Stadt Balve kassiert den Pflegedienst ab

In der Straße Unterm Leisenberg verhindert dieser PKW-Stellplatz das Durchkommen für die Müllabfuhr.
In der Straße Unterm Leisenberg verhindert dieser PKW-Stellplatz das Durchkommen für die Müllabfuhr.
Foto: Richard Elmerhaus
Was wir bereits wissen
Die Beschilderung in weiten Teilen von Balve-Süd sorgt für riesigen Ärger in der Bevölkerung.

Balve..  „Was hier gemacht worden ist, das können wir nicht nachvollziehen. Dass wir nicht einmal mehr Besuch empfangen können, weil es keine Stellplätze für unsere Verwandten oder Bekannten gibt, ist eine bodenlose Frechheit“, klagen die Anwohner im Gespräch mit unserer Zeitung.

Eine Bürgerin aus Balve-Süd ist geradezu entsetzt über das Verhalten der städtischen Politesse, die nur wenige Meter von ihr entfernt wohnt. „Ich habe eine betagte, demenzkranke Schwiegermutter, die von einem Pflegedienst betreut wird. Als sich jetzt eine Mitarbeiterin des Unternehmens um die kranke Frau kümmerte, hatte die Politesse nichts anderes zu tun, als ihr ein Knöllchen zu verpassen. Denn weil keine gekennzeichnete Parkfläche zur Verfügung stand, hat die Krankenpflegerin ihr Auto ganz rechts geparkt und niemanden behindert. Dennoch dieses Ergebnis: Neben 15 Euro, die sie an die Stadtkasse überweisen musste, ist auch noch der Pflegedienst Moby Doc vom Ordnungsamt der Stadt Balve angeschrieben worden“, erzählte die sichtlich erboste Anliegerin.

Ihr und auch anderen Bürgerinnen und Bürgern aus Balve-Süd ist nicht bekannt, dass es in diesem Stadtteil in den vergangenen 40 Jahren zu Behinderungen des Rettungsdienstes durch parkende Fahrzeuge gekommen ist. Dies gilt allem Anschein nach auch für die Rettungswache des Märkischen Kreises, die vor der neuen Beschilderung von Balve-Süd vom Ordnungsamt der Stadt Balve nicht einmal kontaktiert worden ist. Vielmehr war es so, dass die Chefin des Ordnungsamtes, Christiane Schärfke, Polizei und Straßenverkehrsamt des Märkischen Kreises, ohne Beteiligung der Balver Rettungssanitäter und der Bewohner aus Balve-Süd, der Meinung waren, hier aktiv zu werden, um dem Rettungsdienst Gutes zu tun.

Gegenteil erreicht

Dass die Ordnungsamtsleiterin allerdings genau das Gegenteil von dem erreicht hat, was eigentlich Sinn der Sache war, nämlich eine Verkehrsstruktur zu schaffen, die allen Seiten gerecht wird, sorgt für gewaltigen Unmut. Ein Beispiel dafür ist die Abfallbeseitigung in der Straße Unterm Leisenberg. „Hier ist es nicht mehr möglich für die Firma Lobbe, die Abfalltonnen aus dem hinteren Bereich der Straße abzuholen, weil ein Fahrzeug die Straße derart verengt, dass Lobbe mit seinem 3-Achser nicht an ihm vorbeikommt“, sagt Jochen Giese.

Jahrelang hat der Anlieger einen schweren LKW der Firma Kruse gefahren und sich sofort zu Wort gemeldet, als jene Parkbucht markiert wurde, die heute Ursache für die Straßenverengung ist. „Auf meinen Einwand hin, hat man mich wissen lassen: Die Parkbucht kommt dahin, denn sie befindet sich in der Schlepplinie. Ich weiß zwar nicht, was damit gemeint ist, aber ich habe gleich gesagt, durch diesen Parkplatz kommt weder ein Müllfahrzeug noch die Feuerwehr zum Ziel. Denn die Straßenbreite reicht beispielsweise für den Drehleiterwagen der Feuerwehr nicht aus, wenn das Holzhaus in diesem Bereich brennen sollte“, sagt Jochen Giese und schüttelt ob der Vorgehensweise des Ordnungsamtes der Stadt Balve mit dem Kopf.

„Was hier gemacht worden ist, das ist der größte Schwachsinn. Wenn die Parkbucht auf der anderen Seite eingezeichnet worden wäre, hätten wir dieses Problem nicht, aber mit denen konnte man nicht reden.“ Diese Wahrnehmung von Jochen Giese bestätigt eine Anliegerin, die sich auf Grund einer fehlenden Stellfläche an die Politesse gewandt hatte: „Es ist Ihr Pech, dass Sie zwei Autos haben“, ließ die städtische Mitarbeiterin die Frau mit ihrem Wunsch nach einem zusätzlichen Stellplatz in der Straße abblitzen und verteilte stattdessen Knöllchen.

Entsorgung eingestellt

Nachdem die neue Beschilderung scharfe Proteste in der Bevölkerung ausgelöst hat, wird sich die Stadtverwaltung am heutigen Tage mit der aktuellen Situation beschäftigen. Dann wird es beispielsweise auch um die Straße Unterm Leisenberg gehen, die durch die Parkbucht derart verengt wurde, dass die Firma Lobbe die Entsorgung eingestellt hat.