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Nach Babybedenkzeit-Kurs

Für Schülerinnen kommt zuerst der Beruf

11.03.2010 | 18:49 Uhr
Für Schülerinnen kommt zuerst der Beruf

Bergkamen. „Tagsüber ist es ganz ruhig, aber lass es mal Nacht werden...!” Das Babygeschrei verfehlte offensichtlich seine Wirkung nicht und für die 17-Jährige Isabell steht schon nach einer Nacht fest, dass sie die Sache mit dem Kinder kriegen zunächst mal weit nach hinten schiebt.

18 Schülerinnen und Schüler der Oberadener Realschule beteiligten sich am Projekt „Babybedenkzeit” und bereits nach 24 Stunden waren die meisten der jugendlichen Eltern auf Probe davon überzeugt, dass sie auf gar keinen Fall in absehbarer Zeit den eigenen Nachwuchs hüten wollen.

Isabell Kranz, Biologielehrerin an der Oberadener Realschule, machte Teenagerschwangerschaften im Bio-Kurs der Zehntklässler zum Thema und bot ihren Schülerinnen und Schülern einen „Babybedenkzeit-Kurs” an. 16 Mädchen und zwei Jungen schlüpften für drei Tage in die Mutter- bzw. Vaterrolle, erhielten am Dienstag die Wickelkinder nebst Tragesack und Geburtsurkunde.

Windeln, füttern und nächtliches Aufstehen gehörten für sie zum Tagesablauf und so mancher stieß dabei an seine Grenzen. Nichts Ungewöhnliches, wie Jutta Hermann und Jutta Damaschke von der Schwangerschaftskonfliktberatung des Kreises Unna, die dieses Projekt begleiteten, konstatieren.

»Nachts so ab 2 Uhr ging es erst richtig los: Ich habe geflucht«

„Die meisten stellen sich die Sache mit den Babys viel einfacher vor: Ein Baby ist süß, riecht gut und lächelt. Dass es nicht immer so ist, wird ihnen meist sehr schnell deutlich", sagt Jutta Hermann.

Projekt Babybedenkzeit in der Realschule Oberaden. (Foto: Dietmar Wäsche)

„Das tu ich mir nicht an”, wusste Isabell schon nach einem Tag mit Baby. Sie teilt sich den Schützling mit ihrer Freundin Anna und weiß schon ziemlich schnell, dass dieses Projekt sie nur in ihrer eigenen Überzeugung gestärkt hat, auf gar keinen allzu schnell schwanger zu werden. „Es war schon komisch, erst habe ich gedacht, ist ja nur 'ne Puppe und ich kam mir ein bisschen doof war. Tagsüber ging es eigentlich, aber nachts, so ab zwei Uhr, da ging's richtig los, ich habe geflucht und gekocht vor Wut", erzählt sie.

Auch Anka (18) war sich schon vor diesem Kurs sicher, dass sie sich erst viel später in ihrem Leben mit der Familienplanung beschäftigen wollte. „Ich wollte noch einmal eine Bestätigung, und die habe ich tatsächlich erhalten. Da ging ja gar nichts mehr. Ich konnte nicht mal schnell duschen, musste immer da sein und als das Baby nicht aufgehört hat zu schreien, habe ich auch selbst geweint.” Klare Sache - Anka will zunächst einen Beruf, einen festen Job, und dann erst über Kinder nachdenken. Ihre männlichen Schulkollegen reagierten unterschiedlich auf die Babybetreuung: Während der eine von ihnen schon nach zehn Minuten genervt war und er das Projekt schließlich ganz abbrach „ich kann das nicht, da muss ich zuviel tun, was ich nicht will”, hatte sich der andere „Vater auf Probe” mit dem Kind arrangiert.

Neben all diesen Erfahrungen wurde es auch zum Abschluss des Projekts noch einmal spannend: Ein Computer, der die Handlungen der Mütter und Väter per Chip am Handgelenk speichert, verzeichnet sowohl sämtliche Regungen des Kindes als auch die Reaktionen der Eltern.

Die Verantwortung wog schwer und die große Erkenntnis der meisten Schüler war, dass ein eigenes Baby eben wohl überlegt sein will. se

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