Weihnachten bei mehr als 40 Grad gefeiert

Jessica Pulter aus Balve hat Weihnachten in Namibia gefeiert.
Jessica Pulter aus Balve hat Weihnachten in Namibia gefeiert.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Weihnachten hat sie erstmals in ihrem Leben nicht zu Hause gefeiert, sondern im Ausland.

Balve/Omaruru..  Weihnachten hat sie erstmals in ihrem Leben nicht zu Hause gefeiert, sondern im Ausland. 8000 Kilometer Luftlinie entfernt von Balve. Sie wollte es so. In Namibia absolviert Jessica Pulter ihr Freiwilliges Soziales Jahr. „Ich muss gestehen, dass ich Angst hatte, um die Weihnachtszeit in ein großes Loch zu fallen“, berichtet die Balverin aus dem afrikanischen Land. Aber die Kinder im Waisenhaus „Omaruru Children’s Haven“ haben ihr die Angst genommen – und das Heimweh.

Natürlich vermisst sie Familie und Freunde und hätte Weihnachten gerne mit ihren Liebsten verbracht. „Aber in diesem Jahr bin ich halt ein Teil der großen ‚Children’s Haven‘-Familie“, sagt die 20-Jährige. Sie sei für die teils traumatisierten, teils missbrauchten, teils HIV-infizierten Kinder wie eine „große Schwester“. „In den anderen Freiwilligen sehe ich meine Geschwister, mit denen ich mal witzige, mal ernste Momente teile.“ Vor allem die Hausmutter hat es der Balverin angetan. „Sie erzählt mir viel über die Kultur in Namibia, zeigt mir, wie ich hier am besten Wäsche wasche, und sie nimmt mich mal in den Arm und fragt mich, wie mein Tag war.“ Geborgenheit 8000 Kilometer Luftlinie entfernt vom Wohnhaus.

Weihnachten in Namibia, das ist vom Wetter her und kulturell eine neue Erfahrung. In Deutschland würde sie eine dicke Winterjacke und feste Schuhe tragen, abends vor dem Kamin sitzen und eine heiße Schokolade trinken. Sie würde Plätzchen und Christstollen essen, die ihre Mama und Oma backen. „Normalerweise würde ich es genießen, abends durch das schön beleuchtete Balve zu laufen“, sagt Jessica Pulter. Jetzt ist sie mitten im Hochsommer, die Temperaturen in Omaruru schwanken zwischen 35 und 45 Grad. Sie sei überrascht, wie voll die Supermärkte mit „kitschiger Weihnachtsdekoration“ waren. Selbst die Straßenlaternen würden mit Lichterketten beleuchtet. „Aber man sieht hier keine Weihnachtsbäume oder Kerzen, sondern Löwen, Antilopen und Elefanten.“ Im Waisenhaus wurden Weihnachtslieder gesungen und Plätzchen gebacken. „Sogar ein Weihnachtsbusch steht geschmückt im Foyer.“

„Es ist total verrückt“

Die Freiwilligen haben einen kleinen Adventstisch in ihrem Zimmer stehen und selbst einen Adventskalender. Jessica Pulter findet das schön. „Es ist total verrückt, aber ich bin tatsächlich in Weihnachtsstimmung gekommen. Ich habe mir nicht vorstellen können, Weihnachten im Hochsommer zu verbringen. Allerdings habe ich gemerkt, wie unwichtig das Wetter ist.“

Entscheidend ist der Faktor Mensch. Arme, hilfsbedürftige Kinder, die froh sind, dass Jessica Pulter mit ihnen spielt, ihnen zuhört, für sie da ist. Sie danken es der Balverin mit einem Lächeln, mit Gesten, mit netten Worten. „Weihnachten beginnt in unseren Herzen“, sagt die 20-Jährige. „Die Zeit mit Menschen zu genießen, die man gern hat oder liebt – das ist Weihnachten.“ In Omaruru hat sie viele liebenswerte Menschen kennen gelernt.

Weihnachten hat in Namibia, in dem etwa 95 Prozent aller Einwohner Christen sind, eine hohe Bedeutung, erzählt Jessica Pulter. Am 24. Dezember seien die meisten in die Kirche gegangen. „Das eigentliche Fest hat aber mit dem 1. Weihnachtstag begonnen.“ Der 2. Weihnachtstag sei der Tag der Familie. Die ganze Verwandtschaft würde sich beim Familienältesten versammeln. „Das ist sehr wichtig, damit sich zum Beispiel auch Cousins und andere Familienmitglieder kennen lernen, und sich dadurch nicht inein­ander verlieben, wie mir erzählt wurde.“ Es gibt ein festliches Mahl, bei dem Fleisch eine große Rolle spielt. Traditionell wird in Namibia Orix (eine Antilopenart) und Springbock aufgetischt. „Wir haben gegrillten Orix mit Mealie Pap (Maisbrei – Anmerkung der Redaktion) gegessen“, berichtet Jessica Pulter und ergänzt: „In Namibia wird jetzt bis Silvester mit der Familie durchgefeiert.“

Wer spenden möchte:

Förderverein Omaruru Children’s Haven e.V.

Kreissparkasse Schwalm-Eder

IBAN: DE40520521541060028337

BIC: HELADEF1MEG

BLZ: 52054154