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Michael Prill

Herr über Fische und Flüsse

12.02.2012 | 15:00 Uhr
Herr über Fische und Flüsse
Der neuer Fischereiberater des Kreises Unna, Michael Prill, in seinem privaten Büro

Bergkamen.Seit Oktober vergangenen Jahres ist der Oberadener Michael Prill neuer Fischereiberater des Kreises Unna. Der Kreis ist keine sehr wasserreiche Region, mögen einige einwenden. Auch das Meer ist weit weg. Wozu braucht es genau diese Funktion im Kreis?

„Meine Aufgaben sind sehr vielfältig und gehen über die Fischerei weit hinaus“, erzählt Michael Prill. „Vor allem der Gewässerschutz und damit der Umweltschutz stehen im Vordergrund.“ Und gerade hier tut sich einiges im Kreis. Ein großes Projekt war und ist die Renaturierung der Seseke durch den Lippeverband. Auch an der Lippe wurden kostspielige aber nützliche Projekte wie die Umgehungsgerinne in Rünthe für die Fischwanderung umgesetzt. Mit diesen und ähnlichen Projekten beschäftigt sich der gelernte Techniker nun in seiner ehrenamtlichen Funktion. „Dabei bin ich sowohl Ansprechpartner für den normalen Angler, wie auch für Verbände und hohen Behörden“ erzählt der gebürtige Oberadener Prill. Immer am ersten Donnerstag im Monat ist er nun im Kreishaus Unna von 14 bis 17 Uhr in einer Sprechstunde oder telefonisch zu sprechen.

Einmal im Monat ist Sprechstunde

Über den Angelsport kam Michael Prill zu seiner heutigen Aufgabe. „Mein Vater hat mich schon als Sechsjährigen mit zum Angeln genommen. Fortan war ich fasziniert von der Natur, dem Wasser und den Fischen.“ Seit 1982 ist der 43-jährige Mitglied im Angelverein ASV Kamen, wurde 2002 Fischereiaufseher und 2009 stellvertretender Fischereibeauftragter. „Als dann im vergangenen Jahr mein Vorgänger Horst Brück aus Altersgründen zurück trat, wurde ich sein Nachfolger als Fischereibeauftragter.“

Und Michael Prill hat sich für die Zukunft einiges vorgenommen. Eine wichtige Aufgabe ist die Bildung einer Fischereigenossenschaft für die neue, renaturierte Seseke. „Es muss für ein größeres Gewässer immer einen genossenschaftlichen Besitzer geben. An den kann man sich dann wenden und mit einem Pachtvertrag den Fluss nutzen. Das können zum Beispiel Angelvereine so machen. Neben den Nutzung, also dem Angeln muss aber auch die Pflege und der Erhalt des Gewässers gewährleistet werden. Man erhält ja damit keine Konzession zum Ausbeuten des Flusses oder Sees.“

Ein weiteres Projekt, das Michael Prill am Herzen liegt, ist das Erfassen aller Fischbestände im Kreisgebiet. „Dafür wollen wir die rund 60 Flüsse, Seen, Tümpel und Bäche im Kreis Unna untersuchen.“ Ein aufwendiges Projekt für die nächsten Jahre, das nur mit einer besonderen Technik möglich ist. Dem Elektrofischen. Dafür wird über eine Amplitude und einem kleinen Generator das Wasser unter Strom gesetzt und die Fische in einem Umkreis von knapp fünf Metern leicht betäubt. Mit einem Kescher können die Fische dann eingesammelt und gezählt werden. „Meist stehen wir dabei bis zu Hüfte im Wasser und sammeln die Fische ein“ erzählt Michael Prill. „Die Fische nehmen dabei keinen Schaden und leiden auch nicht. Wenn wir sie wieder in Wasser ohne Stromimpuls setzten, schwimmen sie sofort wieder davon.“

Fische werden zur Zählung mit Strom betäubt

Wie fischreich selbst die kleinsten Tümpel sein können, bewies die Stichprobe letzten Sommer in dem kleinen Löschgraben am Globus Baumarkt an der Werner Straße. „Wir trauten unseren Augen nicht, was dort zum Vorschein kam.“ Der knapp 25 Meter lange und kaum einen Meter tiefe Wassergraben enthielt 519 Fische, davon 19 verschiedene Fischarten. Unter ihnen gar Hechte, große Karpfen und lange Aale. Sicher kommen Fische über den Vogelflug in das Gewässer, aber große Fische werden hier auch ausgesetzt. „Das kann natürlich im warmen Sommer zu einem Massensterben der vielen Fische führen, wir haben daher knapp die Hälfte in andere Gewässer umgesiedelt.“

Lukas Peuckmann

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