Katholischer Pfarrer fordert Ende des Zölibats
05.05.2009 | 18:13 Uhr 2009-05-05T18:13:00+0200Bergkamen. (bc) „Die Zeit des Zölibates ist vorbei.”
Ulf Doppelfeld, katholischer Pfarrer und Chef von gleich drei Kirchengemeinden, ist kein Mann, der mit seiner Meinung hinterm Berg hält. Doch er räumt selbst ein, dass das von ihm geforderte Ende der seit 1139 vorgeschriebenen Ehelosigkeit von katholischen Priestern eine „Jahrtausend-Entscheidung” wäre. „Wahrscheinlich werde ich das selbst nicht mehr erleben”, räumt der 69 Jahre alte Geistliche ein. Was ihn aber nicht daran hindert, mahnende Worte Richtung Rom zu richten. „Wandelt euch durch ein neues Denken”, fordert Doppelfeld seine eigene Kirche auf. Und er, der die aktuelle Situation in der katholischen Kirche als „Krise” bezeichnet (in Großstädten leben nur noch 10 % Katholiken) sagt: „Ändert sich die Zeit, muss sich auch die Kirche ändern. Gott hat etwas Neues mit seiner Kirche vor. ”
Doppelfeld untermauert seine Forderung mit nüchternen Zahlen: Im vergangenen Jahr verlor Deutschland 641 katholische Priester. Durch Tod, Ruhestand oder durch Amtsaufgabe. Im Gegenzug wurden im gleichen Jahr nur 92 junge Männer zu Priestern geweiht.
Dieses Ungleichgewicht gäbe es möglicherweise nicht, wenn auch verheiratete Männer die Gemeinden leiten dürften, meint Doppelfeld. Denn: „Wir brauchen dringend junge Priester, die an junge Menschen den Glauben weitergeben. Sonst müssen wir uns von der sakramentalen und persönlichen Seelsorge immer mehr verabschieden.”
Seelsorge funktioniere nur, wenn der Zuständigkeitsbereich eines Priesters eine überschaubare Größe habe, sagt Doppelfeld. Doch im Moment gibt es eine andere Entwicklung: Pfarreien und Pfarrverbünde werden immer größer. Beispiel Doppelfeld: Er ist innerhalb seines Pastoralverbundes für fast 8000 Christen in Bergkamen-Mitte und Rünthe verantwortlich, das ist mehr als die Hälfte aller Bergkamener Katholiken. Doppelfeld: „Scheinbar ruhig legt die kirchliche Verwaltung zusammen, was nicht zusammengehört, kürzt und bewältigt die seelsorgerischen Probleme administrativ.”
Aus all den genannten Gründen könne es nur eine Schlussfolgerung geben, meint Doppelfeld: Die Zulassung zum Priestertum müsse geändert werden. Das Zölibat könne zwar eine theologisch sinnvolle Lebensform sein. Aber nur auf freiwilliger Basis.
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Oh, padron, das Kürzel kam automatisch. Der Text oben stammt von mir: Stefan WELZEL, der sich nicht anonym äußern möchte.
Ich greife hier übrigens nicht pauschal meine Kirche an, der ich mich nach wie vor zutiefst verbunden fühle. Aber Kritik in Zeiten des Umbruchs und der Wirren ist nun einmal notwendig. Da hilft nichts ...
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Hut ab, alter und doch jung gebliebener Herr Pfarrer Doppelfeld!
Wir leben in einer Zeit, die uns zum Aufbruch aufruft. Ich freue mich, dass sich unsere Kirche dieser Aufgabe vehement stellt. Weniger froh, eher besorgt verfolge ich, dass wir dabei zwar gehen, doch welches ist die Richtung? Der Weg führt, so ist in diesen Tagen immer wieder zu hören, in die Wüste. Das mag vielen der mit Aufgaben Überfrachteten als ersehnter Befreiungsschlag erscheinen. Ballast soll und kann nun abgeworfen werden. Ich empfinde die heutigen Tage, die uns oft in blumiger Sprache als Aufbruch dargestellt werden, eher als banalen Rückzug, der es Menschen schwerer macht, Glauben vor Ort als Kirche zu leben. Die Sehnsucht nach Wüste führt bis hin zum Extrem, dass starke Priester-Persönlichkeiten, die sich entschließen, der Gemeinde zu Liebe länger als üblich im Amt zu verbleiben, von Mitbrüdern kritisch angegangen werden: Sie stünden einem sofortigen Umbruch im Wege.
Aufbruch sollte aber freudig geschehen. Etwa über die Wieder-Entdeckung der Weihe-Charismen. Die Berufung zum Priester oder Diakon aber will angeregt und ermutigt sein: Christus spricht uns Menschen nicht nur direkt, sondern sicher auch über Menschen an. Ich wünsche mir eine Kampagne zu diesem Thema, weil Kirche heute mehr denn je Menschen mit diesen Charismen braucht. Daher bitte nicht: Alles wird immer weniger, daher ziehen wir uns (beleidigt?) zurück, vergrößern einfach die Verwaltungseinheiten. Sondern: Laden wir junge Menschen ansprechend und wahrnehmbar ein, ernsthaft über das Priester- und Diakon-Amt in der eigenen Lebensplanung nachzudenken.
Wir brauchen Hirten, die sich berufen fühlen, uns Menschen ins Leben zu führen (so ein beeindruckender Aufruf des Pfarrers Hojenski). Gute Hirte bahnen uns den Weg aus der Wüste heraus, sollten wir uns einmal in Ödnis befinden. Sie führen uns nicht sehenden Auges in die Wüste hinein, nur weil sie der bisherigen Wege müde sind, einen Neuanfang jetzt und nicht später wollen. Ein erzwungener Neuanfang durch den Weg in die Wüste hinein wäre nach meinem Empfinden jedoch eine Versuchung Gottes: Du Herr hilf uns nun, denn dazu werden wir uns jetzt in die Wüste begeben.
Der gute Hirte sei zwar gewappnet für trockene Wege ohne Wasser, aber er sucht erstrangig einen Weg an der Wüste vorbei. So rettet er viele seiner ihm anvertrauten Schafe.
Allen, denen Gemeinde und ihr Tun mittlerweile „zu den Ohren“ heraus kommen mag und die sich nach Wüste sehnen: Unsere Orts-KJG stand einst vor einer Sättigung, niemand hatte rechte Lust auf neue Themen, Niedergang machte sich breit. Unser damaliger Dekanatsjugendreferent veranstaltete mit uns eine „Trümmer-Party“: Er stellte alte Elektrogeräte in den Jugendraum, und wir zerkloppten sie mit Herzenslust. Ein Irrer? Nein, er wollte, dass wir unseren Frust und unsere Enttäuschung lieber am Technikschrott ausließen, nicht aber an den Strukturen unserer Jugendvereinigung. Und tatsächlich, es gab einen guten und nachhaltig wirkenden Neuanfang. Ich wünsche mir eine große, fruchtbare Trümmerparty im ganzen Erzbistum. Vielleicht bliebe uns so mancher Weg durch die gefährliche Wüste erspart.