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Kein Schulschwimmen mehr:

32 Aktifit-Mitarbeitern gekündigt

09.02.2010 | 19:04 Uhr
32 Aktifit-Mitarbeitern gekündigt

Bergkamen-Oberaden. „Das ist ja eine Katastrophe.” Steffi Zylla zeigte sich am Dienstagmorgen sichtlich von der Nachricht geschockt, dass Stephan Starzetz zum 31. März das„Aktifit” schließen will.

Drei Mal die Woche besucht die Oberadenerin das Fitnesszentrum. „Es ist für viele Ältere fast so etwas wie ein zweites Zuhause geworden”, erklärte die Rentnerin. „Wo sollen wir denn jetzt hin, etwa in eine der anderen Muckibuden?”

Noch schlimmer trifft die Schließung die 32 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Aktifits. „Ihnen habe ich heute Morgen erklären müssen, dass am 31. März Schluss sein wird”, sagte Stephan Starzetz gegenüber der Redaktion. Viele würden danach Kunden der Bundesanstalt für Arbeit.

Hintergrund: Die Stadt will den Vertrag über das Schulschwimmen im Aktifit nicht verlängern. Dabei zeigte Starzetz durchaus Verständnis, enttäuscht sei er aber über die Art und Weise des Vorgehens.

Noch im September vergangenen Jahres habe er ein Schreiben erhalten, dass die Stadt an einer Vertragsverlängerung mit Anhebung des Nutzungsentgeltes um 20 Prozent vorbehaltlich der Zustimmung durch den Stadtrat interessiert sei. Von der neuen Sachlage, von der Reorganisation des Schulschwimmens im Zuge des Haushaltssicherungskonzepts habe er dann am vergangenen Freitag aus unserer Zeitung erfahren. „Da war mir sofort klar, dass das das Ende ist.” Offiziellen schriftlichen Bescheid über die neue Lage erhielt er aus dem Rathaus erst am Montag.

Vielleicht hatte Stephan Starzetz zu diesem Zeitpunkt noch einen gewissen Widerstandswillen. Dienstagmorgen war ihm aber klar, dass es nicht weitergehen könne: „Ohne den Vertrag mit der Stadt kann ich das Aktifit nicht halten. Das weiß auch Kämmerer Horst Mecklenbrauck.”

Allerdings ist es nicht nur der Rückzug des Schulschwimmens, was dem Aktifit große finanzielle Schwierigkeiten bereitet. „In den vergangenen 15 Jahren sind die Energiekosten um 60 Prozent gestiegen. Zum Schluss gingen dafür allein die monatlichen Zahlungen der Stadt von 12 000 Euro drauf”, rechnete Starzetz vor.

Verschärft wurde die Lage durch den Einbau einer Saunaanlage vor 10 Jahren.

Teure Investition

Diese teure Investition trieb auch die Energiekosten weiter in die Höhe. „In den fünf Jahren davor war das Aktifit eine Goldgrube”, berichtete er.

Weitere Probleme entstanden durch neue Fitness-Center in Bergkamen, die mit sehr günstigen Monatsbeiträgen warben. Vom darau eintretenden Mitgliederschwund hat sich das Aktifit zwar erholt, es musste aber selbst die eigenen Beiträge deutlich senken.

„Ich will jetzt nicht mehr”, erklärte Stephan Starzetz, auch wenn er genau weiß: „Am 31. März bin ich pleite.” An seinem Entschluss könnten weder die Unterschriftensammlungen etwas ändern, die jetzt zufriedene Kunden starten wollen, noch ein Einlenken der Stadt. „Wer das Aktifit erhalten möchten, der soll es selbst betreiben”, betonte Starzetz.

INFO

168 800 Euro will Kämmerer Horst Mecklenbrauck im Rahmen des Haushaltssicherungskonzepts jährlich durch die Verlagerung des Schulschwimmens vom Aktifit in das Hallenbad Bergkamen-Mitte sparen.

Dies ist eine von insgesamt 41 Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass der Haushalt der Stadt Bergkamen bis zum Jahr 2014 auf der Einnahmen- und Ausgabenseite wieder ausgeglichen ist.

Bisher handelt es sich nur um Vorschläge der Verwaltung. Entscheiden muss der Stadtrat am 18. März.

Anschließend muss das Zahlenwerk noch von der Kommunalaufsicht, vom Kreis Unna genehmigt werden.

Heino Baues

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