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Gegen Kinderarmut

Pilotprojekt vermittelt Hilfe im Alltag

20.09.2011 | 17:30 Uhr
Pilotprojekt vermittelt Hilfe im Alltag

Bergkamen.  Das Piloprojekt „Familienpaten“ des Runden Tischs gegen Kinderarmut ist gestartet. Das erste Treffen zeigte: Die Ehrenamtlichen sind hoch motiviert.

Sie hat selbst zwei Kinder. „Ich kenne das Gefühl, Hilfe zu brauchen“, meint Kirstin Wigginghaus. Außerdem gibt es in ihrem Bekanntenkreis viele alleinerziehende Mütter. „Da steht man oft vor der Situation, dass es hakt.“ Um Hilfe zu bitten, „das fällt aber vielen schwer“. Deshalb will sie ohne großes Bitten, ohne viele Worte und ohne große Gesten einfach da sein, wenn es allein nicht mehr geht. Als Familienpatin.

Nicht nur Kirstin Wigginghaus wollte eine Entscheidung treffen – für ehrenamtliches Engagement und gegen das bloße Zuschauen. Sechs weitere potenzielle Familienpatinnen und ein Pate kamen in das Diakoniezentrum Bodelschwingh, um ihre Erwartungen mit den Inhalten und Zielen des Pilotprojektes abzugleichen. „Ich möchte heute erstmal schauen, ob das, was hier geplant ist, auch für mich ganz persönlich passt“, erzählt Kirstin Wigginghaus. Ihre Tischnachbarinnen sehen das genau so.

„Es ist das erste Mal, dass ich mich ehrenamtlich engagiere“, berichtet Elvira Behrendt ein wenig aufgeregt. „Mir geht es gut – deshalb möchte ich anderen helfen“, sagt sie. Sie weiß aber noch nicht, ob das parallel zum Beruf klappen kann. „Meine Tochter hat viele Freundinnen, von denen einige sehr jung und auch alleinerziehend sind“, erzählt sie von ihrer ganz persönlichen Motivation. „Ich sehe, dass es dabei viele Probleme gibt – hier möchte ich helfen.“ Das neue Projekt des „Runden Tisches gegen Kinderarmut in Bergkamen“ hat genau ihren sozialen Nerv getroffen.

Auch wenn nicht alle der 15 Interessenten zur Informationsveranstaltung zum Auftakt des Pilotprojektes gekommen waren: Die Initiatoren vom „Runden Tisch gegen Kinderarmut in Bergkamen“ waren beeindruckt vom Interesse der Bergkamener. Christian Korte als Regionalbeauftragter der Diakonie Ruhr-Hellweg, Margarete Hackmann vom Verein Familiäre Kinder-Tagesbetreuung, Jochen Wehmann vom Bergkamener Verein für Jugendhilfe und Sonja Werner vom Familienbüro erläuterten noch einmal ausführlich das Konzept der Familienpatenschaft. Sie erklärten außerdem, warum eine Qualifizierung und Fortbildung, die sie als Referenten an elf Terminen ab dem 11. Oktober bis zum kommenden Frühjahr betreuen werden, eigentlich erforderlich ist.

Verantwortungsvolle Aufgabe

„Es geht hier darum, die eigene Rolle zu erkennen, auch die eigenen Grenzen herauszufinden und die familiären Grenzen der Menschen, die man begleitet, nicht zu überschreiten“, betonte Margarete Hackmann. Die eigene Motivation, die richtige Nähe und Distanz, Ansprechpartner bei Problemen: Familienpate ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die gelernt sein will.

Die Familienpaten werden übrigens auch den Beirat des „Runden Tischs gegen Kinderarmut in Bergkamen“ mit einem Vertreter vervollständigen. So bestimmen sie künftig mit über die weitere Entwicklung und Zukunft des Projektes. Wer jetzt das Bedürfnis entdeckt hat, ebenfalls jungen Familien bei ihren Alltagsproblemen wie Behördengängen, Arztbesuchen, Hausaufgabenhilfe oder Einkäufe zur Seite zu stehen, kann sich jederzeit anmelden.

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