Zwei Märchenstücke gegen Zuschauerschwund

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Was wir bereits wissen
1. Teil unseres Jahresrückblicks 2014:

Balve..  Aufregende Monate liegen hinter dem Festspielverein Balver Höhle, und auch das kommende Jahr verspricht, alles andere als langweilig zu werden. Der Zusammenschluss engagierter Kulturschaffender aus Balve und Umgebung will 2015 mit einem neuen Konzept den Märchenwochen wieder zu altem Glanz verhelfen. „Wir haben uns lange zusammengesetzt und viel diskutiert – mit dem Ergebnis, dass es erstmals zwei Stücke während der Märchenwochen geben wird“, erklärt der 2. Vorsitzende, Theo Bösterling.

Grund für diese Änderung sind Umsatz- und Besucherrückgänge. „Die Zahlen stimmten in 2014 einfach nicht. Die Auslastung ist auf fast 60 Prozent gesunken“, weiß Bösterling. „Aber da geht es anderen Freilichtbühnen nicht besser. Das ist der demografische Wandel“ Der Festspielverein orientiert sich am Zielpublikum: So wird ein Stück speziell für Kinder aufgeführt, während sich das zweite Stück an Jugendliche ab 13 Jahren und Erwachsene richtet.

Kostspieliges Programm

Ob das neue Konzept mit zwei Märchenstücken den erhofften Erfolg bringt, wissen auch die Verantwortlichen des Festspielvereins nicht. Aber sie sind optimistisch. Der zweite Vorsitzende erklärt: „Das ist ein neuer Weg, den wir einfach probieren wollen. Ich glaube, es wäre der größte Fehler, nichts zu versuchen.“

Wie wichtig die Märchenwochen für den noch immer hoch verschuldeten (siehe Infokasten) Festspielverein sind, verdeutlichen Zahlen, die Theo Bösterling parat hat. „Ein Märchen kostet komplett zwischen 80 000 und 90 000 Euro.“ Damit meint der zweite Vorsitzende allein die zu leistenden Zahlungen. Die ungezählten Arbeitsstunden der vielen freiwilligen Helfer sind nicht eingerechnet.

Weil der Festspielverein kein Wirtschaftsunternehmen ist, sondern eine der tragenden Säulen der Kulturarbeit in der Hönnestadt, und seine Mitglieder viel Spaß an ihrer ehrenamtlichen Arbeit haben, kann die erfolgreiche Arbeit trotz unzureichender Finanzmittel fortgeführt werden. Außerdem gibt es neben defizitären Veranstaltungen auch Angebote, die die Vereinskasse wieder auffüllen. Zum Beispiel das Irish-Folk-Festival.

Newcomer statt Stars

Was für die Besucher drei Tage Spaß, Entspannung und Musikgenuss pur bedeutet, ist für die Mitglieder des Festspielvereins harte Arbeit – und das nicht nur während der drei Festivaltage. „Da kommen vorher drei Tage Aufbau und Vorbereitung zu, und nach dem Festival die gleiche Zeit an Aufräumarbeiten“, weiß Theo Bösterling. „Wir haben während des Festivals durchgehend 60 bis 70 Leute im Einsatz. Und das ist harte Arbeit.“

Weil das Folk-Festival nicht nur viele musikbegeisterte Besucher glücklich macht, sondern auch die Vereinskasse füllt, wird schon jetzt an der nächsten Auflage in 2015 geplant. Ihrem Konzept, verstärkt auf Newcomer der Folkszene zu setzen, wollen und müssen die Macher treu bleiben. „Das hat sich bewährt“, weiß Mediensprecherin Uta Baumeister. „Diese Bands kosten einfach weniger Geld. Und gute Musik machen sie trotzdem. Früher hatten wir bekanntere Bands hier, teilweise sogar aus der obersten Liga, aber die waren dann auch viel teurer.“

Die heimischen Folk-Fans stört der Verzicht auf große Namen wenig. Stimmung und Atmosphäre in der Höhle sind noch immer einzigartig. Der eine oder andere Musikfan mag zwar das Balver Festival aus seinem Terminkalender gestrichen haben, weil die Stars dort nicht mehr auftreten, dieses Defizit wird aber locker dadurch ausgeglichen, dass viele Gäste sogar extra nach Balve kommen, um zu hören, was es an Newcomern in der Szene gibt.