Schreckens-Szenario in der Balver Höhle

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Was wir bereits wissen
Der Begriff Großübung beschreibt nur unzureichend, was sich am 15. August rund um die Balver Höhle abspielen wird.

Balve..  Ein derartiges Aufgebot an Helfern und Einsatzfahrzeugen hat die Hönnestadt noch nie gesehen. „Da rollt ganz schön was auf uns zu“, sagte Berufsfeuerwehrmann Christian Boike während der Vorstellung der Großübung durch die Freiwillige Feuerwehr Balve. Weil diverse heimische Vereine regelmäßig als Ausrichter von Großveranstaltungen in der Höhle aktiv sind, hatte die Feuerwehr zu einem Informationsabend eingeladen.

Rund 300 Einsatzkräfte und mehr als 70 Fahrzeuge verschiedener Rettungsdienste werden am Übungssamstag ein Szenario durchspielen, von dem alle Verantwortlichen hoffen, dass es niemals Realität wird. Doch weil gesetzliche Vorgaben geändert wurden und Erfahrungen aus anderen Orten die Notwendigkeit guter Notfallpläne auch für unwahrscheinliche Schadenereignisse zeigen, will die Verwaltung des Märkischen Kreises nicht untätig bleiben. Deshalb wird der Rettungsleitstelle am 15. August ein ManV 25 gemeldet. Übersetzt bedeutet das ein Schadensereignis mit einem Massenaufkommen an Verletzten (ManV) – im konkreten Fall rund 25 verletzte Personen. Ort des (fiktiven) Geschehens ist die Balver Höhle: ein Veranstaltungsort, der Rettungskräfte vor besondere Schwierigkeiten stellt. Wegen der Tallage stehen nur begrenzte Freiflächen zur Verfügung, die Hönne riegelt das Terrain zu großen Teilen ab, und die Brücke als einzige Zufahrt zur Höhle macht es voraussichtlich unmöglich, mit Rettungsfahrzeugen bis zum Einsatzort zu fahren.

Keine leichte Aufgabe

Leicht wird es nicht werden, was die Helfer aus großen Teilen des Märkischen Kreises bei ihrer gemeinsamen Übung zu leisten haben. Aber leicht soll es auch gar nicht werden. Der stellvertretende Leiter der Balver Wehr, Oliver Prior, erklärt: „Bei einem echten Einsatz mit Massenpanik wird es auch nicht leicht. Bei dieser Übung soll es für unsere Einsatzkräfte so realistisch wie möglich zugehen. Dann können wir wirklich etwas daraus lernen.“
Dass es – zumindest zu Beginn der Übung – drunter und drüber zugehen wird, erwarten die Verantwortlichen. „Wir wissen, dass es Chaos geben wird“, erklärt Oliver Prior. „Das ist ein heftiges Szenario. Viele Menschen wollen flüchten. Die zuerst eintreffenden Rettungswagen werden gestürmt. Wir sind gespannt, was alles auf uns zukommt.“

So spektakulär die Großübung auch wird, das Schadenereignis selber, der Auslöser des Großeinsatzes der Rettungskräfte also, ist es nicht. Im Drehbuch steht eine scheinbar undramatische Situation: ein alkoholisierter Besucher der Veranstaltung mit 2000 Menschen versprüht in der Höhle eine Dose Reizgas.

Der Kontakt mit Reizgas ist sicherlich unangenehm, aber kann er wirklich den Einsatz von 300 Rettungskräften mit über 70 Fahrzeugen erforderlich machen? „Ja“, sagt Feuerwehr-Chef Frank Busche. „Wenn so viele Menschen auf relativ engem Raum zusammen sind, kann leicht eine Panik ausgelöst werden.“

Bundesstraße wird gesperrt

Noch sind es gut acht Wochen bis zum großen Übungstag. Doch schon jetzt bittet die Feuerwehr alle Balver um Rücksicht und Verständnis. Die Bundesstraße vor der Höhle wird für mehrere Stunden gesperrt, und auch in anderen Teilen der Stadt werden Verkehrsbehinderungen nicht ausbleiben.

In die Hoffnung, dass ein derartiges Szenario nie eintreten wird, mischt sich die Ungewissheit, wie gut oder schlecht die Rettungskräfte die Aufgabe meistern werden. „Man kann viel überlegen und planen, aber voraussagen, was wirklich passiert, können wir nicht“, gibt Christian Boike zu. Nicht einmal bei einer Übung, die den Beteiligten viele Wochen vorher bekannt ist.