„Stell dich auf einen extremen Kulturschock ein“

Niklas Drüeke, Realschule Balve
Niklas Drüeke, Realschule Balve
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Noch 25 Tage. Dann startet Niklas Drüeke, 15 Jahre, in das bislang größte Abenteuer seines Lebens.

Balve..  Ein Jahr lang wird er mehr als 9200 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat entfernt leben – genau gesagt in Chiba, Japan.

„Das wird bestimmt ein Kulturschock“, sagt Niklas Drüeke und lacht. Er hat es nicht anders gewollt. Auf der Internetseite der Organisation „YFU“ macht er sich vor einem Jahr über Schüleraustausche schlau. Aus der „Blitzidee“ wird schnell mehr: Bald ist die Bewerbung geschrieben, dann folgt ein Vorstellungsgespräch in Münster, „bei dem ich mich scheinbar ganz gut verkauft habe“. Denn im September 2015 flattert die Zusage ins Haus. Unterlagen der japanischen Gastfamilie werden zugeschickt, dann erfolgt – über Skype – die erste Kontaktaufnahme nach Asien. Am 21. März startet der Flieger von Düsseldorf aus, in Wien steigen 30 weitere Schüler zu und ab geht es für Niklas Drüeke und die anderen in die japanische Hauptstadt Tokio.

Freunde reagieren unterschiedlich

Japan, der ostasiatische Staat mit mehr als 126 Millionen Menschen, hat Drüeke schon lange fasziniert. Natürlich auch wegen der Manga-Comics, vor allem aber auf Grund des „riesigen Kulturunterschieds“ im Vergleich zu Deutschland. „Bei einer Vorbereitungstagung mit ehemaligen Austauschschülern wurde mir gesagt: ‘Stell dich auf einen ex­tremen Kulturschock ein’. Ich finde das spannend, bin super aufgeregt“, sagt der 15-Jährige aus Küntrop, der die 9. Klasse der Realschule Balve besucht. Er ist der erste Balver Realschüler, der ein Austauschjahr in Japan einlegt. Seine Freunde haben unterschiedlich auf sein „exotisches Vorhaben“ reagiert: manche haben abgewunken, andere haben sich für ihn gefreut oder ihn um die Reise beneidet. Wobei der Schulalltag in Japan weitergehen wird.

Denn Niklas Drüeke wird die „Sakura Highschool“ besuchen und wochentags von 8 bis 16.30 Uhr pauken – englisch und auch japanisch. „Erste japanische Wörter und ganz kurze Sätze habe ich bereits gelernt“, erzählt der Realschüler, der sich durchaus vorstellen kann, später einmal Japanologie zu studieren. Die Umstellung wird dennoch gewaltig sein. Die Differenz zur Mitteleuropäischen Zeit beträgt acht Stunden (vor), die japanische Küche ist außergewöhnlich und das Bildungssystem streng. „Dort wird Höchstleistung gefordert“, sagt Realschulrektorin Nina Fröhling, die das Austauschprogramm unterstützt. „Wir stehen dem offen gegenüber.“

Niklas Drüeke war im vergangenen Jahr in der Realschule Balve mit einer Urkunde ausgezeichnet worden, weil er sich notentechnisch am meisten verbessert hatte. Verbessern müssen wird sich auch sein Japanisch und Englisch. „Ich bin froh, dass meine Gastmutter Englischlehrerin ist. Das hilft für den Anfang schon mal weiter“, sagt Niklas Drüeke, der zwei Gastgeschwister in Chiba hat: ein 15-jähriges Mädchen und ein 13-jähriger Junge. Im Sommer wird auch die Familie Drüeke in Küntrop einen Gastschüler aufnehmen. „Der muss nicht zwangsläufig aus Japan kommen, wird wahrscheinlich aber aus Asien sein“, erzählt Niklas. Denn: In Deutschland beginnt das neue Schuljahr nach den Sommerferien, in Japan dagegen bereits im Frühjahr.

Eigener Blog über Reise

Wie seine Eltern auf den ungewöhnlichen Austausch nach Japan reagiert haben? „Am Anfang dachten sie bestimmt, das sei nur eine Schnapsidee. Aber als dann die Bewerbung raus war und sich der ganze bürokratische Teil anschloss, haben sie gemerkt: Das wird ernst. Schön, dass sie mich so unterstützen“, sagt Niklas Drüeke. Sollte er gar nicht mit der Gastfamilie in Chiba klarkommen, kann der 15-Jährige einen Antrag stellen, um die Familie zu wechseln. „Aber ich will das Jahr durchziehen und vielleicht auch einen eigenen Blog erstellen.“