„Wir sind im Moment eine nette Truppe“

Christoph Goeke, Dirigent vom Musikverein Balve
Christoph Goeke, Dirigent vom Musikverein Balve
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Seine Leidenschaft ist die Musik. Im dritten Jahr dirigiert Christoph Goeke aus Beckum das Hauptorchester des Musikvereins Balve, und nicht nur das, sondern auch das Vor- und Jugendorchester.

Balve..  Außerdem unterrichtet er die 3. und 4. Bläserklassen an den Grundschulen in Beckum und Balve. Hat der Musikverein Balve Nachwuchssorgen? Wie ist die Altersstruktur und die Unterstützung im Verein? Fragen, die der 49-Jährige freischaffende Musiker vor dem Frühlingskonzert am Samstag, 25. April, um 19.30 Uhr in der Aula des Schulzentrums im Interview der Woche mit unserer Zeitung beantwortet.

Warum tritt am Samstag „nur“ das Hauptorchester und nicht auch das Jugendorchester auf?

Christoph Goeke: Der Entschluss ist uns nicht leicht gefallen, wir haben ihn aber ganz bewusst getroffen. Das Frühlingskonzert soll für das Pu­blikum nicht langatmig werden. Deshalb vermeiden wir Umbauarbeiten von Orchester zu Orchester und verhindern somit, dass die Zuhörer in dieser Zeit unruhig werden. Jetzt haben wir ein frisches, ein modernes Programm, bei dem man nicht gestresst, sondern zwei Stunden lang ganz entspannt Musik hören kann.

Welche Musikrichtung mag „Ihr“ Hauptorchester?

Es will moderne Literatur spielen, auch mal Ouvertüren aus Opern. Weniger beliebt sind dagegen Polkas. Das ist die Gratwanderung für mich, einerseits auf die Wünsche des Orchesters einzugehen, andererseits auch auf das Publikum, in dem bekanntlich auch ältere Zuhörer sitzen und gerne mal einem Marsch lauschen. Beim Frühlingskonzert können wir viel mit dem Klang spielen. Insgesamt kratzt unser Repertoire an der Oberstufenliteratur, da lege ich schon Wert drauf. Trotzdem bleiben wir ein Hobbyorchester, das Hobby mit Leidenschaft verbindet, aber nicht Leiden schaffen soll.

Ist der Musikverein Balve Ihrer Meinung nach gut aufgestellt?

Ja. Die Instrumente sind im Vororchester mit 20 Kindern, im Jugendorchester mit im Kern 24 Musikern und im Hauptorchester mit 50 Aktiven ausgewogen verteilt. Was mir ein bisschen fehlt, ist ein Exot wie etwa die Oboe oder ein Fagott. Diese außergewöhnlichen Instrumente würden den Klang noch intensivieren. Andererseits: Finanziell liegen die Holzblasinstrumente jenseits von Gut und Böse.

Welche Zielgruppe fehlt noch?

Im Nachwuchsbereich brauchen wir neue Schlagzeuger, das ist eine Baustelle bei uns.

Wie kommt das? Schlagzeug klingt vor allem für Jungs attraktiv?

Im kindlichen Bereich sind die Vorstellungen eines Schlagzeugers oftmals falsch. Auch als Drummer müssen Noten gelernt und Kesselpauken, Glockenspiel oder Xylofon beherrscht werden. Zu wenig Schlagzeuger – das ist bei uns allerdings ein hausgemachtes Problem. In den Bläserklassen lassen wir sie bewusst raus, aus logistischen Gründen und weil unser Augenmerk zunächst auf anderen Instrumenten liegt. Wer also Schlagzeug im Musikverein spielen möchte, soll uns einfach ansprechen.

Wie ist die Altersstruktur im Hauptorchester des Musikvereins?

Sehr jung. Wir haben ein Durchschnittsalter von höchstens 22 Jahren mit einigen ‘Altspitzen’.

Wie gewinnen Sie die Nachwuchsmusiker?

In den meisten Fällen über die Bläserklassen im 3. und 4. Schuljahr. Anders gibt es kaum eine Chance mehr. Wenn wir dann acht bis zehn Kinder für das Vororchester gewinnen können, sind wir gut bedient.

Wie viele bleiben bis zum Hauptorchester beim Musikverein?

Wenn es fünf Musiker sein sollten, wären wir schon sehr glücklich.

Was hat sich in den vergangenen drei Jahren geändert?

Das Hauptorchester ist moderner geworden. Wir verstehen uns als sinfonisches Blasorchester, das natürlich auch Polka, Märsche oder Walzer spielt, aber eben besonders gerne moderne Literatur.

Wie empfinden Sie die Unterstützung im Verein?

Ich glaube, dass wir das Generationenproblem gut in den Griff bekommen haben. Die Bereitwilligkeit, nicht nur Musik zu spielen, sondern auch mit zu organisieren, ist schon okay. Wir sind im Moment eine nette Truppe.