Großartige Werbung fürs Ruhrgebiet
18.05.2010 | 16:33 Uhr 2010-05-18T16:33:00+0200Overberge. Über 200 Besucher strömten am Rekordsamstag auf den Hof Middendorf. Lichtkunstfans aus ganz Deutschland, auch Belgier und Holländer waren dabei.
„Viele haben auf unserer Wiese Picknick gemacht, manche fragten sogar, ob wir Ferienwohungen vermieten”, freut sich Elke Middendorf, die im Rahmen der Lichtkunst Biennale einen Morellet beherbergt – in der Scheune.
Dass es überhaupt eine Wiese gibt im Ruhrgebiet, darüber wundern sich die Stuttgarter, Berliner und Münchner, die, angezogen durch die leuchtenden Ausstellungsstücke, ertmasl den Weg ins Revier finden. Noch immer erwartet der Besucher Industrie und sonst gar nichts. „So eine Werbung für den Kreis Unna”, sagt Middendorf, „die können Sie gar nicht organisieren”. Sechs Kommunen zeigen Lichtkunst an 60 privaten Ausstellungsorten. „Die anderen machen gar nicht mit, da sieht man wie schwierig es ist, so ein Projekt auf die Beine zu stellen.”
Middendorfs haben François Morellets „Lamentable” bei sich aufgenommen. Das Werk zeigt, wie unterschiedlich Kunst an unterschiedlichen Orten wirken kann. „Lamentable” bedeutet „bedauerlich”, „beklagenswert”. Eine Bedeutung, die man dem Werk in der Scheune in Overberge eher nicht beimisst. Aufstrebend wirken die acht gebogenen, weißen Leuchtstäbe, die sich durch eine Luke bis auf den Heuboden der Scheune hochschwingen. Unendlich aufstrebend gar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die acht Leuchtstäbe so gebogen sind, dass sie auch einen Kreis ergeben könnten. „Die Galleristin war ganz beeidruckt, sie meinte, diese Wirkung hätte das Werk bei ihr in der Galerie nie gehabt.”
Die Besucher sehen einen Kobra, einen Fisch und vieles mehr in „Lamentable”. Viele sind Experten für Lichtkunst. Besucher aus Berlin staunten nicht schlecht, dass sie für 15 Euro 60 Lichtkünstler geboten kriegen. Denn in der Bundeshauptstadt bekommt man für dafür nicht einen einzigen Lichtkünstler zu sehen. „Ich hätte nicht gedacht, dass so ein enormer Andrang herrscht” , sagt Elke Middendorf. Wieviele Karten verkauft wurden, kann derzeit wegen der vielen Verkaufsstellen niemand sagen. Allerdings: 45 000 Besucher haben nach Auskunft der Biennale-Leitung bislang an den 60 Ausstellungsorten geklingelt.
Wenn jeder Auswertige vom Erlebten berichtet, sei das eine unbezahlbare Mund-zu-Mund-Propaganda, so Middendorf. Eine wahre Sammelleidenschaft hat sie bei einigen Gästen ausgemacht. 60 kleine Häuschen sind auf der Eintrittskarte abgedruckt. „Viele wollen sie alle abhaken, das ist wie früher mit Sammelalben”, sagt Elke Middendorf. Am Pfingstwochenende erwartet sie noch einmal einen enormen Andrang. Dann ist die Lichtkunst Biennale auch schon fast vorbei, doch die Langezeitwirkung in Deutschland könnte nachhaltig sein.
INFO
Die Lichtkunst-BIennale ist ein Angebot der Kulturhauptstadt.
Unter dem Motto „Open Light in private Spaces” (frei übersetzt: öffentliches Licht in Privaträumen) sind an 60 Orten Lichtkunstwerke ausgestellt.
Zehn dieser Privaträume befinden sich in Bergkamen. Sie sind an jedem Tag mit ungeradem Datum von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
Mit einer Eintrittskarte (15 €) können alle 60 Kunstwerke besichtigt werden. Die Karten gibt es auch im Bergkamener Rathaus.
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