Stadt will Naturraum Balver Wald retten

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Was wir bereits wissen
Interview mit Bürgermeister Hubertus Mühling:

Balve..  Die Energiewende ist nicht nur in Berlin und Düsseldorf ein großes Thema, auch das Sauerland soll seinen Beitrag dazu leisten, in Zukunft weniger fossile Brennstoffe verheizen zu müssen und auf Kernkraft völlig verzichten zu können. Im Interview erläutert Balves Bürgermeister Hubertus Mühling, welche Probleme sich daraus für eine kommunale Verwaltung ergeben – und wie die Balver damit umgehen.

Frage: Der Regionalrat hat einen neuen Entwurf für den Regionalplan Windenergie beschlossen. Was kommt da auf Balve zu?

Hubertus Mühling: Dieser Regionalplan sieht mehr Windenergiebereiche vor, als wir bisher erarbeitet haben. Es existiert zwar eine relativ hohe Deckungsgleichheit, aber es gibt auch Bereiche im Planentwurf, die von uns anders bewertet werden.

Wie kann das passieren?

Weil wir weiter unseren Beitrag leisten wollen, haben wir im vergangenen Jahr unser eigenes Konzept für die Suche nach Potenzialflächen für Windräder aufgestellt. Wir wollen uns auf fünf Flächen konzentrieren, die besonders geeignet erscheinen. Aber aktuell steht die Ampel auf rot, weil das Oberverwaltungsgericht Düsseldorf den Winderlass des Landes als nicht ganz korrekt ansieht. Da muss nun nachgebessert werden. In dem Schwebezustand sind wir mit unseren Planungen im Moment. Aber jetzt ist der Regionalplan in seiner konkreten Form auf dem Tisch, und wir müssen uns mit diesem Schätzchen auseinandersetzen. Der Regionalplan als übergeordnete Planungsebene beinhaltet Vorgaben. Und wenn die Vorgaben jetzt schon offensichtlich nicht deckungsgleich mit unseren eigenen Planungen sind, dann müssen wir das erst einmal übereinander bringen – Schnittmengen bilden. Bevor wir als Stadt Balve mit unseren Planungen ins formelle Verfahren gehen, wollen wir alles abgeklopft haben. Deswegen sind wir noch nicht im formellen Verfahren. Anders als die Stadt Sundern. Die hat das kalt erwischt. Die sind schon im Flächennutzungsplan-Änderungsverfahren.

Was bedeutet das konkret?

Wir wollen mit unserer Stellungnahme zum Regionalplan-Entwurf die beiden Planungsebenen deckungsgleich bekommen. Besonders im Bereich Balver Wald weist deren Plan mehr Flächen aus als wir bisher hatten. Es geht vornehmlich um fast den gesamten Höhenzug des Balver Waldes. Das ist der größte zusammenhängende unzerschnittene Naturraum, den wir haben. Das wurde im Regionalplan nicht berücksichtigt. Wir haben da erhebliche Bedenken. Jetzt müssen wir mal die Antwort aus Arnsberg abwarten.

Wie stehen Sie persönlich zu Windenergieanlagen? Segensreiche Erfindung zur Erzeugung sauberer Energie oder Verschandelung der schönen Landschaft?

Segensreich ist Windkraft bestimmt, weil sie dezentrale Stromerzeugung ermöglicht. Aber es darf nicht zu einer massiven Zerstörung des Landschaftsbildes kommen. Alles mit Augenmaß.

Was kann die Stadt Balve tun, um Windenergie nach vorne zu bringen?

Wir fördern ja schon und haben dem Wind in unserem Stadtgebiet Raum gegeben. Und wir wollen weitere Zonen ausweisen, um unseren Beitrag zur Energiewende zu leisten. Es können ja nicht alle rufen, Atomkraftwerke abschalten und Kohlekraftwerke auch – aber bloß kein Windrad vor meiner Haustür, und eine Hochspannungsleitung auch nicht.

Stehen Investoren oder mögliche Betreiber für Windkraftanlagen bei Ihnen Schlange?

Die haben massiv angeklopft. Es ist aber ruhiger geworden. Aus zwei Gründen: Wir leiten gerade Planverfahren ein, damit eine geordnete Entwicklung kommt. Und der wirtschaftliche Anreiz ist weg. Die Einspeisevergütung ist massiv gesenkt oder fast völlig vom Markt genommen worden. Was meiner persönlichen Meinung nach richtig ist. Wir haben uns jahrzehntelang über den Kohlepfennig geärgert, aber das waren Pfennigbeträge. Schauen Sie mal heute auf Ihre Stromrechnung. Wir subventionieren Windstrom und Solaranlagen erheblich. Die Politik hat massiv in den Markt eingegriffen und hat Lasten geschaffen, da ist der Kohlepfennig nichts gegen.

Fühlen Sie sich bei all diesen Planungen von den überordneten Stellen genügend unterstützt?

Sagen wir mal, das Zusammenspiel dürfte durchaus partnerschaflicher sein.

Regenerative Energie zu erzeugen, ist die eine gute Sache, was aber tut die Stadt Balve, um Energie zu sparen?

Wir haben Straßenlaternen schon vor über 15 Jahren auf Energiesparleuchten umgestellt – und stellen jetzt nach und nach auf LED um. Es gibt Bewegungsmelder in den Toilettenanlagen der Schulen. Fast sämtliche Gebäude haben inzwischen Wärmeverbundsysteme. Und wir arbeiten viel mit Blockheizkraftwerken. Auch das Rathaus bekommt im nächsten Jahr ein BHKW. Das Rathaus ist auf die Quadratmeter bezogen der größte Energieverbraucher der Stadt. Bei den steigenden Strompreisen hat sich das BHKW nach fünf Jahren gerechnet.