Wer "Handy" sagt, zahlt zwei Euro
Bergkamen. Obwohl an der Willy-Brandt-Gesamtschule offiziell noch "Handy-Verbot" herrscht - im Informatik-Unterricht von Ludger Humbert sind die mobilen Piepser sogar erwünscht. ...
... Denn die Elftklässler lernen im deutschlandweit ersten "Handy-Programmierkurs", dass ihr ständiger Begleiter mehr kann als "Simsen" und Klingeltöne leiern. Die 29 Schülerinnen und Schüler arbeiten bei dem Pilotprojekt im ganz normalen Klassenraum. Wenn sie beginnen zu programmieren, nehmen sie einfach das Handy zur Hand. "Was für ältere Menschen kaum vorstellbar ist, beweisen unsere Schüler", erklärte Informatiklehrer Humbert. "Sie sind in der Lage, ihre Programmierarbeiten mit den eingeschränkten Eingabemöglichkeiten des Mobiltelefons zu erledigen."
Dabei helfen ihnen einige Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit. Die Firma Nokia stattete als Kooperationspartner den gesamten Informatikkurs mit dreißig modernen Mobiltelefonen aus. Der finnischen Firma steht seit 2005 die Programmiersprache "Python" für einige Handy-Typen zur Verfügung. An dieser Entwicklung sind auch Forscher aus dem Bochumer Werk beteiligt. Wolfgang Theimer und Dietmar Siebert aus Bochum überzeugten sich gestern von den Fähigkeiten der Gesamtschüler.
"Allein mit einem Python-Interpreter zu arbeiten, ist aber wenig hilfreich", erklärte Schülerin Carina Müller in perfektem Technik-Slang. "Da werden interaktive Programme nicht gespeichert." Auch diese Probleme umschifften die Elftklässler durch die schülerfreundliche Software "Ped", von Studenten der Bochumer Ruhr-Universität entwickelt. "Damit sind alle zum mobilen Programmieren in der Oberstufe notwendigen Voraussetzungen erfüllt", freute sich Humbert. Der Inhalt der Telefondisplays lässt sich dank der passenden Software per "Wireless LAN" an den Lehrer-Laptop übermitteln. Von dort aus wird der Inhalt per Beamer an die Wand geworfen. "Außerdem kann damit ein Mobiltelefon ,ferngesteuert' werden", so Humbert. Der Parallelkurs arbeitet übrigens mit "normalen Computern" weiter. "Beide Kurse bearbeiten dabei ähnliche Fragestellungen", erklärt Humbert. So könnten nach der 11. Klasse beide Kurse zusammengelegt werden, ohne dass einem Schüler dadurch Nachteile entstünden.
Übrigens herrscht auch hier eine Art von "Handy-Verbot". Da mit dem Begriff "Handy" international niemand etwas anfangen kann, dürfen die Schüler ihr Gerät nur noch "Mobiltelefon" nennen. "Wer einmal ,Handy' sagt, zahlt zwei Euro in die Kurskasse", schmunzelte Humbert.










