Verley: „Das Jobcenter macht uns obdachlos“

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Was wir bereits wissen
Edgar Verley (43) aus Garbeck klagt, weil die Behörde einen Großteil der Umbaukosten nicht übernehmen will. Er ist zu 100 Prozent gehbehindert.

Garbeck..  Weil er vor einigen Wochen einen Herzinfarkt erlitt, haben seine Ärzte ihm dringend geraten, größere Aufregungen zu vermeiden. Doch diesen Ratschlag kann Edgar Verley kaum befolgen. Der 43-Jährige ist zu 100 Prozent gehbehindert und hatte schon häufiger Meinungsverschiedenheiten mit Ämtern und Behörden. Doch was er in diesen Wochen erlebt, kann er kaum glauben. In Worte fasst er es trotzdem. „Das Jobcenter macht uns obdachlos“, lautet sein Vorwurf.

Hintergrund dieser ungeheuerlichen Anklage ist der bevorstehende Wohnungswechsel des Ehepaars Verley. Edgar Verley leidet an Skelettdysplasie. Bei dieser angeborenen Störung des Knochen- und Knorpelgewebes verliert der Erkrankte seine Fähigkeit, sich normal fortzubewegen. Ohne Rollstuhl kann der Garbecker nicht mehr aus dem Haus. Seine Wohnung im dritten Obergeschoss eines Gebäudes ohne Fahrstuhl wird mehr und mehr zum Gefängnis. „Ich rutsche auf dem Hosenboden die Treppe runter. Das ist Flurputzen mit dem Allerwertesten“, sagt der 43-Jährige.

Behindertengerecht, oder nicht?

Weil auch seine Frau Monika körperlich eingeschränkt ist, freuten sich die beiden riesig, als sie vor ein paar Monaten endlich eine Erdgeschoss-Wohnung in der Balver Innenstadt für sich fanden. Lediglich das Badezimmer war zu diesem Zeitpunkt noch nicht barrierefrei – ein entsprechender Umbau jedoch technisch kein Problem.

Wohnung gekündigt

„Nachdem wir die Zusage vom Jobcenter hatten, haben wir unsere jetzige Wohnung gekündigt. Und zwar zum 31. Juli“, erzählt Edgar Verley. Was er damals als Datum zur Erfüllung vieler Träume im Kalender notiert hat, wird nun mehr und mehr zum Horror-Termin. Denn das Badezimmer in der neuen Wohnung ist eine Großbaustelle – nur gearbeitet wird dort nicht mehr. „Über 7000 Euro Umbaukosten hängen in der Luft“, so Verley. „Ohne das Geld macht der Fliesenleger nicht weiter – und wir bekommen kein Badezimmer.“

Schuld am Baustopp hat nach Ansicht des 43-Jährigen allein das Jobcenter in Menden. Dem sei sowohl vom Vermieter als auch vom Edgar Verley persönlich vor Abschluss des Mietvertrages mitgeteilt worden, dass das Badezimmer noch behindertengerecht umgebaut werden müsse. Nun jedoch lehne das Jobcenter den Kostenvoranschlag des Fliesenlegers über 6430 Euro ab. „Das ist angeblich billiger zu bekommen, sagt das Jobcenter. Dabei haben wir den Preis schon um 3000 Euro gedrückt“, klagt Edgar Verley verbittert.

Inzwischen habe er beim Sozialgericht in Dortmund einen Eilantrag auf Rechtsschutz gestellt, um das Jobcenter zur Zahlung der Fliesenlegerarbeiten zu verpflichten, sagt der Garbecker. Gemeinsam mit seiner Frau Monika hofft er auf eine schnelle Entscheidung. „Das Badezimmer muss doch fertig werden. Ohne sanitäre Anlagen können wir dort unmöglich einziehen. Und zum 31. Juli müssen wir aus unserer jetzigen Wohnung raus“, sagt Edgar Verley. „Wenn das Jobcenter nicht zahlt, sind wir obdachlos.“

Freunde werden die Arbeitsvermittlungsbehörde in Menden und das Ehepaar aus Garbeck wohl nicht mehr, aber die Verleys hoffen inständig, dass ihnen zustehende Leistungen anstandslos gezahlt werden. Weil dies seiner Meinung nach schon zu oft nicht der Fall war, findet Edgar Verley deutliche Worte: „Meiner Meinung nach ist so ein Verhalten verachtend gegenüber Menschen mit Behinderung.“