Ein Drittel weniger Straftaten
25.02.2010 | 16:59 Uhr 2010-02-25T16:59:00+0100Bergkamen. Der Übergriff zweier Jugendliche auf eine Lehrerin der Heide-Hauptschule hat im November vergangenen Jahres bundesweit aufsehen erregt. Doch der mögliche Eindruck, Bergkamen sei, was Jugendkriminalität betrifft, ein „heißes Pflaster”, täuscht gewaltig.
Das geht jedenfalls aus einer Statistik für 2009 hervor, die das Jugendamt jetzt vorgelegt hat. Demnach sind die Jugendgerichtshilfeverfahren mit Beteiligung Bergkamener Jugendlichen innerhalb eines Jahres von 457 in 2008 auf nur noch 299 zurückgegangen.
Ludger Kortendiek, der im Jugendamt für diesen Bereich federführend zuständig ist, nennt als eine Erklärung den deutschlandweit leicht rückläufigen Trend, der auch in Bergkamen spürbar sei. Noch wichtiger scheinen aber die von ihm genannten erfolgreichen kriminalpräventivischen Projekte zu sein, die teilweise von Kortendiek selbst betreut werden.
Dazu gehört auch das Anti-Gewalt-Training, dass das Jugendamt in eigener Regie durchführt. Hierbei handelt es sich um kleine Gruppen von Jugendlichen, die mehrfach durch massive Gewaltausübung aufgefallen sind. Oft ist die Teilnahme an solch einem Training Bestandteil eines Urteils des Jugendgerichts.
Als weitere vorbeugende und offensichtlich erfolgreiche Maßnahme nennt Kortendiek den „Runden Tisch gegen Schulverweigerer”. Er wurde 2008 von der Polizei initiiert und geht von der Überlegung aus, dass Kinder und Jugendliche, die intensiv auf längere Zeit dem Unterricht fernbleiben, Gefahr laufen, zunächst „Blödsinn” zu veranstalten und dann immer mehr in die Kriminalität abzugleiten.
Runder Tisch gegen Schulschwänzen
Im Prinzip funktioniert dieser „Runde Tisch” so. Sobald den Bezirksbeamten Kinder und Jugendliche während der Begehung ihrer Viertel auffallen, die offensichtlich „schwänzen”, sprechen die Beamten die Kids an. Anschließend informieren die die Schule. Danach werden die Eltern und auch das Jugendamt eingeschaltet und entsprechende Maßnahmen ergriffen.
Dass der „Runde Tisch” Wirkung zeigt, dokumentieren weitere Zahlen. So sind 2009 lediglich 135 Jugendliche als Ersttäter in Erscheinung getreten. Im Jahr davor waren es 209 und im Jahr 2007 sogar 263.
Ebenfalls rückläufig ist die Zahl der Ermittlungen gegen strafunmündige Kinder. Hier wurden 2009 nur 69 Kids auffällig. Im Jahr davor waren es 104 und 2007 noch 130.
Was die Erfolgsbilanz trübt, ist der Umstand, dass die Zahl der „Intensivtäter” erheblich steigt. Für das Jugendamt ist diese Entwicklung „Besorgnis erregend”. Wörtlich heißt es in dem Bericht: „So waren in 2009 allein 13 Bergkamener Jugendliche wegen schwerer Straftaten in Haft. Hier besteht ein intensiver Beratungsbedarf, um eine Resozialisierung zu ermöglichen.”
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