Abschied von einer Hauptschule
19.02.2010 | 19:00 Uhr 2010-02-19T19:00:00+0100
Bergkamen. Die am Freitag abgeschlossene Anmelderunde an den weiterführenden Schulen scheint das Schicksal einer der beiden Bergkamener Hauptschulen besiegelt zu haben. In Rünthe sind nur 7 Anmeldungen für künftige Fünft-klässler eingegangen, und in Weddinghofen 10.
„Wir können im Sommer wahrscheinlich nur eine Hauptschuleingangsklasse für ganz Bergkamen bilden”, erklärte Schuldezernent Horst Mecklenbrauck. An welcher Schule sie angesiedelt werde, könne aber die Stadt nicht allein entscheiden. Mitreden werde hier in jedem Fall die Schulaufsicht in Arnsberg.
Die einzige Schule, in der rundherum Zufriedenheit herrscht, ist die Freiherr-vom-Stein-Realschule in Mitte. Mit 72 Anmeldungen (Vorjahr: 76) könne man wieder problemlos drei 5. Klassen bilden, sagte Schulleiterin Ulrike Machers.
Nicht so glücklich ist man in der Realschule Oberaden. Dort gibt es nur 49 Anmeldungen für den neuen 5. Jahrgang – 37 weniger als im Vorjahr! „Wir merken, dass 50 Kinder weniger als im Vorjahr die Grundschule verlassen”, sagte Schulleiterin Martina Rudzynski. Dennoch gibt es auch gute Nachrichten. Viele Nicht-Oberadener wurden angemeldet. Denn von den Oberadener Grundschulen gab es nur 25 Empfehlungen für die Realschule.
Stadtweit gab es 132 Empfehlungen für die Realschule, 141 für die Hauptschule und 145 fürs Gymnasium. Hinzu kommen Doppelempfehlungen für Hauptschule/Realschule (41) und Realschule/Gymnasium (48).
Konkret heißt dies, dass nach Mecklenbraucks aktuellen Planungen entweder die Heide- oder die Hellweghauptschule 2014 auslaufen wird. Für das dann leestehende Gebäude steht auch schon ein Mieter aus dem Aus- und Weiterbildungsbereich bereit. Mit ihm habe es schon eine Ortsbesichtigung gegeben. Der Interessent sei begeistert gewesen, berichtete Mecklenbrauck Abgesprochen sei, dass er die nicht benötigten Räume Zug um Zug nutzen kann.
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Voraussichtlich 507 Kinder – 50 weniger als im Vorjahr – werden im Sommer die Grund schule verlassen und auf eine weiterführende Schule wechseln. 141 dieser Kinder haben im Zeugnis eine Empfehlung für die Hauptschule. 41 weiteren Kinder wurde der Besuch einer Hauptschule ans Herz gelegt, da sie nur eingeschränkt für die Realschule qualifiziert sind. Genügend Kinder also, müsste man meinen, um die beiden Bergkamener Hauptschulen zu füllen. Mitnichten. „Die Eltern wollen ihre Kinder auf Biegen und Brechen in einer Gesamtschule unterbringen”, sagte Martina Tebbe, Leiterin der Hellweg-Hauptschule Rünthe.
Die Folge: Alleine von ihren 7 angemeldeten Kindern versuchen noch zwei über ein Widerspruchsverfahren in die Bergkamener Gesamtschule aufgenommen zu werden. Doch die hat „nur” 180 Plätze und hat bislang 22 Kinder abgewiesen. Deshalb versuchen offenbar viele Eltern, ihre Kinder in den Gesamtschulen in Lünen, Kamen oder Hamm unterzubringen.
Die aktuellen Zahlen belegten das. „Bei Anmeldeschluss waren in allen Bergkamener Schulen nur 468 Kinder (von 507) angemeldet. Die Rückläufe aus den Nachbarstädten bekommen wir erst in den kommenden Tagen”, sagte Andreas Kray von der Schulverwaltung.
Und die Hauptschulen hoffen, dass in diesen Fehlzahlen noch säumige Familien enthalten sind, die die Anmeldung schlicht verschlafen haben. „Erfahrungsgemäß kommen bis April, Mai immer noch Nachzügler”, sagte Rüdiger Weiß, Leiter der Heide-Hautpschule voller Optimusmus. „Ich glaube fest daran, dass wir zumindest eine 5. Hauptschulklasse (Mindestzahl: 18 Schüler) zusammenbekommen. Wo auch immer.”
Voraussichtlich im März wird ein Gespräch mit der Schulaufsicht stattfinden. Doch Weiß und seine Kollegin Tebbe wissen, dass die Tage der Hauptschule als Schulform gezählt sind. „Nur ganz wenige Eltern sind von dieser Schulform noch überzeugt”, sagte Tebbe. Und Weiß scherzte mit Galgenhumor: „Dabei sind wir wirklich nett.”
Während die Hauptschüler noch um jeden möglichen Neuzugang ringen, hat das Städtische Gymnasium ganz andere Sorgen. 155 Anmeldungen gibt es dort – zuviel für fünf Eingangsklassen. Doch für sechs Klassen fehlen Personal und Räume. Direktorin Silke Kieslich befindet sich in der Zwickmühle und wartet ab, so wie ihre Kollegen von den Hauptschulen. „Zwei Kinder müssen noch in den Prognoseunterricht. Und möglicherweise gibt es noch verspätete Anmeldungen. Eine verbindliche Entscheidung über die Klassenzahl wird wohl erst im April fallen.”
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