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St.-Marien-Hospital

Vorhang fällt nach letztem Akt der Hospital-Tragödie

12.02.2012 | 12:29 Uhr
Vorhang fällt nach letztem Akt der Hospital-Tragödie
Pressekonferenz zur Schließung des St.-Marien-Hospitals Balve am 11. Februar 2012. Von links: Personalleiterin Claudia Wiemann, Pflegedienstleiter Thomas Mende, CURA-Geschäftsführer Olaf Overmans, Vorsitzender des Verwaltungsrats, Klaus Christophery, Geschäftsführer der Katholischen Kliniken, Thomas Wülle. Foto: Stefan Scherer

Balve.Beim Theater um die Schließung des St.-Marien-Hospitals Balve verlief der letzte Akt, in dem die Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis Regie führten, am Samstagmorgen emotionslos. Dabei hatte der (Noch-)Träger alles aufgeboten, was Rang und Namen in seinem Hause hat, um vor Vertretern von Presse, Funk und Fernsehen das Drama zu beenden.

In der tristen Kulisse der geschlossenen Cafeteria nahmen der Verwaltungsratsvorsitzende Klaus Christophery, CURA-Geschäftsführer Olaf Overmans, Geschäftsführer Thomas Wülle, Pflegedirektor Reinhold Jacobs, Personalleiterin Claudia Wiemann, Pflegedienstleiter Thomas Mende, der Ärztliche Direktor Dr. Markus Berghoff, die Kaufmännische Direktorin Sabine Marton und Pressesprecher Christian Bers Platz. In den Hauptrollen: Klaus Christophery, der den offiziellen Abgesang verlas, und Olaf Overmans, der ihm zur Seite sprang. Eine kleine Sprechrolle bekam Thomas Wülle, der Rest hatte Statistenrollen.

Christophery, der sich seit Beginn der Krankenhauskrise zum ersten Mal öffentlich äußerte, war eloquent, Overmans angriffslustig. Sabine Marton lächelte in die Runde, einzig Wülle war sichtlich von den Vorkommnissen der vergangenen Wochen gezeichnet. Mit traurigen Augen blickte er in die Leere, bevor der letzte Vorhang für das Krankenhaus seiner Heimatstadt fiel.

Die Schließung sei nicht abwendbar gewesen, versicherte Christophery, vielmehr sei es der Hospitalvereinigung zu verdanken, dass das Krankenhaus so lange bestanden hätte. Der Zusammenschluss mit dem Iserlohner St.-Elisabeth-Hospital hätte es im Jahr 1999 überhaupt erst gerettet. „Bereits damals war klar, dass nur mit enormen Anstrengungen und Investitionen das St.-Marien-Hospital zukunfts- und wettbewerbsfähig gewappnet werden könnte“, sagte der Iserlohner. Er führte die Maßnahmen an, die allesamt nicht zum Erfolg führten.

Dabei machten die Protagonisten externe Bedingungen für das Aus verantwortlich: das Entgeltsystem und fehlende Patienten. Olaf Overmans: „Selbst bei den deutlich gesteigerten Patientenzahlen der vergangenen Monaten ist ein wirtschaftliches Betrieben nicht möglich. Wir bräuchten 60 Prozent mehr Patienten. So viele Menschen leben hier nicht.“ Klaus Christophery ergänzte: „Diverse Zukunftsszenarien wurden besprochen – sowohl intern als auch durch die Unternehmensberatung Admed. Keines zeigte jedoch eine Chance für die Fortführung des St.-Marien-Hospitals unter wirtschaftlich akzeptablen Bedingungen.“

Auf Nachfrage der WP versicherten Christophery, Overmans und Wülle, dass sie es für ausgeschlossen halten, dass ein anderer Träger das Balver Krankenhaus mit einer ausgeglichenen Bilanz führen könnte. Dennoch wollen sie abwarten, ob es dem Kirchenvorstand von St. Blasius gelingt, einen Interessenten für den Standort zu finden, bevor sie sich damit beschäftigen, was mit dem Gebäude und dem Inventar passiert. Olaf Overmans hatte bereits vor einigen Wochen während einer Verwaltungsratssitzung den Abriss angeregt.

