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Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun

14.02.2010 | 15:47 Uhr
Das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun

Bergkamen. Es gab in den letzten 15 Jahren manche Momente, die ihm nicht nur einen Schauer über den Nacken jagten. „Wenn Sie auf der Autobahn stehen und ein zertrümmertes Auto sehen, das genau so aussieht wie das ihrer Tochter und ein blonder Haarschopf daraus hervorschaut”, erzählt Ralf Abraham.

„Da kann Ihnen schon mehr als anders werden.” Es waren aber die anderen Augenblicke, die ihn immer wieder antrieben. „Die Augenblicke, wenn man Menschen retten kann”, berichtet er.

Das wird Ralf Abraham auch weiterhin mit vollem Einsatz tun. Allerdings nicht mehr als Löschgruppenführer und nicht mehr als Zugführer des Zuges II Mitte und Weddinghofen. „Führung muss auch Wechsel haben”, betont er – „und wir müssen der Jugend eine Chance geben”. Zudem wird er beruflich immer mehr gefordert. Um am Samstag von der freiwilligen Feuerwehr aus seinen Führungsämtern verabschiedet zu werden, reiste Ralf Abraham durch die halbe Welt. „Am Montag war ich noch in Havanna, dann traf ich mich in Düsseldorf mit einer japanischen Delegation, um nach Madrid zu fliegen”, berichtet der 53-jährige Chemieingenieur. „Gestern Abend habe ich mir noch einen Flamenco angeschaut, heute Mittag bin ich wieder in Deutschland gelandet.”

Mit 17 Jahren begann Ralf Abraham seine Ausbildung als Feuerwehrmann. Als erster in seiner Familie. „Weil man hier Freunde und Kameradschaft fand – und eine sinnvolle Alternative zur Bundeswehr hatte”, erzählt der Brandinspekteur. Wichtiger als alle Ämter und Ehren war ihm aber immer „das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun – zusammen mit Gleichgesinnten aus allen Bevölkerungsschichten.” Führungskraft wollte er eigentlich nie werden. „Einen muss es aber schließlich geben”, meint er – und bedauert, dass heute immer weniger Menschen bereit sind, unentgeltlich im Ehrenamt Verantwortung für andere zu übernehmen.

Deshalb ist er auch froh, dass mit seinen Stellvertretern Uwe Dunemann und Mark Baginski eine nachrückende Generation bereit steht, die das genau so sieht wie er. Stolz ist er auch, dass sein Einsatz Früchte in der eigenen Familie trägt: Sohn Alexander ist Minuten zuvor zum Unterbrandmeister befördert worden.

Die zusätzliche freie Zeit hat Ralf Abraham künftig jedenfalls schon verplant. „Jetzt kann ich mich mit meinem Sohn endlich um die zwei Cabrios kümmern - und um den Modellbau”, freut er sich auf seine Hobbys.

Katja Burgemeister

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