Waisenkinder lernen Umgang mit Computern

Jessica Pulter
Jessica Pulter
Foto: WP

Balve/Omaruru..  Ein fast wolkenloser Himmel, täglich 25 bis 35 Grad Celsius und tiefblaues Meer: Klingt nach einem Urlaubsparadies. Als Jessica Pulter aus Balve aber im August 2014 in den Flieger nach Wind­hoek, der Hauptstadt Namibias, steigt, stehen keine Ferien an. Sie will ihr Freiwilliges Soziales Jahr im „Children’s Haven“ in Omaruru absolvieren. Für die teils traumatisierten, teils missbrauchten, teils HIV-infizierten Kinder ist sie mittlerweile wie „eine große Schwester“.

„Ich habe das Gefühl, die Zeit vergeht noch schneller als im Vorjahr“, berichtet die 20-Jährige 8000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt. Im Februar ist sie mit einem weiteren freiwilligen Helfer für ein Seminar nach Kapstadt (Südafrika) geflogen. „Es hat uns gut getan, einmal aus der gewohnten Umgebung ‘auszubrechen’, sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen und die Arbeit zu reflektieren“, sagt die ehemalige Schülersprecherin der Städtischen Realschule Balve, die ihr Abitur am Placida-Viel-Berufskolleg in Menden bestanden hat. Nun freue sie sich aber auch, wieder zurück in Namibia zu sein. Denn dort blühe die Natur auf.

Die Natur blüht auf

„Momentan ist es wirklich grün“, erzählt Jessica Pulter. „Glücklicherweise hat es einige Male sehr stark geregnet, so dass selbst unser ausgetrockneter Fluss Wasser führt. Wenn ich spazieren gehe, blicke ich in eine ganz veränderte Umgebung. Die Büsche und Sträucher blühen auf, Bäume tragen Blätter und es ragen lange Gräser aus dem Boden. Sogar Blumen sind zu sehen.“ Dazu gebe es sommerliche Temperaturen bis zu 35 Grad. „Immerhin: Nachts kühlt es sich etwas ab.“

Ihre Hauptaufgabe hat sich mit Beginn des Schuljahres im Januar verändert. Jessica Pulter und Co. konzentrieren sich nun auf die Kreativzeit am Nachmittag. „Da in unseren Gruppen Kinder im Alter von fünf bis 16 Jahren sind, war es nicht einfach, Aufgaben und Aktivitäten zu finden, die für alle Altersgruppen gleich interessant sind“, berichtet die weit gereiste Balverin. Ihre Idee: Handwerkliche Tätigkeiten im Werkstattcontainer anzubieten. Außerdem häkeln die Mädchen ab der 5. Klasse mit den Hausmüttern. Sie nähen, kochen und es gibt Hygienebelehrungen. „So wird versucht, die Kinder bestmöglich auf ihr Leben nach dem Waisenhaus vorzubereiten“, berichtet Pulter.

Auch im Umgang mit Computern werden die Kinder und Jugendlichen geschult. „Es ist total interessant zu erleben, wie Menschen in der heutigen Zeit Kenntnisse beigebracht werden, die für uns schon total selbstverständlich geworden sind“, sagt die Balverin. In den ersten Stunden ist den Kindern der Links- und Rechtsklick vermittelt worden, wie ein Ordner bestellt werden kann oder wann Groß- und Kleinschreibung angebracht ist. „Gerade für die Kinder, die schlecht lesen und schreiben können, ist das ein zusätzlicher Anreiz, sich zu verbessern.“ In den nächsten Wochen und Monaten wollen die Helfer lehren, wie man Suchmaschinen richtig benutzt, gezielte Informationen findet, wie man Facebook benutzt und welche Risiken es gibt.

Ostereier bemalt und gegrillt

Ostern in Namibia wird Jessica Pulter für immer in Erinnerung behalten. Auch in dem gläubigen, afrikanischen Land ist am Karfreitag kein Fleisch gegessen worden. Am Karsamstag wurden Eier bemalt, so dass jedes der Kinder am nächsten Morgen – völlig begeistert – ein Osterei essen konnte. Am Abend ist dann „gebraait“ (gegrillt) worden. „Wir haben am Feuer gesessen, gesungen, und die Hausmutter hat Geschichten erzählt“, berichtet die Balverin Jessica Pulter.