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Im Martin-Luther-Haus

Die Tafel ist in Bergkamen zurück

15.02.2012 | 18:52 Uhr
Die Tafel ist in Bergkamen zurück

Weddinghofen.   Die Unnaer Tafel hat im Martin-Luther-Haus wieder eine Ausgabestelle in Bergkamen. Am Valentinstag war der erste Ausgabetag nach langer Pause

„Ich bin so froh, dass es jetzt wieder eine Tafel in Bergkamen gibt. Das hilft mir so sehr. Bisher hat mir der katholische Pastor Neudenberger mit Lebensmittelgutscheinen geholfen. Dafür konnte ich im Penny einkaufen.“ Seit gestern jedoch kauft Diane Westermann bei der Tafel ein.

Der gemeinnützige Verein „Unnaer Tafel e.V.“ hat nach mehrmonatiger Suche endlich wieder Räumlichkeiten in Bergkamen gefunden und bietet nun immer dienstags im Martin-Luther-Haus Lebensmittel zu einem kleinen Unkostenbeitrag an.

Diane Westermann etwa muss für ihre vollgepackten Taschen 2 Euro zahlen. „Sogar Erdbeeren und Saft gibt es“, strahlt die erst 48 Jahre alte Frührentnerin, die wegen mehrerer schwerer Krankheiten nicht mehr arbeiten kann. Ihre kleine Erwerbsminderungsrente reiche hinten und vorne nicht, erzählt sie. „Und dabei habe ich doch im Winter noch nicht mal die Heizung angemacht.“

Rentnerinnen haben große Schwierigkeiten

Tafel-Mitarbeiterin Brigitte Remarque sortiert Salat und Gemüse

Diane Westermann ist kein Einzelfall. Es gebe viel Armut in Bergkamen, sagt die 1. Vorsitzende des Tafel-Vereins, Ulrike Trümper. Vor allem Rentnerinnen hätten Probleme, mit ihrer kleinen Rente zurecht zu kommen. So sieht man tatsächlich viele ältere Frauen, die auf dem Häupenweg nach Hause laufen. In ihren fast schon überfüllten Rollatoren, Einkaufs-Trolleys oder gar Reisetaschen befinden sich Kartoffeln, Käse, Wurst, Joghurt oder Nudeln. Doch auch junge Frauen und Männer stellen sich geduldig an. „Zwei Personen“, gibt eine junge Frau an der Kasse an. Auch sie zahlt für sich und ihr Baby 2 Euro.

Das Lebensmittel-Sortiment, das die Tafel anbieten kann, ist fast so groß wie im Supermarkt. „Wir können uns nicht beklagen. Wir bekommen von allen Supermarkt-Ketten ausreichend Lebensmittel-Spenden“, sagt Ulrike Trümper. Gut zwei Dutzend Helfer packen die aufgebaute Ware ausgewogen in die großen Einkaufstüten. „Das müssen wir tun. Sonst wären nur der Käse und die Nudeln weg und der Salat und das Gemüse würden liegen bleiben“, sagt Ulrike Trümper. Doch keiner beklagt sich. Alle, die gestern den Weg ins Martin-Luther-Haus gefunden haben, sind sehr zufrieden. „Bisher musste ich immer nach Lünen fahren. Schön, dass es die Tafel jetzt auch in Bergkamen gibt“, sagt ein Mann, der seinen Namen nicht nennen will und mit einem voll gepackten Koffer von dannen zieht.

Tipp vom Amt

Der 50-jährige Hans-Joachim Meier dagegen ist das erste Mal hier. Er hat gerade Hartz IV beantragt und erhielt den Tipp „vom Amt“, dass er bei der Tafel günstig Lebensmittel bekommen könne. Mit dem Tafel-Angebot ist der ehemalige Lagerarbeiter sehr zufrieden, mit dem Rest der Welt allerdings nicht. Fristlos entlassen worden sei er, weil „die da aus dem Osten“ viel billiger arbeiten würden, sagt er. Und ein neuer Job sei schwierig zu finden, da er nach einer Knie-OP nicht mehr voll bewegungsfähig sei. „Nun muss ich sehen, wie ich klar komme.“ Der Papa brachte seinen Sohn mit dem Auto zur Tafel. Zu dessen Glück. „Denn ich wusste ja nicht, dass ich hier Tüten mitbringen muss. Jetzt kann ich die Ware so ins Auto packen.“

„So weit sind wir gekommen“, murrt der Vater. Gemeint ist nicht der Sohn, sondern die Politik. „Wie soll man denn in dieser Welt mit 900 Euro Rente auskommen. Sagen Sie mir das“, fordert er.

Zumindest Ulrike Trümper versteht ihn. „Es ist traurig. Aber die Tafel ist mittlerweile salonfähig geworden. Wir übernehmen hier eine Arbeit, für die eigentlich der Staat zuständig wäre.“

Mehrere Hundert Bedürftige haben in Bergkamen Anspruch auf das Tafel-Angebot. Doch die Wieder-Eröffnung hat sich noch nicht so recht herumgesprochen. Nur rund 40 Interessierte holten sich bis gestern Mittag Lebensmittel ab. „In den anderen Städten des Kreises Unna sind am Ende der Ausgabezeit alle Kisten leer“, wundert sich Helferin Brigitte Remarque, die immer noch einen Stapel Salatköpfe anzubieten hätte.

Infos

Die ev. Friedenskirchengemeinde stellt ihr Gemeindehaus in Weddinghofen dem gemeinnützigen Verein „Tafel e.V.“ kostenlos zur Verfügung.

Das Gebäude an der Goekenheide 7 ist für die Tafel-Kunden jeden Dienstag von 11.30 bis 13 Uhr geöffnet. Voraussetzung für den Erhalt von Lebensmitteln ist ein Tafel-Ausweis.

Tafel-Ausweise gibt es vor Ort. Mitzubringen sind die Hartz IV-Bescheinigung oder ein Rentenbescheid. „Wer unter 1000 Euro Rente bekommt, gilt als bedürftig“, sagt die Tafel-Vorsitzende Ulrike Trümper.

Damit der Verein seine Unkosten (Benzin, Kühlhäuser etc.) decken kann, wird für die Lebensmittel ein Unkostenbeitrag genommen. Der richtet sich nach der Größe der bedürftigen Familie und liegt zwischen 2 Euro (1 und 2 Personen) und 5 Euro (ab 6 Personen).

Claudia Behlau

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Kommentare
15.02.2012
13:05
Die Tafel ist in Bergkamen zurück
von spacereiner | #2

"Wie soll man denn in dieser Welt mit 900 Euro Rente auskommen. Sagen Sie mir das fordert er"

Dieses ständige Gejammer geht mir soooo auf den Zeiger. Ein ALG 2 Empfänger muss mit weniger auskommen. Wenn man will geht alles. Durch Rumjammern gibts auch nicht mehr Geld

15.02.2012
13:01
Die Tafel ist in Bergkamen zurück
von spacereiner | #1

„Wer unter 1000 Euro Rente bekommt, gilt als bedürftig“

So so,wenn man arbeitet und unter 1000 Euro verdient,ist man also nicht bedürftig ? Warum wird hier mit zweierlei Maß gemessen ???

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