Verpasste Chance für gelebte Integration

Özkan Güler.
Özkan Güler.
Foto: WP

Balve..  Etwas geschockt sind sie immer noch, und irritiert, und verärgert, manchmal sogar ein wenig traurig. Als der Rat der Stadt Balve vor rund drei Wochen den Antrag ablehnte, einen Vertreter der Türkisch-Islamischen Gemeinde Balve als ständiges Mitglied mit beratender Funktion in den Ausschuss Schule, Soziales, Kultur und Sport aufzunehmen, sei eine große Chance nicht genutzt worden, sagen Vorstandsmitglied Özkan Güler und Sozialdemokrat Yalcin Geyhan.

„Das Ergebnis der Abstimmung hat uns überrascht, denn in Vorgesprächen ist unserer Gemeinde durchaus signalisiert worden, dass wir einen solchen Platz bekommen können. Wir haben die Entscheidung dagegen mit Bedauern aufgenommen und es hat sogar weh getan“, erklärt Yalcin Geyhan.

Existenzielle Bedeutung

Der Jurist und ehrenamtliche Berater des DITIB kann die Entscheidung der Politik nicht nachvollziehen: „Aus unserer Sicht ist es für die Integration der Muslime in Balve von existenzieller Bedeutung, dass unsere Gemeinde dort vertreten ist. Die DITIB ist ein Dachverband mit über 930 Vereinen und 1 Million Mitgliedern in ganz Deutschland. Somit hat die DITIB von den Islamischen Verbänden mit Abstand die meisten Mitglieder.“

Für alle Muslime

Auch Özkan Güler kann es nicht verstehen und erklärt: „Die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Balve besteht seit 1997 und fungiert als Sammelbecken und Anlaufstelle für alle Muslime. Wir sind aktiv im Kampf gegen Fundamentalismus, und leisten unseren Beitrag zu einer erfolgreichen Integration durch unsere jährlichen Kermese und unsere Fastenbrechen, wo alle, egal welcher Konfession sie angehören, herzlich willkommen sind. Des Weiteren ermuntern wir auch unsere Mitglieder, deutsche Staatsbürger zu werden und mitzumischen in der deutschen Politik oder auch in ehrenamtlichen Tätigkeiten.“

Vor diesem Hintergrund widersprechen Güler und Geyhan Bürgermeister Hubertus Mühling und dem CDU-Fraktions-Vorsitzenden Johannes Schulte: „Unsere Gemeinde wäre legitimiert für die Vertretung der Muslime, da sie die größte in Balve ist und nicht nur die türkischen Mitglieder umfasst, sondern alle Muslime mit einschließt.“

Religiöse Gemeinschaft

Auch eine Aussage von Heinrich Stüeken (UWG) hat die Türkisch-Islamische Gemeinde sehr verwundert: „Dass man, wenn man uns in den Ausschuss aufnehme, man auch jeden anderen Verein aufnehme solle, können wir nicht nachvollziehen. Hier sollte man beachten, dass wir eine religiöse Gemeinde sind, während es sich bei dem Musik- oder Festspielverein um kulturelle Vereine handelt. Hier diese beiden zu vergleichen, erscheint uns sehr verwunderlich, um nicht zu sagen, fehl am Platze.“ Die Idee von Heinrich Stüeken, eine Partnerschaft mit einer türkischen Stadt zu beginnen, finden Güler und Geyhan hingegen sehr gut und würden mit Rat und Hilfe zur Seite stehen.

Ausdrücklich von ihrer Politikerschelte ausschließen will der Balver DITIB die SPD. „Wir sind parteineutral, aber bei der SPD und hier in der Person Cay Schmidt möchten wir uns ganz besonders bedanken, dass er sich für unser Anliegen eingesetzt hat“, so Özkan Güler. Er verspricht, dass die Türkisch-Islamische Gemeinde zu Balve sich auch in Zukunft weiter stark für eine gelungene Integration bemühen werde, jedoch wünsche er sich, dass dies beidseitig erfolge.

Deutliche Worte

„Wasser zu predigen und dann Wein zu trinken, halten wir nicht für förderlich“, findet Özkan Güler deutliche Worte. „Im Sinne eines erfolgreichen Zusammenlebens sehen wir es als unerlässlich an, dass in naher Zukunft ein muslimischer Vertreter einen Platz im Ausschuss erhalten sollte.“