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Literarisches Zwiegespräch mit Kunden in der Totenstarre

22.10.2007 | 01:11 Uhr

Oberaden. Auf den Stühlen sitzen normalerweise Trauergäste. Und die Kränze sind für die Verstorbenen gedacht. Am Freitag war in der Trauerhalle alles anders. Die Gäste klopften sich vor Lachen die Schenkel. Und die Schärpe des Trauerkranzes tat den Grund

Besonders pikant: Der Krimi, den das Bochumer Autoren-Duo zum Besten gab, spielte auch noch überwiegend in derselben - wenn auch einem Bochumer Pendant. Und das Mordinstrument, ein flauschiges Daunen-Plüschkissen, prunkte mit dem Titelbild des Buches provokant neben dem Rednerpodest. "Totgepflegt" ist ein waschechter Bestatter-Krimi. Und das Bestattungshaus Schäfer-Kretschmer war der denkbar beste Ort für seine volle Prachtentfaltung.

Da lief Maggie Abendroth, die "Medienfuzziliesl" mit ihrem schwarzen Opel und ratzekahlen Konto zu Höchstformen auf. Mit der Arbeitslosigkeit steigt sie in ein möbliertes Bochumer Kellerloch ab, kommuniziert verzweifelt mit einer Population Silberfischchen und der Prinz-Charles-Tasse. Bis sie sich vermittelt vom Arbeitsamt im grünen Einwegkittel im Bestattungs-Institut "Pietät" wiederfindet - die Hände an den Toten, die sich anfühlen wie "kalter Speck". Von Plastik-Augenklappen und Totenschminke führt der Weg schnurstracks zum ominösen Tod der Lieblingsorganistin - und damit mitten rein ins pralle Leben.

Edda und Lotte Minck schienen mit ihrem Erstlingsroman aus dem eigenen Leben geschöpft zu haben. Beide sind selbst "Medienfuzziliesls" - die eine als Drehbuchautorin, die andere derzeit als Lektorin. Die Recherche für das Thema "Tod ist kein Beinbruch" für die Missfits brachte Edda Minck auf die Idee für den Krimi. "Dafür habe ich damals einen ersten Bestatterkurs gemacht", erzählt sie. Für das schräge Duo war es nicht die erste Lesung in einer Trauerhalle. Sogar in Friedhofskapellen und im Knast haben sie schon brilliert.

In der Trauerhalle des Bestattungshauses Schäfer-Kretschmer war es die zweite Lesung - und insgesamt fünfte kulturelle Veranstaltung. Weitere sind angedacht. "Im Frühjahr wollen wir einen Liederabend organisieren - mit Pianist und heimischen Chören womöglich", erzählt Klaus Schäfer. Ihm ist Kultur eine Herzensangelegenheit. Er selbst hat eine Gesangsausbildung - Fachbereich Oper. Mehr noch: Die Krimi-Lesung war kostenlos. Spenden gehen an den Bergkamener Verein für Kinder- und Jugendhilfe e.V.

Übrigens: Im März kommt der nächste "Minck und Minck"-Roman heraus - wieder mit Maggie Abendroth. Ob die dann wieder Zwiegespräche mit Kunden in Totenstarre auf dem Klosett führt, dürften ihre Fans mit Spannung erwarten.

Von Katja Burgemeister

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