Zunächst planen die Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis folgende Vorgehensweise: Zum 31. März wird die Chirurgie geschlossen, der restliche Krankenhausbetrieb spätestens zum 30. Juni eingestellt. „Unverändert bleibt aber in den kommenden Wochen die Versorgung der Patienten im St.-Marien-Hospital gewährleistet. Alle geplanten Behandlungen sowie die Notfallversorgung finden uneingeschränkt statt“, versicherte Christophery, der betonte, dass das Balver Defizit eine Bedrohung für das Gesamtunternehmen darstellte.

Zur Zukunft des Klinikverbunds, der auf die Standorte Iserlohn und Menden schrumpft, hielten sich die Verantwortlichen jedoch bedeckt. Olaf Overmans sagte zur Gynäkologie in Menden nur: „Um diese wirtschaftlich zu betreiben, sind 800 Geburten im Jahr notwendig.“ Eine Zahl von der das St.-Vincenz-Krankenhaus weit entfernt ist.

So endet die letzte Vorstellung der Tragödie vom St.-Marien-Hospital durch das Ensemble der Katholischen Kliniken im Märkischen Kreis. Ob und wie dieses hinter der Bühne die eigene Leistung beurteilt, bleibt dem Zuschauer jedoch vorenthalten.

Stefan Scherer

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Kommentare
16.02.2012
14:19
Vorhang fällt nach letztem Akt der Hospital-Tragödie
von HARO | #2

Ich frage mich, warum nicht das Krankenhaus in Iserlohn geschlossen wurde. Dann wäre die Gesundheitsversorgung besser auf die ländlichen Gebiete verteilt worden. Stattdessen ist "Menden" auch ein Wackelkandidat das ggf bald die Tore schließen muss.

In Iserlohn bestehen 2 Kliniken und mit 1 Krankenhaus wäre man dort auch ausgekommen. Oder ist es den Iserlohnen nicht zuzumuten, nach Menden oder Balve in s zu gehen? Den Balvern und Mendener als Menschen 2.Klasse sicherlich.

12.02.2012
23:43
Vorhang fällt nach letztem Akt der Hospital-Tragödie
von Der_Wurzelpacker | #1

........„Um diese wirtschaftlich zu betreiben, sind 800 Geburten im Jahr notwendig.“ Eine Zahl von der das St.-Vincenz-Krankenhaus weit entfernt ist."..........

Dann also bald: "Goodbye St.-Vincenz-Krankenhaus".
Das ist doch echt traurig, was da für ein abgekartetes Spiel läuft, hauptsache die Betreiber machen sich die Taschen dick.

1 Antwort
Vorhang fällt nach letztem Akt der Hospital-Tragödie
von LordEx | #1-1

Wenn gesagt wird, dass 800 Geburten notwendig sind um die Abteilung wirtschaftlich zu betreiben bedeutet das doch noch lange nicht, dass das Krankenhaus in Menden geschlossen wird. Ich bin mir sicher, dass es auch wirtschaftlich arbeitende Abteilungen in Menden geben wird.
Ihre Aussage, dass sich die Betreiber "die Taschen dick machen" ist so auch absolut unberechtigt. Erstens handelt es sich um die Rechtsform einer gemeinnützigen GmbH was bedeutet, dass keine Ausschüttungen an die Gesellschafter möglich sind, sondern das gesamte Kapital im Unternehmen bleiben muss. Zweitens dürfte es durch die aufgelaufenen Verluste notwendig sein, eine Eigenkapitalerhöhung durchzuführen (sofern die in der Presse veröffentlichten Zahlen stimmen). Das bedeutet, dass Geld eingebracht werden muss.

Nur weil es sich um eine katholische Klinik handelt, bedeutet das nicht, dass alle wirtschaftlichen Gesetzmäßigkeiten ausser Kraft gesetzt sind.

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