem Schulhalbjahr drei vierten Klassen der Jahnschule tiefe Einblicke hinter die Kulissen der städtischen Galerie. Dass von den rekordverdächtigen 18 283 Besucherinnen und Besuchern im vergangenen Jahr 6 236 Kinder waren, ist deshalb kein Zufall.
Die Galerie „sohle 1” erlebte in ihrer 40-jährigen Geschichte drei Ortswechsel. Nach der Einweihung des neuen Rathauses und nach dem Verkauf der „Kulturamtsvilla” zog sie zunächst in ein Ladenlokal im Erdgeschoss des neuen City-Einkaufszentrums und fünf Jahre später in das Obergeschoss.
Am 21. Januar 1990 fand sie im Gebäude des Stadtmuseums in Oberaden ihren endgültigen Standort. Im Februar 1993 wurde dann dort die „Arthotek” eröffnet, die jetzt nach einem kurzen „Exil” in der Stadtbibliothek Mitte März im Museum wieder eröffnet wird.
INFO
Die Arthothek der städt. Galerie „sohle 1” in Oberaden ist ab 14. März sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Bilder können aber auch nach Vereinbarung ausgeliehen werden, 02306/30600210.
Der Jahresbeitrag für die Kunstausleihe beträgt weiterhin 20 Euro.
Rund 100 Druckgrafiken können zurzeit ausgeliehen werden. Darunter befinden sich auch neue Arbeiten, etwa von Armin Müller-Stahl und von Stefan Geisler.
Der Artothek-Raum im Dachgeschoss des Stadtmuseums wurde neu gestaltet. Vor dem Eingang befindet sich aber weiterhin die Installation von Timm Ulrichs „Frühstück im Freien”.
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