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Runder Tisch

Familienpaten für ein Jahr gesucht

29.06.2011 | 16:45 Uhr
Familienpaten für ein Jahr gesucht
Runder Tisch gegen Kinderarmut

Bergkamen  Der Runde Tisch gegen Kinderarmut startet im September die Ausbildung von Familienpaten. Die Ehrenamtlichen sollen Familien unterstützen, die in schwierigen Verhältnissen leben.

. Sie ist da, wenn sie gebraucht wird. Sie hilft bei Behördengängen, beim Einkauf, geht zum Kinderarzt und tollt mit der Kleinen durch die ganze Wohnung. Aber sie bekomme auch was zurück, sagt Adelheid Seibt. Nämlich die Freude der Mutter über die Unterstützung. Das sei Lohn genug. Adelheid Seibt ist seit drei Jahren Familienpatin in Hamm. Am Dienstag startete solch ein Projekt auch in Bergkamen, initiiert vom Runden Tisch gegen Kinderarmut.

Menschen wie Adelheid Seibt braucht die heutige Gesellschaft. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien brauchen Menschen wie Adelheid Seibt. Sie brauchen einen Familienpaten, kurz FiP, der zu einem besseren Miteinander beiträgt. So stellen sich das die Mitglieder des Runden Tisches gegen Kinderarmut vor. Die Pfarrerinnen Petra Buschmann-Simons und Anja Josefowitz haben diesen im Februar vergangenen Jahres ins Leben gerufen.

Seitdem tüftelten beide Kirchen, die Stadt sowie Vereine und Verbände an der Realisierung des FiP-Projekts. Bis zum Dienstag. Jetzt gilt es, ehrenamtliche Familienpaten zu gewinnen, die Familien mit mindestens einem Kind im Alter von null bis drei Jahren bei Bedarf begleiten.

Und der Bedarf ist groß: „Wir haben sicher nicht mehr Probleme im Bereich Kinderarmut als andere Städte, aber auch nicht weniger“, sagte Bürgermeister Roland Schäfer, Schirmherr des Projekts. „Aber wir setzen uns damit auseinander.“ Die Familienpaten seien ein guter Ansatz. Schließlich bedeuteten sie ein niederschwelliges Angebot. Dennoch „sind sie kein Ersatz für Profis“, mahnte Jugendhilfeausschussmitglied Thomas Semmelmann, der sich ebenfalls im Runden Tisch engagiert.

Gesucht werden nun freiwillige Helferinnen und Helfer, die bereit sind, maximal ein Jahr lang für bis zu vier Wochenstunden eine Familie in Alltagssituationen, bei Problemen, Sorgen und Nöten zu unterstützen. Außerdem sollten die Familienpaten belastbar und tolerant sein und eine gewisse Unvoreingenommenheit mitbringen. Grundvoraussetzungen sind zudem alltagspraktisches und erzieherisches Erfahrungswissen. Alles Weitere lernen die Ehrenamtlichen bei zwölf vorbereitenden Schulungsterminen. Den Kontakt zu den Familien stellen Sonja Werner vom Familienbüro und Margarete Hackmann von der familiären Kindertagesbetreuung her.

Wie wichtig diese ehrenamtliche Hilfe ist und wie dringend sie gebraucht wird, das machte Superintendentin Annette Muhr-Nelson in einer Podiumsdiskussion deutlich: „Die Erwachsenen heute sind überfordert, sie müssen Kinder, Beruf und Pflege der Alten unter einen Hut bekommen.“ Kleinfamilien würden Überlastung bedeuten. Sonja Werner sieht sich jeden Tag mit diesem Problem konfrontiert: „Es herrscht Erziehungsunfähigkeit, und zwar in allen Schichten.“

Dem will der Runde Tisch gegen Kinderarmut mit den Familienpaten entgegenwirken. Bis zum Ende der Sommerferien sollen nun Paten geworben werden. Die Ausbildung der FiPs beginnt schließlich am 19. September im Bodelschwinghhaus.

Vanessa Biermann

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