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Der Volkstrauertag hat auch aktuelle Bezüge

15.11.2009 | 16:51 Uhr
Der Volkstrauertag hat auch aktuelle Bezüge

Oberaden. Er kommt an jedem Volkstrauertag auf den Friedhof. Auch ohne Verein, Partei oder Vereinigung. „Weil es mir wichtig ist”, betont der Oberadener. Er besucht jedes Mal zunächst das Grab seiner Eltern. Dann hört er den Worten des Pfarrers am Ehrenmal zu.

„Es ist ja schließlich ein Tag, an dem man der Toten und Verstorbenen gedenkt", meint er.

In Oberaden ist es „seit mindestens 50 Jahren”, so Friedrich Potthoff, Chronist der Ev. Gemeinde, gute Tradition, dass sich die Vereine und Verbände stets an der Feuerwache zum gemeinsamen Marsch durch die Gemeinde treffen. Schützenverein, Knappen, Feuerwehr, Parteien und Verbände: Stets sind es zwischen 200 und 300 Menschen, die hinter den Gedenkkränzen her zum Friedhof marschieren. Zwischen den Vereinsfahnen, die im Wind wehen.

„Es gibt aber auch einige, die aus Prinzip nicht teilnehmen", weiß Ortsvorsteher Martin Blom. Es sind jene, denen die Assoziation mit dem ehemaligen Heldengedenktag während des Dritten Reichs noch allzu präsent ist.

Pfarrer Reinhard Chudaska zog an diesem Feitertag, der in Deutschland ursprünglich zum Gedenken an die Toten des ersten Weltkriegs gefeiert wurde, jedoch eine völlig andere Verbindung. Er erinnerte vor dem Mahnmal für die Toten der Weltkriege an den Fall der Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland vor genau 20 Jahren. Dieser Todesstreifen habe viele Menschen das Leben gekostet. Auch sie sind Opfer eines Kalten Krieges und Opfer von Gewalt.

Chudaska erinnerte auch daran, dass damals zwar eine Mauer eingerissen wurde, seitdem jedoch weitere und neue Mauern errichtet wurden – von uns allen.

„Die Mauer ist noch lange nicht weg", betonte der Pfarrer und bezog sich auf jene imaginäre Grenzziehung in den Köpfen.

Manche Prozesse dauern eben lang, so der Pfarrer. In diesem Jahr war die Bundeskanzlerin die erste deutsche Regierungschefin, die 90 Jahre nach dem Versailler Vertrag in Frankreich am Gedenken an das Ende des 1. Weltkriegs teilnahm. Für Chudaska sind die Toten der Kriege, Opfer der Gewalt, ihres Glaubens, ihrer Herkunft und ihres Widerstandes „Mahnung für den Frieden". Und eine Mahnung, dankbar für ein Leben ohne Krieg und Gewalt zu sein – wie er es bei vielen Menschen während einer Wanderung auf dem Jakobsweg erlebte.

Eine andere Oberadenerin kommt aus ganz anderen Gründen in jedem Jahr zum Volkstrauertag auf den Oberadener Friedhof. „Weil er für mich ein Feiertag mit Bedeutung ist”, meint sie – und weil er sich unter freiem Himmel abspielt. Auch sie besucht zuvor die Gräber der Verwandten und Bekannten, bevor sie den mahnenden Worten lauscht.

Auf eines allerdings müssen die Oberadener aber noch warten. Dass der Glockenturm, der vom ehemaligen Jochen-Klepper-Haus erst in der vergangenen Woche auf den Friedhof umzog, seine Glocken nach der Nationalhymne und den Klängen des Gesangsvereins und Posaunenchores erklingen lässt. Es fehlt bislang schlicht das Kabel, um die Glocken in Schwingung zu versetzen.

Katja Burgemeister

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