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Gefahren für Kinder lauern im Internet

15.02.2008 | 17:29 Uhr

Bergkamen. Selten zeigte sich der Jugendhilfeausschuss so "sprachlos": aus Entsetzen. Der Kinderschutzbund legte ihm jetzt zum ersten Mal einen offiziellen Jahresbericht vor.

An Zahlen konnten der Familientherapeut Edwin Thöne und die Diplompädagogin Astrid Müller nichts Neues präsentieren, weil sich die Jahresauswertung für 2007 noch in Arbeit befindet. In 45 Fällen sei der Kinderschutzbund 2006 in Bergkamen aktiv geworden. Bei 19 Kindern und Jugendlichen ging es um sexuellen Missbrauch.

Thöne unterstrich, dass von diesen sexuellen Straftaten Mädchen und Jungen gleichermaßen betroffen seien, der größte Teil der Täter komme nach wie vor aus dem familiären Umkreis und Bekanntenkreis.

Einen deutlichen Wandel hat aber nicht nur der Kinderschutzbund bei den "Pädosexuellen" ausgemacht. "Sie treiben sich längst nicht mehr auf Spielplätzen herum, sondern suchen ihre Opfer gezielt im Internet." Und zwar dort, wo ahnungslose Kinder einen "bösen Onkel" nicht vermuten: in Internetangeboten für Jüngere, so genannte "Chat-Rooms", in denen sie mit anderen Jungen und Mädchen kleine Texte austauschen und so auch oft Freunde finden können, die weit entfernt wohnen.

"Pädosexuelle" nutzen diese Ahnungslosigkeit aus, tarnen sich als Gleichaltrige und verabreden sich sogar mit ihren Opfern. Andere verschicken pornografische Fotos und anderes mehr. Was alles möglich ist, zeigten Astrid Müller und Edwin Thöne den Bergkamener Jugendpolitikern anhand eines Dokumentarfilms.

Der Kinderschutzbund hat inzwischen in Zusammenarbeit mit der Polizei die Aufklärungsaktionaktion "Safer Chat" gestartet. Unter diesem Thema stand auch Ende Januar ein Aktionstag für Mädchen im Weddinghofer Kinder- und Jugendhaus Balu, den Astrid Müller zusammen mit Petra Landwehr vom Kommissariat Vorbeugung durchgeführt hatte.

"Safer Chat" wird inzwischen auch sehr stark von den Schulen nachgefragt. "Bis Mitte April habe ich keine freien Termine mehr", berichtete die Diplompädagogin. Diese Aufklärungskampagne richtet sich auch an die Eltern. "Viele Eltern wissen gar nicht, was ihre Kinder am Computer treiben und welchen Gefahren sie ausgesetzt sind."

Es gibt aber auch durchaus einige Bergkamener Eltern, die die strafbaren Möglichkeiten des Internets kennen und den sexuellen Missbrauch ihrer eigenen Kinder bewusst in Kauf nehmen. "Wir könnten sofort über 12 solcher Fälle berichten", erklärte der Leiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes des Jugendamts, Udo Beckmann. "Und wenn man diese Eltern darauf anspricht, dann bekommt man noch die Antwort: Das geht Sie überhaupt nichts an", empörte sich der stellvertretende Ausschussvorsitzende und Geschäftsführer des Bergkamener Vereins für Kinder- und Jugendhilfe, Jochen Wehmann. "Wir sind dann natürlich eingeschritten", betonte er.

Sichtlich betroffen zeigte sich auch der zuständige Beigeordnete Bernd Wenske. Eine Konsequenz, die er wohl ziehen wird, ist, das Aufklärungs- und Informationsangebot zum Thema "Safer Chat" noch stärker als bisher in den Bergkamener Schulen und Jugendeinrichtungen bekannt zu machen.

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