Warum sich die Füße für eine ungerechte Behandlung rächen

Referent Karl-Heinz Müller.
Referent Karl-Heinz Müller.
Foto: Steffie Friske

Balve..  „Seien Sie gut zu Ihren Füßen“ — unter diesem Motto referierte auf Einladung des Kneipp-Vereins Balve der Inhaber des Sanitätshauses Sittler über ein häufig vernachlässigtes Körperteil.

Jeder Fuß besteht aus 28 Knochen, 31 Gelenken und 107 Bändern. Er wird in High-Heels gepresst und muss beim Joggen den Läufer kilometerweit tragen. Manchmal „rächt“ sich der Fuß für seine ungerechte Behandlung. Und bildet Druckschwellen, Geschwüre oder reagiert mit einem Fersensporn. Wobei manche Fehlbildungen wie der Klump- oder Sichelfuß natürlich angeboren und nicht erworben sind.

„Man sollte nicht warten, bis die Beschwerden unerträglich werden. Je früher man Hilfe sucht, desto besser“, riet Karl-Heinz Müller. Er hatte auch einige Bilder im Gepäck, die auf eindrucksvolle Weise zeigten, welche Schäden durch langes Ignorieren von Problemen erwachsen können.

Passgenaue Fußeinlagen

Auch wenn die Betroffenen nicht selten noch in der Praxis darauf beharrten: „Der Schuh passt super.“ Mit Hilfe eines Fuß-Scans können inzwischen passgenau am Computer eigens für jeden Patienten Einlagen hergestellt werden. Ein Rezept allein reicht nicht, um die Probleme in den Griff zu kriegen: „Manche Mediziner untersuchen den Fuß nicht genau. Ein Arzt muss den Fuß in der Hand gehabt haben, um genaue Aussagen machen zu können“, sagte Karl-Heinz Müller. Dann bekommt man unter Umständen auch Probleme in den Griff, die man vorher gar nicht mit den Füßen in Verbindung gebracht hat: „Oft kommen Schmerzen, die Patienten an Hüfte oder Knie empfinden, in Wahrheit vom Fuß und seiner Umgebung her“, weiß der Experte, der dreimal in der Woche Sprechstunden im Gesundheits-Campus Sauerland anbietet.

Er lädt die Patienten ein, gern getragene Schuhe zur Sprechstunde mitzubringen: „Manche bringen einen ganzen Koffer voll. Wenn ich dann gucke, wo die Einlagen reinpassen, bleibt oft nicht viel über.“

Was viele nicht wissen: Mit dem Alter streckt sich der Fuß. Wer stolz darauf war, mit 20 Jahren in Schuhgröße 38 gepasst zu haben, darf darauf also nicht beharren. Karl-Heinz Müller empfiehlt eine einfache Übung, um die Fußgelenke beweglich zu halten: Dabei wird der Vorderfuß auf einer oberen Treppenstufe abgestellt und dann das Gewicht nach hinten verlagert. „Das probiere ich gleich mal aus“, freuten sich die Zuhörerinnen im Dach-Café.

Spontane Dehnübungen

Und so endete der Vortrag darin, dass ein Dutzend Frauen im Treppenhaus des Gesundheits-Campus standen und Dehnübungen machten. Eine Spontanität, über die sich Karl-Heinz Müller freute: „Sie werden nach acht bis zehn Tagen eine deutliche Verbesserung spüren, wenn Sie die Übung regelmäßig machen.“