Eine Lösung für jedes Problem
14.02.2010 | 15:51 Uhr 2010-02-14T15:51:00+0100Bergkamen. Laute Musik schallt durch das noch leere Studiotheater, auf der Bühne hantieren Techniker mit meterlangen Kabeln und riesengroßen Boxen. Dazwischen immer wieder kurze Anweisungen, die Lautsprecher werden hin und hergerückt.
Schließlich beendet ein knappes „Ja, das passt” diesen Teil der Vorbereitung.
Es ist Freitagnachmittag und noch etwa vier Stunden Zeit, bis das Trio Funke-Philipzen-Rüther mit „Storno” zur Abrechnung 2009 einlädt. Der Count-Down läuft - auch für Techniker Kai-Uwe Semrau. Eigentlich ist er Haustechniker im städtischen Museum, doch längst gibt Kai-Uwe Semrau bei kulturellen Veranstaltungen in der Nordbergstadt den Ton an – und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der gelernte Energieelektroniker ist für jegliche Events zwischen Studiotheater, Galerie und Museum im Einsatz und allerorten „der Mann für alle Fälle”.
Theatertechniker sehen mehr Theater als alle anderen Menschen auf diesem Planeten. Sie sehen mehr als die Zuschauer, die sich ganz auf das Ereignis auf der Bühne konzentrieren. Technische Raffinessen überall: Ton, Boden, Bühne und Licht. Teile einer Maschinerie, die im Ergebnis für die Erzeugung der schauspielerischen Künste hergerichtet wird. Mittendrin: Kai-Uwe Semrau, zuständig für Licht und Ton und alles, was sonst noch rund um die Bühne dringend erledigt werden muss. „Bevor die Künstler eintrudeln, müssen unsere Arbeiten abgeschlossen sein”, führt er aus
Semrau hält die Bühnenanweisungen in der Hand und hat vor einer halben Stunde mit dem Aufbau begonnen. Das Lichtpult steht, der Soundcheck läuft, die Bühne ist vorbereitet. Doch das ist nicht alles. Keiner kennt die Verflechtungen innerhalb eines Theaters so gut wie die Techniker – inklusive der persönlichen Vorlieben von Künstlern. „Je professioneller, desto besser kann man mit ihnen arbeiten”, weiß Kai-Uwe Semrau mittlerweile aus Erfahrung.
Das Kulturleben in Bergkamen pulsiert. Dabei gibt es hin und wieder kleine und auch große Herausforderungen, die dem 35-jährigen spontanes Handeln abverlangen. Das beinhaltet auch, dass er kurz einen Künstler vom Bahnhof abholen muss oder einen Stehtisch besorgt, der unbedingt mit einer Marmor-Platte ausgestattet sein muss. „Den habe ich dann mal eben aus dem Museum geholt”, erinnert sich Kai-Uwe Semrau. Und wenn gar nichts anderes mehr geht, greift er auch schon mal auf den Fundus in den eigenen vier Wänden zurück. So wie letztens, als die Künstler einen CD-Player orderten, aber nur eine Mini-Disc dabei hatten.der techniker findet immer eine Lösung – ohne das das Publikum etwas davon mitbekommen würde.
Während der Vorstellung dann „fährt” Kai-Uwe Semrau das Licht, sorgt für die verschiedenen Stimmungen, wechselt aufs Stichwort genau vom Licht zum Schatten, rot zu blau, hell zu dunkel. Das Schlimmste, was ihm mal passiert ist, war der Stuhl, der während einer Vorstellung die Treppe hinunter geknallt ist.
Was nicht passt, wird
passend gemacht
Das Schlimmste, was in seinen Augen noch passieren kann, ist, das mal irgendwann der Strom ausfällt: „Das geht gar nicht, aber sonst, denke ich, haben wir alles im Griff.”
Bis dahin trifft der Allround- Techniker immer wieder auf Künstler, bekannte und weniger bekannte, hält ein Pläuschchen.Semrau trifft Arrangements rund um ihren Auftritt und rettet vielleicht auch mal, was nicht mehr zu retten ist – ganz getreu dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht…
0mitdiskutieren