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Am Wasserpark

Mitten in der City ein Pflanzenparadies

11.08.2009 | 17:08 Uhr

Mitten in der City Senf ernten? Oder zwischen den Betonbauten Beifuß für den weihnachtlichen Gänsebraten pflücken?

Wer mit Götz Loos am Sonntag durch die City wanderte, lernte die Landschaft zwischen den Bergkamener Wohntürmen mit ganz anderen Augen kennen. Denn zwischen der stadtplanerisch drapierten „Architektenpetersilie" haben sich interessante Pflanzen eine eigene Idylle erobert.

Was andere als „Unkraut" abtun oder schlicht übersehen, sind nicht nur spannende kleine Mikrokosmen. „Was sie hier sehen", mahnte der Referent von der Ökologiestation, „ist das Individuelle der Stadt". All diese Pflanzen erobern Beton und Pflaster zurück, wenn der Mensch durch eine Katastrophe verschwinden würde. Aber auch die Bergkamener wissen manche Pflanze zu schätzen, die zwischen den geordneten Beeten ihr eigenes Reich erobert hat. Die Früchte des schwarzen Nachtschattens sind zwar giftig. Bei Osteuropäern sind sie jedoch als Kompott beliebt - und verlieren gekocht ihre Giftstoffe.

Wer ahnte schon vor diesem etwas anderen naturkundlichen Rundgang, dass die Brombeere in städtischen Gefilden gemeinhin aus Armenien stammt? Dass die Bergkamener Früchte jedoch „wintersche" genannt werden und zudem auf Bienen verzichten können, weil sie aus Körperzellen entstehen. Die Ackergänsedistel wächst dagegen in Herden. Das kanadische Berufkraut war ursprünglich als exotische Pflanze ein Hingucker in botanischen Gärten und wird inzwischen zum Unkraut gezählt. Auch den kriechenden Sauerklee holten Botaniker im 17. Jh. gezielt aus tropischen Gefilden - heute wächst er zwischen Pflastersteinen.

Dass die Silberlinde aus bislang noch unbekannten Gründen massenweise die Hummeln dahinrafft, lernten die gut 15 Gäste bei ihrem Bummel durch die City-Landschaft. Und dass sich die Mäusegerste ausschließlich auf Städte spezialisiert hat – vornehmlich dort, wo sich die Hundeexkremente ballen. Kleine Nelken finden sich ebenso an den Bordsteinkanten wie Senfarten. Das gemeine Gänseblümchen wiederum, das am Rande des Wasserparks gedeiht, gibt es ursprünglich gar nicht in der Natur. Ebenso wenig wie die Stockenten, die mit ihrem Nachwuchs im Schilf des Teiches eine Heimat gefunden haben. Ihre hellen Wangen sind eine Fehlfarbe und ein ausschließlich städtisches Phänomen. Die Seerose wiederum kommt aus Amerika, die klassische Trauerweide wird immer seltener, und die Bluthirse im Kreisel wurde durch Autoreifen eingeschleppt.

Es war die erste Führung dieser Art, die von der Ökostation in der City angeboten wurde. Wenn sich auch künftig Libellen oder seltenen Pflanze ihren Kosmos zwischen den Wohnblöcken schaffen, dürfte sich daraus eine spannende biologische Fortsetzung entwickeln.

Katja BURGEMEISTER

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