„Wenn man da mitschießt, ist es wie eine Droge“

Foto: Richard Elmerhaus

Balve..  Als ob es nicht aufregend und anstrengend genug wäre, einfach nur Schützenkönig zu werden. Stefan Grote von der St.-Sebastian-Bruderschaft Balve legte Ende Juli noch einen drauf und heiratete nur vier Tage nach dem erfolgreichen Vogelschießen seine langjährige Lebensgefährtin Michaela Baumeister. Zwei große Erlebnisse in einer einzigen Woche. Grund genug, einmal genauer nachzufragen.

Herr Grote, zwischen ihrem Königsschuss und ihrer Hochzeit lag nicht besonders viel Zeit. War das so geplant?

Eigentlich nicht. Ich wollte ursprünglich erst in diesem Jahr mitschießen, weil ich da 40 werde. Aber dann hat mich während des Schützenfestes einer auf die Idee und zum Nachdenken gebracht. Meine Dame war da gar nicht von begeistert. Ich habe ihr auf dem Nachhauseweg von der Höhle davon erzählt, und sie sagte nur, dass ich das doch sowieso nicht mache.

Aber Sie haben es dann getan.

Ich habe Michaela gesagt, dass ich erst mal mitschießen werde, und wenn ich dann das Gefühl haben sollte, es durchzuziehen, dann drehe ich mich einmal um und schaue sie an. So ist es dann auch passiert.

Warum?

Als ich am Montag aus dem Haus ging, habe ich noch überlegt, es vielleicht besser erst 2015 zu versuchen, weil doch alles ziemlich kurzfristig war. Aber wenn man da einmal mitschießt, ist das wie eine Droge. Man kann nicht aufhören. Man will ja immer irgendetwas runterholen. Und irgendwann habe ich dann gefühlt, dass es in dem Moment einfach passt. Und als es dann geklappt hat, war es umso schöner – obwohl ich gar nicht damit gerechnet hatte. Der Rest des Vogels hing am seidenen Faden, und ich hatte Glück, dass er runterfiel. Direkt vor mir war noch unser Präses Pfarrer Schulte dran, aber der hatte gut 30 Zentimeter daneben geschossen. Da habe ich ihm gesagt, dass der Schuss jetzt aber nicht gut war. Und er kneift mir nur ein Auge zu.

Was kam danach?

Das Gefühl, wenn alle auf einen zugestürmt kommen und gratulieren, kann man nicht beschreiben. Ich war zwar klatschnass vom Regen, aber das hat mir irgendwie nichts ausgemacht.

Wie sehen Sie rückblickend die Wochen und Monate nach dem Schützenfest?

Das war eine absolut tolle Zeit. Als Uniformierter in der 1. Kompanie hätte ich bis auf drei, vier Termine zwar auch alles mitgemacht, aber es ist etwas Besonderes und Schönes, mal an vorderster Front zu gehen. Alle kümmern sich um einen. Highlight war das Kreisschützenfest, wo ich aus Dummheit nicht den Vogel runtergeholt habe. Der Schießmeister hat zu mir gesagt: ‘Mein Balver Jung, das Ding hängt locker. Halt das Gewehr so weit es geht nach unten, mittig drunter, zieh sauber ab, und du bist Kreiskönig’. Und was mache ich: alles genau, wie er es gesagt hat, doch als ich abdrücke, gucke ich übers Gewehr weg. Ich habe nicht nachgehalten. Da fehlten nur Zentimeter. Tja, und wenige Schuss nach mir war das Ding dann runter. Aber es war toll, das mal mitgemacht zu haben.

Das klingt nach einer Empfehlung an alle, die mit dem Gedanken spielen, mal Schützenkönig zu werden?

Ja, unbedingt. Es gibt ja immer viele, die sagen, das kann ich mir nicht erlauben. Aber wenn man das im Vorfeld geplant hat und auch den richtigen Hofstaat dabei hat, ist es nicht so schlimm. Wir haben gesammelt, und es gab ja auch die 1000 Euro von dem anonymen Spender. Wir haben jetzt noch etwas in der Kasse. Und man lässt ja so oder so auf Schützenfesten Geld.

Hat Ihr Erfolg beim Vogelschießen die anschließende Hochzeit beeinflusst?

Die Zeit zwischen den beiden Sachen war schon ziemlich stressig. Da war ich jeden Tag von morgens bis spät abends unterwegs. Wenn ich ohne König zu sein geheiratet hätte, wäre irgendwie alles viel ruhiger zugegangen. Man wird ja nicht mehr mit Stefan angesprochen, sondern mit Hoheit und Majestät. Alles drehte sich um das Königspaar. Auch während der Taxifahrt am Morgen nach der Feier wurden wir nicht als Brautpaar, sondern als Königspaar angesprochen – und die Heimfahrt haben wir sogar geschenkt bekommen.