Schüler fühlen WP-Redakteur auf den Zahn

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Was wir bereits wissen
Rollentausch im Reporterleben von Marcus Bottin: Auf einmal stellen die anderen die Fragen – und die sind gerade einmal neun oder zehn Jahre jung.

Balve..  14 wissbegierige Viertklässler der St.-Johannes-Grundschule und ihre nicht minder interessierte Klassenlehrerin können ganz schön viele Fragen stellen, und den Herrn Zeitungsreporter ein wenig ins Schwitzen bringen.

Wenn die FUNKE-Mediengruppe, zu der auch die WESTFALENPOST zählt, Grundschüler zum Zeus-Kids-Projekt einlädt, ist Nachfragen ausdrücklich gewünscht. Als Reporter wollen die Jungen und Mädchen ganz genau wissen, wie das so funktioniert bei der Zeitung.

Die indiskrete Frage nach meinem Einkommen kann ich noch so eben mit dem Hinweis umschiffen, dass sich das am Ende des Monats in ähnlichen Dimensionen bewegen dürfte, wie das Gehalt ihrer Klassenlehrerin. Als ich jedoch aufzählen soll, welche Promis ich schon getroffen habe und was die lustigsten Ereignisse meiner Berufslaufbahn waren, folgt das, was Journalisten am wenigsten an ihren Gesprächspartnern schätzen: betretenes Schweigen.

Die Wahrheit muss wohl raus: Der Journalistenjob ist zwar oft spannend und interessant, zumindest bei einer lokalen Tageszeitung, aber selten glamourös. Echte Prominente lassen sich in Balve nur selten sehen, und selbst Kategorie-C-Promis, deren Bekanntheitsgrad sie vielleicht für einen Einzug ins Dschungelcamp qualifiziert, habe ich bislang noch nicht interviewt.

Viele sympathische Begebenheiten

Muss ich aber auch gar nicht. Der Arbeitsalltag eines Zeitungsredakteurs ist auch ohne Star-Kontakte sehr abwechslungsreich, und das eine große, superlustige Erlebnis fällt mir vermutlich nur deshalb nicht spontan ein, weil es viele kleine, nette, sympathische Begebenheiten gibt, die zum Schmunzeln sind.

Zwei Wochen lang nehmen die Jungen und Mädchen der Klasse 4c während des medienpädagogischen Projekts Zeus-Kids ihre lokale Tageszeitung genau unter die Lupe. Das Klassenzimmer wird mit Zeitungsseiten, ausgeschnittenen Artikeln, Wetterprognosen und selbstverfassten Nachrichten tapeziert. Und an einem Vormittag schaut ein Redakteur der Lokalausgabe Balve in der Schule vorbei, um aus erster Hand „live“ zu berichten, wie Zeitungen gemacht werden.

Während dieser Projektphase erfahren die Grundschüler, wie Nachrichten entstehen und für die Leser aufbereitet in der Zeitung landen. Sie lernen, Informationen zu finden, zu hinterfragen und wichtige von unwichtigen zu trennen. Das Thema scheint spannend zu sein. Sechs Kinder zeigen auf, als ich wissen will, wer denn zu Hause regelmäßig in die Zeitung schaut – und immerhin drei können sich vorstellen, später Journalist zu werden.

Was man benötigt, um Redakteur zu werden, wollen die Viertklässler wissen. Ausdauer, Neugier, Mut und keine Angst vor Überstunden – das wären ein paar ganz wichtige Voraussetzungen. „Und eine gute Rechtschreibung“, ergänzt Klassenlehrerin Gudrun Fabry. „Stimmt“, muss ich zugeben – und schon werden manche Gesichter ein wenig länger.