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Not wird größer

Armut klopft an die Pfarrerstür

09.02.2012 | 18:07 Uhr
Armut klopft an die Pfarrerstür
Die Nachfrage an der ehemaligen Ausgabestelle der Unnaer Tafel im Bodelschwinghaus war stets groß. Foto: Ulrich Bonke

Bergkamen.   Die Armut klopft immer häufiger an den Türen der Bergkamener Pfarrhäuser. „Zunehmend mehr Menschen mit geringen Einkommen kommen zu uns nach Hause und bitten um einen Gutschein für Lebensmittel oder einen geringen Geldbetrag“, berichtet Pfarrer Bernd Ruhbach.

Die Armut klopft immer häufiger an die Türen der Bergkamener Pfarrhäuser. „Zunehmend mehr Menschen mit geringen Einkommen kommen zu uns nach Hause und bitten um einen Gutschein für Lebensmittel oder einen geringen Geldbetrag“, berichtet Pfarrer Bernd Ruhbach.

Der Geistliche ist nicht nur Vorsitzender des Presbyteriums der Friedenskirchengemeinde, er leitet seit dem Wechsel von Pfarrerin Petra Buschmann-Simons den Diakonieausschuss der Gemeinde. Er stellt sich seit Jahren den offensichtlich immer größer werdenden finanziellen Nöten in Bergkamen.

Pfarrer Bernd Ruhbach, Vorsitzender des Presbyteriums und des Diakonieausschusses der Friedenskirchengemeinde.

Das spüren auch, wie Ruhbach berichtet, die Organisatoren der Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche, die die Friedenskirchengemeinde in diesem Jahr anbietet. Die Zahl der Eltern nehme zu, die bei der Anmeldung um einen sozialbedingten Nachlass auf den Reisepreis bitten. Ähnlich sei die Lage bei den Konfirmandenfreizeiten. Hier bestehe allerdings die Möglichkeit – weil diese Fahrten zum normalen kirchlichen Unterricht gehörten und niemand wegen der Kosten ausgeschlossen werden dürfe –, aus dem Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung beim Jobcenter eine Förderung zu beantragen, erklärt Pfarrer Ruhbach.

Am kommenden Sonntag stellt die Gemeinde das Thema „Armut“ in den Mittelpunkt ihres Gottesdienstes in der Friedenskirche (Beginn 10.30 Uhr). Ruhbach sieht das als einen Teil der dringend notwendigen Öffentlichkeitsarbeit. Das Vorhandensein wachsender „Armut“ auch in Bergkamen müsse verstärkt in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger gerückt werden, damit Gegenstrategien entwickelt werden. Dabei geht es auch darum, die Bereitschaft zu teilen zu vergrößern. Ein Teil des Geldes, das zur Linderung größter Not benötigt wird, stellt die Gemeinde über den Diakonieausschuss aus allgemeinen Mitteln zur Verfügung. Ein anderer Teil wird an vielen Sonntagen mit dem Klingelbeutel während der Gottesdienste eingesammelt. Es kann natürlich auch gespendet werden.

Wichtig ist für Pfarrer Bernd Ruhbach, dass die Institutionen, die sich der Armut stellen, in Bergkamen künftig enger zusammenarbeiten. Dabei denkt er natürlich an die benachbarte Martin-Luther-Kirchengemeinde und auch an die örtliche Caritas-Konferenz. Ein gelungenes Modell von Kooperation ist für ihn der „Runde Tisch gegen Kinderarmut“, der unter Petra Buschmann-Simons vom Diakonieausschuss der Friedenskirchengemeinde angestoßen wurde.

Dieser „Runde Tisch“ hat bekanntlich Mitte des vergangenen Jahres das Projekt „Familienpaten“ auf den Weg gebracht. Aufgabe der Ehrenamtlichen, die vor allem ihre freie Zeit investieren, ist es, Familien in schwieriger Lage zu unterstützen. Hilfe aus der Armut ist oft auch ohne Einsatz von Geld möglich.

Besonders froh sei der Diakonieausschuss, dass nach einer Pause von rund einem Dreivierteljahr am kommenden Dienstag im Martin-Luther-Haus in Weddinghofen wieder eine Ausgabestelle der Unnaer Tafel eröffnet werde, betont Ruhbach.

Dann können Menschen mit geringen Einkommen wieder Lebensmittel zu einem sehr günstigen Preis bekommen.

Heino Baues

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