Schauspielerei ist kein Zuckerschlecken

Foto: Richard Elmerhaus

Balve..  Bevor Freya Müller aus Lan­genholthausen und die Künstler von „TheaterTotal“ gestern Abend mit dem Stück „Böse Geister“ in der Aula des Schulzentrums begeisterten, waren drei Schauspieler am Morgen in der Dreifachturnhalle, um jungen Schülerinnen und Schülern in einem Workshop Theaterübungen und schauspielerische Grundlagen näher zu bringen.

Die Bildungsmaßnahme stieß auf großes Interesse, wie Christa Knoop von der Hauptschule berichtet. „Wir hatten deutlich mehr Anmeldungen und mussten die 20 Plätze für die Klassen 5 bis 10 verlosen.“

Auch die Jugendlichen waren von dem Schnupperangebot begeistert. Sie mussten unter anderem von einem Mitschüler mit geschlossenen Augen durch die Dreifachturnhalle geführt werden. „Eine vertrauensbildende Maßnahme“, berichtet Lukas Schäfer aus Köln von „TheaterTotal“.

Auch bei Gabriele Brozio, seit zehn Jahren Schulsozialarbeiterin in der Hauptschule Balve, kam der Workshop sehr gut an. „Weil die Kinder dadurch an das Theaterspielen herangeführt werden“, sagt Brozio. Bis vor einigen Monaten habe es an der Schule noch eine Theater-AG gegeben, jetzt nicht mehr. Ga­briele Brozio will daher eine theaterpädagogische Ausbildung in Essen beginnen, die zwei Jahre dauert, um möglichst schon im nächsten Schuljahr wieder das Theaterspielen zu ermöglichen. „Vielleicht nicht in Form einer AG“, sagt die Schulsozialarbeiterin. „Aber zumindest im Rahmen des offenen Treffs.“

TheaterTotal – das ist ein Projekt, bei dem sich junge Menschen und erfahrene Künstler aus der gesamten Welt im Alter von 18 bis 26 Jahren begegnen. Bis zu 150 Bewerbungen gibt es pro Jahr – 30 Teilnehmer werden nur ausgewählt. „Die Proben sind enorm intensiv und können auch mal bis 2 Uhr nachts dauern“, berichtet Lukas Schäfer im WP-Gespräch.

Täglicher Unterricht

Die Zusammenarbeit führe über einen Kennenlern-Workshop im Juli zu einer Performance im Herbst und einer Inszenierung mit anschließender Tournee durch Deutschland. Zusätzlich zum täglichen Tanz- und Schauspielunterricht werde in folgenden Bereichen gearbeitet: Malerei, Dramaturgie, Bühnenbild, Kostümentwurf, Bühnentechnik, Beleuchtungstechnik, Tontechnik, Management oder Ernährungslehre.

Die Teilnehmer werden aber nicht nur in Schauspiel, Tanz und Gesang ausgebildet. Sie planen, kochen, waschen und putzen auch zusammen. Ihre Kraft und Zeit widmen sie einem Ziel – mit Theater zu begeistern. So wie gestern Abend in der Aula des Schulzentrums mit dem Stück „Böse Geister“.