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Handwerk

Die Krise im Handwerk ist vorbei

06.09.2010 | 18:01 Uhr
Die Krise im Handwerk ist vorbei
Firma Fensterbau Schäfer in Oberaden, hier Mitarbeiter Christoph Wagner.

Oberaden.Die Konjunktur zieht wirklich an. Auch die Handwerker vor Ort merken es. Wie die Tischlerei von Uwe Schäfer in Oberaden. „Wir haben alleine in den vergangenen drei Wochen drei neue Leute eingestellt“, sagt Schäfer. Und er ergänzt zufrieden. „Wir haben gut zu tun und viele Aufträge. Vor drei oder vier Jahren sah das noch anders aus.“

Vor allem auch der private Konsum ziehe wieder an, sagt Schäfer. Die Familien, die ein Häuschen bauen oder in ihrem Eigentum neue Fenster einbauen lassen, machen etwa die Hälfte von Schäfers Fensterkunden aus. Der Rest sind gewerbliche Aufträge. Für das neue Ärztezentrum in Lünen etwa - mit weit über hundert Fenstern. Oder für das Rathaus in Alpen am Niederrhein. Sogar die neuen Fenster für eine Hochzeitshalle in London stehen bereits in den Auftragsbüchern.

Bis Januar sind die Auftragsbücher der Tischlerei voll. Obwohl der Bereich Tischlerei nicht ganz richtig ist. Fensterbaubetrieb passt besser, auch wenn ebenfalls Türen oder Fassaden im Portfolio enthalten sind.

Den Großteil der Auftragsbücher füllen Fenster mit Rahmen aus Kunststoff oder Aluminium, die maschinell hergestellt werden.Von Hand werden nur noch selten einzelne Holzfenster angefertigt. Nur mit Muskelkraft, wie im selben Betrieb noch von Schäfers Opa in den 50er Jahren, werden die Fenster schon lange nicht mehr gebaut. Modernste Technik hat längst auch in den Betrieb am Alkenbach Einzug gehalten. Computergesteuert, wie von Geisterhand, bauen „Roboter“ wie der Schweißautomat die Fenster ruck-zuck zusammen. Allein von den Fenstern mit Kunststoffrahmen verlassen bis zu 3500 jährlich die hochmoderne Fertigungsstraße.

„Das Konjunkturpaket hat uns gut getan“, sagt Schäfer und meint mit „uns“ die gesamte Handwerkerbrache. Schäfer selbst hatte den ersten Auftrag überhaupt im Rahmen des Förderprogramms der Bundesregierung ergattert: die Fenster für die Realschule in Bergkamen-Mitte.

Mittlerweile habe sich die wirtschaftlich angespannte Situation in Deutschland wieder beruhigt, sagt Schäfer. Sogar deutlich gebessert. Nun müssten andere Probleme bewältigt werden. Etwa die deutliche Verteuerung (plus 5 bis 6 Prozent) des Rohmaterials. Und der Nachwuchs. Denn in diesem Jahr wird kein neuer Tischler bei Schäfer ausgebildet. Der junge Mann, der den Lehrvertrag erhalten sollte, kam einfach nicht mehr. „Man muss heute schon dankbar sein, wenn man Lehrlinge bekommt, die pünktlich sind, keinen Alkohol im Dienst trinken, nicht klauen und die Berufsschule schaffen“, sagt Schäfer spöttisch.

Der Spott hat seine Ursache in schlechten Erfahrungen. Ein Praktikant hatte einen Schlüssel gestohlen und war Weihnachten in den Betrieb „eingebrochen“.

Schäfer gibt die Hoffnung aber nicht auf. „Wir wollen gerade Hauptschülern eine Chance bieten. Denn Abiturienten nehme ich nicht. Die nutzen die Ausbildung nur als Sprungbrett für ein anschließendes Studium“. Schäfer jedoch will seine jungen und gut ausgebildeten Mitarbeiter behalten. „Handwerk hat goldenen Boden“, sagt er. Das gilt jetzt wieder.

Claudia Behlau

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