Mit "Afro-Deutsch" gegen Vorurteile
10.09.2008 | 20:25 Uhr 2008-09-10T20:25:50+0200Bergkamen. Sie wollen nicht hinnehmen, dass sich Migranten und Deutsche oft sprachlos gegenüber stehen. Oder gar nicht erst in Kontakt miteinander treten. ...
... Jude Nwabuisi und seine Mitstreiter vom Deutsch-Afrikanischen-Jugendverein "Afro-Deutsch" haben aber noch viel mehr vor. Sie wollen, "dass Deutsche und Afrikaner zusammen arbeiten". Vor allem gegen die Vorurteile auf beiden Seiten. Vor sieben Jahren verließ Jude Nwabuisi seine Heimat in Nigeria, um in Deutschland zu studieren. Die erste Zeit war alles andere als leicht. "Ich musste erst einmal die Sprache lernen", erzählt der 28-Jährige. Und dann "war es wirklich schwierig, hier Freundschaften zu knüpfen". Denn die Voruteile, mit denen er sich plötzlich konfrontiert sah, waren vielfältig. "Viele assoziierten die Hautfarbe mit Amerika", erinnert er sich lächelnd. Oder die Jugendlichen, mit denen er sich anfreudete, vermuteten eigenartige Sitten und Gebräuche, die er womöglich mit nach Deutschland gebracht hatte. Dabei "wollte ich doch auch die Deutschen und die Gesellschaft verstehen - aber ich kam anfangs gar nicht erst dazu, weil die Kontakte schon an solchen Vorurteilen scheiterten." Auch an eigenen Vorbehalten. Etwa, "dass in Deutschland alle reich und glücklich sind."
Deshalb kam ihm auch die Idee, etwas aktiv dagegen zu tun. Am besten mit einem Verein, in dem beide Seiten gemeinsam arbeiten. "Wir wollen Musikfeste organisieen, gemeinsam Sport machen, Kurse wie etwa für Englisch anbieten", erzählt Alfred Marokko, der bereits zum Event-Manager des Vereins erkoren wurde. Auch der 29-Jährige stammt ursprünglich aus Ruanda. Aus dem vom Bürgerkrieg geschüttelten Krieg kam er 1999 nach Deutschland. Und hatte haargenau die gleichen Schwierigkeiten wie Jude Nwabuisi. Deshalb war er sofort Feuer und Flamme über die Vereinsgründung. Im Oktober 2007 wurde "Afro-Deutsch" e.V. in das Vereinsregister eingetragen.
Seitdem gibt es an jedem Samstag ab 13 Uhr Treffen im Jugendheim "Balu" in Weddinghofen. Denn auch das Jugendamt der Stadt ließ sich von der Vereinsidee begeistern. Richtig durchstarten will "Afro-Deutsch" e.V. mit einer "Introduction"-Party im Schacht III. Die Genehmigung liegt schon vor, "wir brauchen aber noch Sponsoren", erzählt Jude Nabuisi. Live-Performances will der Verein auf die Bühne bringen, um sich und seine Idee vorzustellen. HipHop-, Rap- und House-Künstler aus Bergkamen, Kamen und Unna haben ihre Teilnahme schon zugesagt. Ebenso die "Bochumer Jungs", die gerade ihr erstes Album aufnehmen. Außerdem stehen die Auftritte von Tanzgruppen und DJ-Competitions auf dem ehrgeizigen Programm. Und natürlich werden Aufnahmeanträge für potenzielle Vereinsmitglieder die Runde machen.
Bei all dem wollen Jude Nabuisi und seine derzeit sieben Mitstreiter besonders eines erreichen: "Wir wollen die Integration fördern und das gegenseitige Verständnis erleichtern", schildert der Vereinsgründer.
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