Tasse Kaffee kostet einen Balver 1200 Euro

Das Gericht erließ einen Strafbefehl über 1200 Euro.
Das Gericht erließ einen Strafbefehl über 1200 Euro.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Ein 27-Jähriger hat einem 17-Jährigen eine heiße Tasse Kaffee ins Gesicht geschüttet. Das Gericht verurteilte ihn in Abwesenheit zu einer Geldstrafe.

Balve.. Nach durchzechter Nacht bestellte sich ein 27-jähriger Balver im City-Café einen Kaffee. Anstatt ihn selbst zu trinken, schüttete er ihn einem Gast, der mit seinem Freund gerade frühstückte, ins Gesicht. Gestern morgen bekam er in Abwesenheit vom Amtsgericht Menden die Quittung für sein Fehlverhalten präsentiert. Richter Martin Jung stellte dem Balver einen Strafbefehl in Höhe von 1200 Euro aus.

Der nicht einschlägig vorbestrafte 27 Jahre alte Hönnestädter war angeklagt, am 23. November 2014 in der Bäckereifiliale Grote (Hauptstraße) gegen 5.50 Uhr einen Kaffee – der ihm gerade frisch und heiß ausgeschenkt worden war – einem zur Tatzeit 17 Jahre alten Balver vorsätzlich ins Gesicht geschüttet zu haben, um diesem Schmerzen zuzufügen.

Arm und Bein gebrochen?

In einer kurz darauf durchgeführten Zeugenvernehmung erklärte der Angeklagte, er sei davon ausgegangen, dass der 17-Jährige ihn an dem Morgen überfallen habe, beziehungsweise bei einem Raub oder dem Täter geholfen habe, die Beute zu sichern. Er – der Angeklagte – sei betrunken gewesen. „Ich habe dem Mann den Kaffee nicht absichtlich ins Gesicht geschüttet“, ließ der Angeklagte gegenüber der Polizei verlauten.

Das sehen der Geschädigte und auch die Zeugen allerdings wesentlich anders. Nach Angabe von Adelgunde Buchgeister, Leiterin des City-Cafés, ist der 27-Jährige an dem besagten Morgen in die Bäckereifiliale gekommen und hat sie wissen lassen: „Ich habe mir den Arm und das Bein gebrochen. Rufen Sie einen Krankenwagen.“ Da der nach ihrer Wahrnehmung sehr stark angetrunkene Mann jedoch lediglich Schürfwunden an Kopf und Arm aufwies, allem Anschein nach von einem Sturz, ließ sie ihn wissen: „Ich glaube, es reicht ein Taxi.“

Keine gefährliche Körperverletzung

Noch während sie beruhigend auf den 27-Jährigen einredete, bestellte dieser einen Kaffee. Und anstatt ihn zu trinken, schüttete er das heiße Getränk dem jungen Balver ins Gesicht, weil er der Meinung war, er habe ihm, wie er sagte, „die Beine gebrochen“. Als der 17-Jährige nach der Attacke klagte: „Meine Augen, meine Augen“, kühlte Adelgunde Buchgeister sie sofort mit kaltem Wasser. „Der Kaffee war kochend heiß“, so die Filialleiterin. Dennoch sah Richter Martin Jung keine gefährliche Körperverletzung, die er mit einer Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr hätte ahnden können.

„Weil heißer Kaffee ein gefährliches Werkzeug sein kann“, so der Richter, plädierte er für einen Strafbefehl in Richtung Staatsanwältin, die nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft Arnsberg diesen Weg mit ging. Auch, um den Geschädigten und die Zeugen nicht noch einmal in das Amtsgericht Menden einzuladen.

„Da der Geschädigte keine dauerhaften Verletzungen davongetragen hat und somit eine langfristige Nachbehandlung nicht erforderlich ist, wäre das Ergebnis eines neuerlichen Verhandlungstermins nicht anders als heute. Denn es handelt sich nicht um eine schwere Straftat“, erklärte Martin Jung den Zeugen und Zuhörern.

Angeklagter erscheint nicht

Von den Ausführungen des Richters bekam der Angeklagte nichts mit. Denn er war trotz Ladung nicht zur Verhandlung erschienen. Nachdem Richter Martin Jung eine Weile gewartet und den 27-jährigen Balver auch über dessen Handy nicht erreichte, wollte er eigentlich die Bezirksbeamten in Bewegung setzen. „Ich rufe die Polizei in Balve an, um ihn hier vorzuführen“, so der Richter.

Weil er sich allerdings mit der Anklage auf schwere Körperverletzung nicht anfreunden konnte, ließ er von seinem Vorhaben ab und stellte stattdessen dem Angeklagten gestern Morgen die teuerste Tasse Kaffee, die er jemals in der Hand hielt, in Rechnung.