St.-Marien-Hospital stellt Notbetten auf
19.02.2010 | 10:28 Uhr 2010-02-19T10:28:00+0100Balve. Weil immer mehr Menschen auf glatten Wegen den Halt verlieren und zahlreiche Wintersportler stürzen, haben Ärzte und Pflegekräfte derzeit alle Hände voll zu tun.
Dies gilt auch für das St.-Marien-Hospital Balve, das sich über mangelnden Zulauf nicht beklagen kann. Die im Dezember 2009 vom Krankenhaus-Geschäftsführer Thomas Wülle geforderte Steigerung der Fallzahlen in der Chirurgischen Abteilung ist aber nicht nur auf die vermehrten Knochenbrüche zurückzuführen. Vielmehr scheint es so zu sein, dass sich das Klinkenputzen von Dr. Bernhard Genzel schon jetzt positiv auf die Belegung des St.-Marien-Hospitals Balve auswirkt. Wenige Stunden vor Einweihung der neuen Endoskopie-Abteilung (heute) sprach diese Zeitung mit dem Chefarzt des Balver Krankenhauses, und zwar zwischen den Operationen und einer Teambesprechung.
Westfalenpost: Wie ist die derzeitige Situation im St.-Marien-Hospital?
Dr. Genzel: Unser Krankenhaus ist so voll, dass wir Notbetten aufgestellt haben. Bei uns wird derzeit fast pausenlos operiert, aber dennoch halten wir die Sprechstunden in der Ambulanz aufrecht. Dabei wechsele ich mich mit meinem Kollegen Hartmut Müller ab.
Frage: Wie stark ist die Belastung des Personals in diesem strengen und unfallträchtigen Winter?
Dr. Genzel: Unsere Schwestern, das Pflegepersonal und auch wir Ärzte stehen unter Dauerbelastung. Alle müssen derzeit Schwerstarbeit leisten. Aber das tun wir gerne. Bei uns wird nicht nach Dienstzeiten gefragt. Bei uns steht der Patient im Vordergrund, der umgehend behandelt werden muss, denn nur dann ist eine schnellere Genesung garantiert.
Frage: Geht Schnelligkeit nicht auf Kosten von Qualität?
Dr. Genzel: Nein. Wir sind dazu übergegangen, die Sofortversorgung zu forcieren, um die Liegezeiten im St.-Marien-Hospital zu reduzieren. Zudem nehmen wir mehr ambulante Operationen vor. Diese Arbeitsweise hat den Vorteil, dass die Anschlussbehandlung noch schneller erfolgt und die Patienten zeitnah in die Reha entlassen werden können. Überdies macht sich mehr und mehr die Verzahnung der drei Kliniken, St. Elisabeth Iserlohn, St. Vincenz Menden und St. Marien Balve, positiv bemerkbar. Wir können im Interesse unserer Patienten die vorhandenen Kapazitäten optimal nutzen. Somit ist die Kooperation der drei Krankenhäuser auch ein Garant dafür, dass es trotz der Überbelegung des St.-Marien-Hospitals überhaupt keine Einbußen bei der Qualität der Behandlungen gibt.
Frage: Worauf führen Sie die derzeitige, sehr gute Auslastung des St.-Marien-Hospitals Balve zurück?
Dr. Genzel: Die vermehrte Anzahl von Knochenbrüchen ist ein Grund, aber der Hauptgrund sind die niedergelassenen Ärzte, die mehr Patienten ins St.-Marien-Hospital einweisen als im Vorjahr.
Frage: Noch vor einigen Wochen wurden die Hausärzte als die Totengräber des Balver Krankenhauses beschimpft. Warum jetzt der Sinneswandel?
Dr. Genzel: Im Dezember habe ich mit den Hausärzten intensive Gespräche geführt und dabei deutlich gemacht, wie groß unser Leistungskatalog ist, auch durch die Verzahnung der drei Kliniken in Iserlohn, Menden und Balve. Bei uns ist durch diese Kooperation eine Komplettversorgung aus einer Hand möglich.
Frage: Wie ist Ihr Eindruck nach dem Klinkenputzen bei den Hausärzten?
Dr. Genzel: Ich habe sehr fruchtbare Gespräche in guter Atmosphäre mit meinen Kollegen geführt. Dabei habe ich den Eindruck gewonnen, dass es allen Hausärzten aus der Region Balve, Neuenrade und Sundern darum geht, dass ihren Patienten im St.-Marien-Hospital eine optimale Versorgung zukommt. Um dies zu garantieren und die Hausärzte noch mehr in unsere Arbeit einzubinden, werden wir zukünftig häufiger kommunizieren. Und die Befundberichte rasend schnell an die Kollegen weiterreichen. Wir alle werden uns bemühen, Fehler abzustellen.
Das Gespräch mit Chefarzt Dr. Genzel führte Richard Elmerhaus
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