Das aktuelle Wetter Balve 12°C
Gericht

Sadistische Machtdemonstration hart bestraft

01.03.2016 | 20:28 Uhr
Sadistische Machtdemonstration hart bestraft
Foto: Kurt Michelis

Balve/Menden.   Richter Martin Jung kannte am Dienstagmorgen keine Gnade.

Er bestrafte die drei Angeklagten, die nach seiner Meinung im Alkoholrausch eine Gewaltorgie durchgezogen hatten, in zwei Fällen mit hohen Freiheitsstrafen.

Der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts Menden verurteilte den 33-jährigen Hauptangeklagten zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe ohne Bewährung wegen schwerer Körperverletzung. Seine beiden Kumpanen kamen mit Bewährungsstrafen davon, und zwar mit einem Jahr und fünf Monaten beziehungsweise acht Monaten.

Im Mittelpunkt der Verhandlung stand die körperliche Misshandlung eines 27-jährigen Balvers. Er muss sich am 27. Oktober 2013 in der Flüchtlings-Unterkunft in Garbeck vorgekommen sein, wie in einem Kriminalfilm mit sehr viel Gewaltanwendung. Denn über mehrere Stunden wurde der Balver von drei Männern von der einen in die andere Ecke geprügelt und zum Schluss auch noch mit einem Küchenmesser ins Knie gestochen.

Hauptübeltäter aus Balve

Für Staatsanwalt Schmelzer war der 33 Jahre alte, erheblich vorbestrafte und unter Bewährungsaufsicht stehende Balver der Hauptübeltäter, der nicht nur mehrfach zugeschlagen habe, sondern auch das Auto des Geschädigten ohne Fahrerlaubnis zu Schrott gefahren hat.

Zuvor war er mit seinem 31-jährigen Kumpel auf einen Balver losgegangen, der sich eine Schachtel Zigaretten im Kiosk in der Hospitalgasse gekauft hatte. Als der Mann von den beiden stark alkoholisierten Männern, die in der Nacht zuvor in Menden drei Flaschen Wodka getrunken hatten, verbal attackiert wurde, ergriff er die Flucht. Die beiden Angeklagten nahmen jedoch die Verfolgung auf und prügelten in der Hoffmeisterstraße so lange auf ihn ein, bis eine mutige Autofahrerin aus Balve auftauchte und sie mit der Polizei drohte. Daraufhin ließen sie von ihrem Opfer ab und verkrochen sich vor der Polizei bei ihrem Bekannten.

Schnell kommt es zum Streit

Anstatt froh darüber zu sein, dass er sie und einen weiteren Mann aufgenommen hatte, kam es schon bald zum Streit. Der 31-jährige Angeklagte verlangte von seinem Gastgeber 400 Euro, „oder er werde den Fernseher mitnehmen“. Als der Gastgeber erklärte, er habe kein Geld, gab es Hiebe. Dennoch fuhr er wenig später die drei Angeklagten mit seinem Auto nach Garbeck. Bereits während der Fahrt zog einer der Angeklagten die Handbremse und anschließend wurde der Fahrzeugeigentümer aus seinem Auto gedrängt. Der 31-Jährige setzte sich hinter das Lenkrad und drehte vor dem Flüchtlingsheim in Garbeck seine Runden. Um den Autobesitzer zu schädigen, weil dieser sich nicht an einer Geldstrafe in Höhe von 800 Euro beteiligt hatte, fuhr er den VW Polo extra vor eine Eisenstange.

Damit nicht genug, ging die sadistische Machtdemonstration, wie der Staatsanwalt die Demütigung des Opfers nannte, weiter. Im Flüchtlingsheim wurde sodann reichlich Wodka getrunken und auf den 27-Jährigen eingeschlagen. Während der dritte Täter sich bis zu diesem Zeitpunkt eher deeskalierend verhalten hatte, holte er plötzlich ein Messer aus der Gemeinschaftsküche. Er selbst erklärte jedoch: „Ich will mich nicht noch einmal versündigen.“ Was er damit meinte, erfuhr auch das Gericht nicht. Fest steht allerdings, dass der Bewohner der Flüchtlings-Unterkunft das Messer an seinen 33-jährigen Kumpanen weiterreichte, der es umgehend in das Bein des Mannes rammte.

Volltrunken Unfall gebaut

Damit nicht genug, drohten sie dem wehrlosen Opfer, das stundenlang gequält worden war: „Wir lassen dich mit dem Polo in den Wald bringen. Dort wirst du verscharrt.“ Im Gerichtssaal erzählte das Opfer, dass der Hauptangeklagte bereits auf seinem Handy eine Nummer gewählt hatte, um den Worten Taten folgen zu lassen. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil der 33-Jährige von seinem Opfer abgelassen hat, um so betrunken wie er war, mit dem VW Polo seine Ex-Freundin aufzusuchen. Diese Fahrt endete in Bösperde mit einem Totalschaden.

Richard Elmerhaus

Kommentare
02.03.2016
14:08
Sadistische Machtdemonstration hart bestraft
von slembrouck | #1

... und viele Fragen offen: warum ließ sich der "Balver" in die Flüchtlingsunterkunft fahren, weil die in Oktober 2013 kaum belegt war? - Warum wird...
Weiterlesen

Funktionen
Fotos und Videos
Feuerwehr blickt zurück und nach vorn
Bildgalerie
Stadtverbandstag
SGV Balve feiert 125. Geburtstag
Bildgalerie
Balver Höhle
article
11613846
Sadistische Machtdemonstration hart bestraft
Sadistische Machtdemonstration hart bestraft
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/balve/sadistische-machtdemonstration-hart-bestraft-id11613846.html
2016-03-01 20:28
Balve